Brieflich eingegangen am 30. Juli.

Bischof Mesrop ist mit Lebensgefahr von Eriwan hierher gekommen, um deutsche Hilfe zu erflehen. Nach seiner Angabe müssen mindestens eine halbe Million Armenier Hungers sterben, wenn nicht sofort den Armeniern die Rückkehr in die Gegend von Sadarabad-Igdir und Darvala erlaubt wird, um die reife Ernte einzubringen. Die Schilderungen des glaubwürdigen und verdienten Bischofs sind erschütternd. Die türkische Absicht, die ganze armenische Nation durch völlige Abschließung verhungern zu lassen, liegt klar zutage. Essad hat meine Bitte, den armenischen Flüchtlingen und dem armenischen Nationalrat die Rückkehr zu erlauben, unter nichtigen Vorwänden abgeschlagen. Stärkster Druck der Mittelmächte auf die Türken ist dringendes Gebot der Menschlichkeit und Politik.

Kreß.

405.

Kaiserlich Deutsche Delegation
im Kaukasus.

Tiflis, den 11. Juli 1918.

Heute hat mich der armenische Bischof Mesrop, ehemaliger Verweser des Erzbistums Tiflis, besucht, wie ich Euerer Exzellenz bereits anderweitig berichtete.

Der Bischof, ein ehrwürdiger Mann, Ende der fünfziger Jahre, ist in Dorpat geboren und spricht gut deutsch. Er ist allein zu Pferde über das Gebirge durch die tatarischen Banden hindurch in steter Lebensgefahr von Eriwan nach Tiflis geritten, um die deutsche Hilfe zur Rettung der Reste der armenischen Nation zu erbitten.

In ergreifenden Worten schildert der Bischof das Schicksal seiner Nation. Er hat sich redlich bemüht, das Elend zu lindern und zu helfen. Mehr als eine halbe Million von Armeniern aus den von den Türken besetzten und bedrohten Gebieten haben in der ersten Hälfte des April in panikartiger Flucht ihre Dörfer verlassen und sind vor den Türken geflohen. Sie sind zurzeit in der Gegend von Eriwan versammelt. Man hat zwar etwas Geld aufgebracht, um sie zu unterstützen, aber sie bekommen auch für schweres Geld nichts zu essen. Viele, viele Tausende leben seit Wochen nur von Gras. Selbstverständlich wüten ansteckende Krankheiten und fordern zahllose Opfer unter den halb verhungerten und verelendeten Menschen.

Die Türken haben ungeachtet des Friedensvertrages von Batum und der Anerkennung der Selbständigkeit von Armenien das armenische Gebiet nicht geräumt und erlauben vor allem dem in Tiflis sitzenden Nationalrat und den in Georgien befindlichen Flüchtlingen nicht, in die Heimat zurückzukehren. Da der Nationalrat keine Verbindung mit Armenien hat, kann er seinen Regierungspflichten nicht nachkommen.