An Auswärtiges Amt.

Täglich werde ich von der hiesigen armenischen Delegation mit der Bitte um Entsendung deutscher oder österreichischer Truppen nach Armenien bestürmt. Ohne eine solche Hilfeleistung unsererseits würde es unmöglich sein, die Anarchie in Armenien zu unterdrücken. Die armenischen Flüchtlinge würden jede Hoffnung verlieren, sich zusammenrotten und Banden bilden, um die Türken und die Tataren zu bekämpfen. Gefahr sei im Verzuge. Selbst wenn die Konferenz bald zusammentreten und Beschlüsse fassen sollte, würden diese in Armenien nicht befolgt werden, wenn nicht deutsche oder österreichische Truppen ihre Durchführung überwachten. Aharonian übergab dem Großwesir eine Denkschrift über die Lage in Armenien, welche ich mit dem nächsten Feldjäger einreiche. Talaat Pascha machte die üblichen Versprechungen; diese werden aber natürlich nicht erfüllt werden, da die lokalen türkischen Militär- und Zivilbehörden Weisungen aus Konstantinopel bekanntlich nicht befolgen, am allerwenigsten dann, wenn sie wissen, daß diese Weisungen die Folge eines deutschen Drucks sind.

Bernstorff.

417.

(Auswärtiges Amt.)

Telegramm.

Berlin, den 27. Juli 1918.

An die Deutsche Botschaft, Pera.

General von Kreß drahtet vom 19. Juli:

„Ist bei der türkischen Regierung die dauernde Rückkehr der armenischen Flüchtlinge nicht sofort zu erreichen, so bitte ich dringend, durchzusetzen, daß eine größere Anzahl Männer vorübergehend zur Ausführung der Erntearbeiten in ihre Heimat zurückkehrt. Andernfalls werden Hunderttausende Hungers sterben müssen. Es ist größte Eile geboten. Die Türkei muß auf Konferenz unbedingt dazu gezwungen werden, daß sie die Rückkehr der Armenier gestattet. Armenien ist viel zu klein, um alle diese Leute zu ernähren.“