Zimmermann.

Seiner Exzellenz dem Kaiserlichen Botschafter
Herrn von Kühlmann, Konstantinopel.

Anlage.

Angora (Kleinasien), den 3. Juni 1917.

Seit Dezember vorigen Jahres fand sich hier wieder ein armenisch katholischer Priester, der in vollkommener Freiheit Seelsorge ausüben konnte. Die Folge war, daß die so hart geprüfte Bevölkerung wieder aufatmete und neue Lebenshoffnung bekam. Damit ist es nun wieder völlig vorbei.

Schon im Februar dieses Jahres verleidete man den Armeniern die Teilnahme an meinem Gottesdienste, indem man während der hl. Messe in brutalster Weise lärmend mit Polizei und Gendarmerie eindrang und alle Armenier hinauswies. Seit Pfingsten ist nun auch dem armenisch-katholischen Priester die Abhaltung öffentlicher Gottesdienste untersagt. Außerdem finden Vorkehrungen statt, die nach früheren Erfahrungen und nach ausdrücklicher Versicherung unterer Polizeiorgane eine neue Exilierung einleiten sollen. Ich habe allerdings einstweilen noch den Eindruck, es handele sich mehr darum, die wieder mutiger gewordenen Katholiken einzuschüchtern, ihren Widerstand gegenüber der Einladung zum Übertritt zum Islam zu lähmen und die früher in nicht rechtsverbindlicher Form Übergetretenen beim Islam festzuhalten.

Wie dem auch sei, jedenfalls liegt eine eigentliche religiöse Verfolgung vor. Jedenfalls kommen Gründe militärischer Art gar nicht in Betracht, da es sich fast nur um Frauen und Kinder handelt und Angora zudem soweit als möglich von jedem Kriegsgebiet entfernt liegt.

Dr. David, Feldgeistlicher in Angora.

Juli.