Wir deutschen Missionare hier im Innern können nicht viel mehr tun, als das unsagbare Leid der orientalischen Christenheit, mehr oder weniger passiv, mitzutragen. Aktivität aber ist Sache der deutschen evangelischen Christenheit und bei den deutschen evangelischen Missionskreisen.
Ich bin überzeugt, wenn man die Wahrheit wüßte, würde ein einziger Schrei der Entrüstung durch unser Volk gehen. Es ist kein Zweifel, das, was dem armenischen Volke angetan wurde und noch angetan wird, ist das größte Verbrechen der Weltgeschichte. Wird das Volk der Reformation die gänzliche Vernichtung einer christlichen Nation als gegebene Tatsache hinnehmen? Wird die deutsch-evangelische Kirche, die in diesem Jahr ihre Reformationsjahrhundertfeier begehen will, kein Wort des Protestes dafür haben, daß hier eine Schwesterkirche von sadistischen Fanatikern zerstört wurde? Das wäre nicht deutsch, nicht christlich.
Bitte machen Sie von meinem Brief Gebrauch, wo Sie können. Womöglich lassen Sie auch Exzellenz Dryander Einsicht nehmen.
Gott aber, der Herr der Kirche, wolle Sie in allem leiten!
Und dann noch eins: Wir brauchen materielle Hilfe, und wieder Hilfe und nochmals Hilfe. Es stehen missionarische Güter von höchstem Wert auf dem Spiel.
Ernst J. Christoffel.
357.
(Kaiserlich
Deutsche Gesandtschaft.)
Telegramm.
Bern, den 24. Juli 1917.