Telegramm des Generals von Lossow:
„Die maßlose türkische Forderung, auch auf die rein armenischen Gebiete von Achalkalaki, Alexandropol und Eriwan abzielt auf Gebietserwerb weit über Brester Vertrag hinaus, auf alleinige wirtschaftliche Ausbeutung Kaukasiens und auf völlige Ausrottung der Armenier auch in Transkaukasien.
Am 13. abends haben die Türken die Überlassung der Bahn Kars-Alexandropol-Dschulfa in Form eines Ultimatums gefordert, ohne mein Einverständnis erlangt oder mich vorher benachrichtigt zu haben. Ich habe gegen dieses Vorgehen protestiert. Mein Vermittelungsvorschlag, auf Grund dessen eine prinzipielle Regelung der wichtigsten und brennendsten Fragen zu erlangen wäre, ist folgender:
1. Die Türken müssen den Brester Vertrag als Basis anerkennen.
2. Um den Türken den Rückzug zu erleichtern, wird der muhammedanische Bezirk von Achalzich in Form von Grenzregulierungen gegen georgisches Gebiet nördlich Batum und den rein armenischen Ostteil vom Bezirk Kars ausgetauscht, wobei Festung Kars den Türken verbleibt.
Halils Stellung noch unbekannt. Sobald der Vorschlag angenommen ist, kann der Transport türkischer Truppen auf der Strecke Kars-Dschulfa beginnen, jedoch nur unter deutscher Leitung und Garantie. Ich bitte daher, sofort kleine Kommission zu schicken, die gemeinsam mit mir in Tiflis die Bahnsachen bearbeitet, sowie ein deutsches Bataillon, das Wach- und Ordnungsdienst auf den Stationen von Alexandropol bis Dschulfa übernimmt. Dies wird von Kaukasiern unbedingt verlangt, da sie den Türken mit größtem Mißtrauen gegenüberstehen. Türkische Leitung oder Beeinflussung der kaukasischen Bahn lehnen sie mit größter Entschiedenheit ab.
Nachsatz: Aus einer Besprechung, die ich nachmittags mit Halil hatte, geht klar hervor, daß er, Wehib und ich im Prinzip einig sind. Dagegen bleibt Enver auf seinen Forderungen bestehen und verlangt ein sofortiges Ultimatum. Soll ein neuer blutiger Krieg im Kaukasus vermieden werden, so muß der Botschafter unverzüglich dem Großwesir erklären, daß die deutsche Oberste Heeresleitung niemals Envers Forderung unterstützen kann und schärfsten Protest gegen das die verbündeten Interessen schwer schädigende türkische Vorgehen einlegt.“
Bernstorff.
393.
Kars, den 16. Mai 1918.