[S. 471]

4. In den Konzentrationslagern

[S. 486]

5. Das Hilfswerk in Urfa

[S. 494]

1.
Zeitun und Suedije.[158]

Ich war ein Jahr lang Pfarrer im Dienste der armenisch-protestantischen Kirche in Zeitun. Der folgende Bericht gibt meine persönlichen Erfahrungen wieder:

Früh im Frühjahr dieses Jahres begann die Regierung eine drohende Haltung gegenüber der Bewohnerschaft von Zeitun anzunehmen. Älteste und Notable der Stadt wurden vorgeladen und einem inquisitorischen Verfahren unter Anwendung der Bastonnade unterzogen. Absurde und unmögliche Anklagen wurden erhoben, um Geld zu erpressen. Inzwischen wurden 4000 Soldaten regulärer Truppen in den Kasernen oberhalb der Stadt einquartiert. Ein Versuch, das armenische Kloster, in das sich Deserteure geflüchtet hatten, zu überrumpeln, kostete den Türken einige Verluste und verfehlte seinen Zweck. Die Besatzung des Klosters verteidigte sich, und selbst als sie von Feldartillerie angegriffen wurde, gelang es nicht, das Kloster zu nehmen.

Infolgedessen wurden fünfzig der angesehensten Männer von Zeitun in die Kaserne geladen „zu einer Konferenz mit dem Kommandeur“. Sie wurden sofort gefangen gesetzt, und ihre Familien wurden geholt. Jedermann wartete ängstlich auf die Rückkehr dieser Leute. Aber nach einiger Zeit erfuhr man, daß sie an einen unbekannten Bestimmungsort fortgeschickt worden waren. Ein paar Tage später wurde eine andere und größere Gruppe von Familien in die Kaserne befohlen und mit Drohungen und Flüchen an einen anderen Verbannungsort fortgetrieben. Auf diese Weise wurden 300 oder 400 Familien fortgeschickt, auf abseitigen Wegen durch die Berge, die einen nordwestlich nach Konia zu, andere südöstlich in heiße und ungesunde Distrikte von Mesopotamien (Der es Zor). Tag für Tag sahen wir, wie die verschiedenen Viertel der Stadt von Einwohnern entblößt wurden, bis von den 10000 Einwohnern der Stadt nur ein kleiner Rest übrigblieb.