Ich habe schließlich den Eindruck gewonnen, daß ein schärferes Auftreten gegen die rigorosen Bestrebungen des jungtürkischen Komitees, wo wir die Macht dazu haben, unserem Ansehen dienen dürfte und uns die Sympathien, nicht nur der Nichtmuhammedaner und Araber, sondern auch der Alttürken und der derzeitigen Minderheit der Jungtürken eintragen würde.

Bei der Unsicherheit der türkischen politischen Verhältnisse erscheint es mir nicht unangebracht, die Stimmung dieser in der Provinz Einfluß habenden Kreise in Rechnung zu ziehen.

Wenn wir, die Türken, in diesem Kampf um die Existenz des osmanischen Reiches verbluten, so soll es auch keine anderen Nationen in demselben mehr geben: dieser Ausspruch eines jungtürkischen Politikers kennzeichnet am besten den Standpunkt der jungtürkischen Komiteekreise. Die, meist aus Mangel an Organisation und Voraussicht immer mehr auftretende Schwächung des reinen Türkentums (der Anatolier) zieht in logischer Konsequenz auch die gewaltsame Vernichtung der anderen in der Türkei lebenden Nationen nach sich.

Diesem Vernichtungsprozeß unsere Aufmerksamkeit zuzuwenden und ihm auch entgegenzuwirken, scheint mir in unserem politischen und wirtschaftlichen Interesse geboten.

v. Scheubner-Richter.

An Seine Exzellenz den Reichskanzler
Herrn von Bethmann Hollweg, Berlin.

310.

Auswärtiges Amt.

Berlin, den 25. Dezember 1916.

In einem Bericht des Verwesers des Kaiserlichen Generalkonsulats in Jerusalem ist u. a. davon die Rede, daß nach zuverlässigen Nachrichten und entgegen allen türkischen Ableugnungsversuchen die gewaltsamen Islambekehrungen unter den verschickten Armeniern fortgesetzt werden. Die gleiche Nachricht ist auch auf anderen Wegen hierher gedrungen und hat in weiten Kreisen der deutschen Christen berechtigte Empörung hervorgerufen.