Soweit ich in Erfahrung bringen konnte, beläuft sich die Zahl der in Smyrna lebenden Armenier auf 6–7000, darunter die reichsten Leute der Stadt, aber auch einzelne üble Persönlichkeiten.“

Aus der Aufzeichnung des Grafen Spee füge ich folgendes hinzu:

„Die ganze Angelegenheit ist, abgesehen von der rechtlichen Vergewaltigung und den unabsehbaren Folgen für die Opfer, für die deutschen Interessen bzw. das deutsche Ansehen von größter Tragweite.

Die Maßnahmen der Regierung erfolgen in einer Zeit, zu welcher außer dem deutschen Korpskommandeur auch der Oberbefehlshaber, Marschall Liman von Sanders, in Smyrna anwesend war. Das Gerücht geht in der Stadt, daß das planmäßige Vorgehen von den Deutschen vorbereitet sei, damit sie sich der ihrem Handel unbequemen armenischen Konkurrenten auf diese Weise entledigen könnten.

Materiell wird ein direkter Schaden entstehen, da tatsächlich die armenischen Kaufleute deutsche Waren in großem Umfange abgenommen haben, die zum großen Teil noch nicht bezahlt sind. Die von den Armeniern noch zurückgehaltene Ware wird unter Anwendung des neuen Gesetzes über zurückgelassene Habe den üblen türkischen Elementen die Handhabe bieten, sich ohne weiteres in den Besitz dieser Waren gleichzeitig mit den sehr beträchtlichen Vermögen der Armenier zu setzen. Und dies alles unter dem billigen Vorwande, daß die Deutschen es gemacht haben.

Radowitz.

Seiner Exzellenz dem Reichskanzler
Herrn von Bethmann Hollweg.

307.

Kaiserlich
Deutsche Botschaft.