„An irgendeinen englischen, amerikanischen, französischen, italienischen oder russischen Admiral, Kapitän oder Befehlshaber, den diese Petition erreichen mag.
Wir flehen im Namen Gottes und menschlicher Brüderlichkeit. Wir, die Bevölkerung von sechs armenischen Dörfern, im ganzen etwa 5000 Seelen, haben uns in den Teil des Musa Daghs, der Damlajik genannt wird, drei Stunden Wegs nordwestlich von Suedije an der Meeresküste, geflüchtet.
Wir haben hier Zuflucht gesucht vor türkischer Barbarei und Grausamkeit und vor allem vor der Schändung der Ehre unserer Frauen. Sir, Sie müssen gehört haben von der Vernichtungspolitik der Türken gegen unsere Nation. Unter dem Schein der Verschickung und dem Vorwand, einer Rebellion vorzubeugen, vertreiben sie unsere Leute aus ihren Häusern und berauben sie ihrer Gärten, Weinberge und aller ihrer Habe. Dieses grausame Programm ist schon mit der Stadt Zeitun und ihrer 32 Dörfer, auch mit Albistan, Göksun, Yarpus, Gürün, Diarbekr, Adana, Tarsus, Mersina, Dörtjol, Hadjin usw. durchgeführt worden. Dieselbe Politik wird auf die anderthalb Millionen Armenier in verschiedenen Teilen der Türkei ausgedehnt.
Der Schreiber dieses war protestantischer Pfarrer in Zeitun vor wenigen Monaten und war Augenzeuge von vielen unsagbaren Grausamkeiten. Ich sah Familien von 8 oder 10 Köpfen die Straßen entlang getrieben, barfüßige Kinder von 6 und 7 Jahren neben alten Großeltern, hungern und dürsten. Ihre Füße geschwollen von der schwierigen Reise. Längs der Straße hörte man Schluchzen, Fluchen und Gebete. Unter dem Druck der Angst kamen Frauen in den Gebüschen an der Straßenseite nieder. Unmittelbar nachher wurden sie von den türkischen Wachen gezwungen, ihre Reise fortzusetzen, bis der gütige Tod ihrer Qual ein Ende bereitete.
Der Rest der Leute, welche stark genug waren, die Beschwerlichkeiten des Marsches zu ertragen, wurden unter den Peitschen der Gendarmen in die Steppen des Südens weitergetrieben. Einige starben vor Hunger. Andere wurden beraubt auf dem Wege. Andere wurden von der Malaria dahingerafft und mußten an den Straßen liegen bleiben. Als letzter Akt dieser entsetzlichen Tragödie massakrierten die Araber und Türken alle Männer und verteilten die Witwen und Frauen unter ihre Stämme.
Etwa vor 35 Tagen benachrichtigte uns die Regierung, daß unsere 6 Dörfer in die Verbannung gehen müßten. Wir zogen es vor, uns auf diesen Berg zu flüchten, statt uns diesem Befehl zu unterwerfen. Wir haben jetzt wenig Nahrung übrig, und die Truppen belagern uns. Wir haben fünf heftige Kämpfe bestanden. Gott hat uns bisher geholfen, aber das nächste Mal werden wir eine viel größere Macht gegen uns haben.
Sir, wir flehen Euch an im Namen Christi!
Bringt uns, wir bitten Euch, nach Cypern oder nach irgend einem andern freien Lande. Unsere Leute sind nicht träge. Wir wollen unser Brot selbst verdienen, wenn wir beschäftigt werden.
Wenn dies zu viel ist, um es uns zu gewähren, so nehmt wenigstens unsere Frauen, alte Leute und Kinder auf. Stattet uns mit genügenden Waffen aus, mit Munition und Nahrung, und wir wollen uns mit aller Macht gegen die türkischen Streitkräfte verteidigen. Wir bitten, Sir, wartet nicht, bis es zu spät ist!
Im Namen aller Christen hier.