(Zur Lage der armenischen Flüchtlinge.)

Aus Wladikawkas wird uns vom 2. Juli berichtet:

Es gibt keinen Armenier, dem nicht in Lars bei Kasbek ein Unglück begegnet wäre. Die armenischen Flüchtlinge werden nicht nur ihres Geldes und ihrer Habe beraubt, sondern sie haben dazu noch Erniedrigungen und Vergewaltigungen aller Art zu erdulden. Die Flüchtlinge, welche Wladikawkas erreichen, glauben, dort in Sicherheit zu sein. Nach kurzer Rast daselbst begeben sich die Flüchtlinge nach Armavir. Auf den Stationen Darkoch und Elchotowo wird der Flüchtlingszug das Opfer eines organisierten Räuberüberfalles. Hier werden die Flüchtlinge von den Räubern gründlich ausgeplündert, die geraubte Habe wird auf kleine Wagen verladen und nach den Wohnsitzen der Räuber geschleppt. Dies alles geschieht am hellen Tage und straflos. Die dortige Regierung, welche alle diese Ereignisse mit ansehen mußte, hat nun endlich strenge Maßnahmen ergriffen. Diesen zufolge sollten die Züge durch Soldatenabteilungen beschützt werden und hauptsächlich aus Panzerwagen bestehen. Wir hoffen, daß die räuberischen Überfälle nunmehr bald aufhören werden.

Aus Duschet wird uns vom 8. Juni gemeldet:

Einige Kilometer von Kazbek entfernt, brachen Feindseligkeiten zwischen den Gardisten der georgischen Republik und den Gardisten der russischen kommunistischen Republik aus. Die beiderseitigen Gegner schlossen, als sie das Elend der Flüchtlingsscharen auf dem betreffenden Gebiet sahen, einen Waffenstillstand von 8 Uhr früh bis 2 Uhr nachmittags, um den Flüchtlingen Gelegenheit zu geben, gruppenweise die Linien zu passieren. Nach 2 Uhr sollte das „Kriegsspiel“ wieder aufgenommen werden. Nicht wenige Flüchtlinge werden trotzdem Opfer dieser Scharmützel und müssen, oft unter Zurücklassung ihrer gesamten Habe, schleunigst flüchten, um nur das nackte Leben zu retten. Auf den Sammelstellen der Flüchtlinge herrschen schreckliche Zustände. Kälte, Schmutz, Nächte unter dem freien Himmel fördern gefährliche Epidemien, denen viele zum Opfer fallen.

Auszug aus der Depesche der armenischen Delegation in Konstantinopel.

Aus dem Felde, den 12. Juli 1918.
Ankunft, den 12. Juli 1918.

Kaiserliche Botschaft an Auswärtiges Amt.

Für Dr. Ohandjanian, Berlin.

Avons reçu de Tiflis conseil national télégramme suivant date 7 juillet. Nationalrat erhält täglich alarmierende Nachrichten aus dem von türkischen Truppen besetzten Gebiet Lori. Fälle von Plünderungen und Morden seitens türkischtatarischer Banden im Süden von Sanahin mehren sich. Nach Unterzeichnung des Vertrages von Batum sind in Karakilissa fast 2000 armenische Männer, Frauen und Kinder Massakers zum Opfer gefallen. Zahlreiche Banden operieren noch jetzt in dieser Gegend. Nationalrat ersucht Euch um energischen Protest und um unverzügliche Räumung des armenischen Gebietes, das noch von türkischen Truppen besetzt ist. Essad Pascha Batum sandte mir ein Schreiben, worin er mitteilt, daß Rückkehr armenischer Flüchtlinge nach Akhalkalaki unangängig, da Bevölkerung noch stark erregt sei, über Verbrechen, die Armenier in demselben Gebiet verübten.