Ich reiste von Erzerum über das Schlachtfeld von Sarikamisch nach Kars, wo ich vom 10. bis 14. Mai verblieb. Nach der Erzählung von Deutschrussen, die den Einmarsch der Türken in Kars Ende April d. J. miterlebt haben, war diesmal die Manneszucht gelockert und die einziehenden Truppen raubten und plünderten. Auch gingen die Türken sehr rigoros bei Requirierung von Proviant und Vieh vor. Trotz Weisung Enver Paschas konnte nicht verhindert werden, daß das Symbol von Kars, eine zur Verherrlichung des russischen Sieges 1878 gesetzte Statue eines russischen Soldaten in Bronze, der mit dem Fuße eine ottomanische Fahne zertritt, von den erbitterten türkischen Soldaten sofort zertrümmert wurde.
Zurzeit leisten die armenischen Truppen, die sich nach Preisgabe der früheren russisch-türkischen Grenze bei Alexandropol konzentriert haben, den Türken verzweifelten Widerstand.
Anders.
394.
(Auswärtiges Amt.)
Berlin, den 21. 5. 1918.
Aufzeichnung.
Ich habe Herrn Nasariantz beim Abschied folgende Mitteilung gemacht:
Seit die Delegierten des armenischen Nationalrates von dem stellvertretenden Herrn Staatssekretär empfangen worden sind, haben sich die Ereignisse im Kaukasus weiter entwickelt. Die Türken haben sich aus militärischen Gründen veranlaßt gesehen, die Grenzen von Ardahan, Kars und Batum zu überschreiten. Leider erscheint es infolgedessen zu Zusammenstößen mit Armeniern gekommen zu sein. Wir stehen wegen dieser Fragen in Telegrammwechsel mit der türkischen Regierung. Auch wird bereits in nächster Zeit der Oberst Freiherr von Kreß, ein guter Kenner der Türkei und der Türken, nach dem Kaukasus entsandt werden. Die armenischen Delegierten könnten sich nach ihrer Rückkehr in die Heimat mit ihren Wünschen an Oberst von Kreß wie auch an General von Lossow wenden. Herrn von Kreß ist die armenische Angelegenheit besonders ans Herz gelegt worden.
Göppert.