Konstantinopel, den 30. Juli 1918.

Generalfeldmarschall von Hindenburg drahtet am 29. 7. für Euere Exzellenz:

„Verschiedene Meldungen weisen übereinstimmend auf die dringende Notwendigkeit hin, den armenischen Flüchtlingen die Rückkehr nach Armenien zu gestatten, damit sie die Ernte einbringen können. Andernfalls müßten Hunderttausende Hunger sterben, da ihre anderweitige Versorgung nicht möglich ist. Allergrößte Eile sei geboten. Mit Euerer Exzellenz weiß ich mich darin eins, daß wir nicht gegen die Bevölkerung Krieg führen wollen. Euere Exzellenz werden es auch verstehen, wenn ich mich hier als Christ für die Errettung von 500000 Glaubensgenossen vom sicheren Hungertod einsetze. Im Interesse der Menschlichkeit bitte ich Euere Exzellenz, Befehl zu geben, daß die Unglücklichen in ihre Heimat zurückkehren dürfen. Ich zweifle nicht, daß Euere Exzellenz, nun Sie durch mich von der Lage der Armenier unterrichtet sind, keinen Augenblick zögern werden, allerstrengste Weisung zu geben und ihre Durchführung zu überwachen.“

Lyncker.

Seiner Exzellenz dem Herrn Kriegsminister
und Vizegeneralissimus Enver Pascha.

420.

Großes Hauptquartier, den 31. Juli 1918.

Telegramm.

An General von Seeckt für Enver Pascha.

Die Mitteilungen über die Bewegungen der türkischen Divisionen in Richtung Djulfa bestätigen, daß in diesen Gegenden Kämpfe mit Armeniern stattfinden. Ich würde es für einen ebenso großen politischen wie militärischen Fehler halten, wenn diese Kämpfe über das militärisch unbedingt nötige Maß ausgedehnt würden. Wir können auch aus militärischen Gründen nicht über die bedenkliche Stimmung hinwegsehen, die durch Exzesse gegen die Einwohner bei diesen Kämpfen in Transkaukasien hervorgerufen würde.