Euer Exzellenz bitte ich dem Nuntius zu sagen, daß wir prinzipiell gern bereit sind, die Übermittlung von Unterstützungsgeldern an die armenische und syrochaldäische Bevölkerung im Kaukasus und in Persien zu übernehmen. Ob und wie weit die Ausführung — insbesondere in Persien — praktisch möglich ist, steht allerdings dahin.
Frhr. v. d. Bussche.
An die Königlich Preußische Gesandtschaft München.
413.
Armenische Republik.
Delegation in Berlin.
Berlin, den 15. Juli 1918.
An das Auswärtige Amt des Deutschen Reiches, Berlin.
Die Depesche unserer Delegation in Konstantinopel vom 12. d. M., die Sie uns zuzusenden die Güte hatten, übermittelt uns ein Telegramm des armenischen Nationalrats aus Tiflis vom 7. d. M., wonach täglich alarmierende Nachrichten über Greuel gegen Armenier aus den von den türkischen Truppen besetzten armenischen Gebieten einlaufen. Zahlreiche türkische und tatarische Banden treiben ungestraft ihr Unwesen. Im Süden von Sanahin in Lori mehren sich die Plünderungen und Morde an Armeniern, und in Karaklis sind noch nach Unterzeichnung des Friedensvertrages von Batum fast 2000 armenische Männer, Frauen und Kinder den Massakres zum Opfer gefallen. Nach den bitteren Erfahrungen in Türkisch-Armenien bedeuten diese Vorgänge, die ähnlich auch in anderen Gegenden sich häufen — so z. B. bei der deutschen Kolonie in Katharinenfeld —, das Vorspiel zu katastrophalen Ereignissen, und aus diesen Befürchtungen heraus ersucht der armenische Nationalrat seine Delegierten, gegen diese Untaten energischen Protest zu erheben, und auf die unverzügliche Räumung des armenischen Gebiets durch die türkischen Truppen zu dringen.
Wir durften bereits durch unser ergebenes Schreiben vom 2. Juli der schweren Sorge Ausdruck geben, die uns und unserer Nation die Fortdauer der türkischen Besetzung unseres Gebiets bereitet, wodurch die Lage der Hunderttausende zählenden armenischen Flüchtlinge, die nackt und hungrig in den Bergen und Wäldern umherirren und massenweise den Entbehrungen erliegen, sich in steigendem Maße verschlimmert und die Rückkehr von Ruhe, von Beruhigung in unser Volk unmöglich gemacht wird. Jede Woche, um die sich die Räumung verzögert, erschwert die Lage, verwickelt die Situation mehr und treibt einem Zustand entgegen, dessen Gefahren für das Schicksal der Flüchtlinge und die Existenz unserer Nation überhaupt offensichtlich sind. Wir bitten auch, darauf hinweisen zu dürfen, daß die mit der türkischen Besetzung zusammenhängenden dauernden Ausschreitungen gegen die Armenier bei unseren Volksgenossen in allen Ländern begreiflicherweise starke Erregung und Befürchtungen hervorrufen.
Von dem dringenden Wunsche der Deutschen Regierung, Armenierverfolgungen im Kaukasus zu verhindern, sind wir vollkommen überzeugt und dankbar dafür. Aber solange die Türken noch Teile unseres Gebiets besetzt halten, werden sie immer Mittel und Wege finden, offen oder versteckt, direkt oder indirekt, durch organisierte türkische und tatarische Banden ihrer Politik der Armenier-Ausrottung nachzugehen. Schon die Vertreibung der Armenier aus ihren Heimstätten ist ein solches Mittel, das die Flüchtlinge wirtschaftlich ruiniert und sie zugleich allen Gefahren der Aufreibung aussetzt. Daher werden die Türken in jeder Weise ihre Rückkehr in ihre Wohnstätten verhindern. In dem Telegramm des armenischen Nationalrats ist auch von einem Schreiben Essad Paschas die Rede, der die Rückkehr der armenischen Flüchtlinge aus Achalkalaki für unmöglich erklärt, weil die Bevölkerung angeblich über Verbrechen der Armenier dort noch stark erregt ist. Von Verbrechen, die Armenier in Achalkalaki verübt haben sollen, ist uns nichts bekannt; aber die Hinfälligkeit der Begründung Essad Paschas ergibt sich schon aus der Tatsache, daß in Achalkalaki die Muhammedaner — auf die sich doch nur die Erregung beziehen könnte — nur einen verschwindend kleinen Prozentsatz der Gesamtbevölkerung ausmachen. In dem Bezirk Achalkalaki leben: