An Auswärtiges Amt, Berlin.
Endlich haben sich nun der Großwesir und Nessimi Bey entschlossen, in der Kaukasusfrage bestimmte Stellung zu nehmen, nachdem die Angelegenheit mehrfach im Ministerrat besprochen worden ist.
Was die armenischen Flüchtlinge betrifft, so will die türkische Regierung sofort mit der Zurückführung in die Heimat beginnen. Talaat und Nessimi behaupteten, daß sie den Widerstand Envers, der militärische Gründe vorschütze, mit großer Mühe überwunden hätten. Letzterer habe auch bestimmt verlangt, daß für den Bezirk Achalkalaki bis nach Abschluß der Konferenz eine Ausnahme gemacht werde. Dort ständen nur neu gebildete schwache türkische Truppen, auf deren Disziplin man sich nicht verlassen könne. Die Armenier hätten dort vor ihrem Rückzug mit den Greueltaten begonnen; es liege daher die Gefahr nahe, daß die Türken sich rächen würden.
In der Frage der Grenzregulierungen blieb die türkische Regierung vollkommen intransigent.
Wir haben meines Erachtens gar kein Mittel, die Türken zum Nachgeben zu zwingen. Mit jeder Art von Repressalien ist bereits vergeblich gedroht worden.
Sollten Euere Exzellenz es für ausgeschlossen erachten, daß wir auf obiger Basis zu einer Einigung mit der Türkei kommen, so bliebe meines Erachtens nur übrig, mehr Truppen nach Armenien und Georgien zu schicken.
Bernstorff.
419.
Deutscher Militärbevollmächtigter.