Zur Verwirklichung dieses Planes scheint diesen Herren die jetzige Zeit die geeignetste.

Als erster Punkt ihres Programms kam die Erledigung der Armenier.

Für die mit der Türkei im Bündnis stehenden Mächte wurde eine angeblich vorbereitete Revolution der Partei der Daschnakzagan vorgeschützt. Lokale Unruhen und Selbstschutzbestrebungen der Armenier wurden außerdem aufgebauscht und zum Vorwand genommen, die Aussiedelung der Armenier aus bedrohten Grenzgebieten zu motivieren. Unterwegs wurden die Armenier auf Anstiftung des Komitees von kurdischen und türkischen Banden, stellenweise auch von Gendarmen, ermordet.

2. Etwa zu gleicher Zeit wurden die Nestorianer im östlichen Kurdistan durch türkische Truppen von Mossul nach tapferer Gegenwehr aus ihren Wohnsitzen vertrieben und zum Teil vernichtet. Ihre Felder und Wohnstätten wurden verwüstet. Die Überlebenden flüchteten zu den Russen und kämpfen jetzt in deren Reihen gegen die Türkei.

3. Der Feldzug Halil Beys nach Nordpersien hatte Massakrierung seiner armenischen und syrischen Bataillone und Vertreibung der armenischen, syrischen und persischen Bevölkerung aus Nordpersien zur Folge und hinterließ eine große Erbitterung gegen die Türken.

4. An eine Abrechnung mit den Arabern wird ebenfalls gedacht, doch die im Augenblick ungünstige militärische Lage ließ den Zeitpunkt dafür noch nicht für gekommen erscheinen. Inzwischen versuchte man durch starke Rekrutierung der Araber und Entsendung arabischer Truppen in mangelhaftester Ausrüstung in klimatisch ungünstige Gegenden (Winterfeldzug 1914 Erzerum, 1915 Nordpersien) einen geeigneten Ersatz zu finden.

5. In lächerlicher Überschätzung der Kraft und der Fernwirkung pantürkischer Ideen, und in Unterschätzung des Einflusses der kaukasischen Armenier, glaubt man die Muhammedaner des Kaukasus für einen Anschluß an die Türkei und zu einem Aufstand gegen Rußland gewinnen zu können, und nur langsam dämmert die Erkenntnis, daß durch das Vorgehen gegen die Armenier und das Verhalten türkisch-kurdischer Freischärler in den kaukasischen Grenzgebieten dieser Plan stark an Wahrscheinlichkeit eingebüßt hat. Die deutsche Verständigung mit den Kaukasiern wird ungern gesehen und vielfach gehindert.

Meine Eindrücke in bezug auf die Frage des Verhältnisses der Türken zu den anderen dort lebenden Nationen zusammenfassend (die ich bis Ende August 1916 gewonnen habe), möchte ich, im Hinblick auf die Zukunft, folgendes ausführen:

Es erscheint mir nicht ausgeschlossen, daß im Bereich der 6. Armee der Versuch gemacht werden wird, zur Hebung der Stimmung der auf türkischer Seite kämpfenden Kurden, ihren Fanatismus erneut anzufachen und ihnen freie Hand gegen die dortige christliche Bevölkerung zu geben.

Ein ähnliches Ausspielen der sunnitischen Kurden gegen die schiitischen Perser könnte unter Umständen in Nord- und Mittelpersien stattfinden und dadurch, abgesehen von den wirtschaftlichen Folgen, einen dauernden Gegensatz zwischen den Beteiligten hervorrufen.