Kaiserlich
Deutsche Botschaft.

Pera, den 26. März 1915.

Unter dem 12. d. Mts. hatte der Kaiserliche Konsul in Aleppo gemeldet, daß in Zeitun, dem aus früherer Zeit bekannten armenischen Wetterwinkel, eine Revolte ausgebrochen wäre, deren Umfang noch unbekannt sei. Trotz Warnung des Wali hätte der Militärkommandant dort keine Truppen gelassen. Der darüber befragte Konsul in Adana berichtete, daß von einem vorbereiteten Aufstand der Armenier keine Rede sei und es sich wahrscheinlich nur um einzelne Ausschreitungen aus Anlaß der Rekrutierung handele. Der hiesige armenische Patriarch bestätigt diese Darstellung und fügt namentlich hinzu, daß die Regierung vor einiger Zeit den Einwohnern von Zeitun sämtliche Waffen abgenommen habe.

Nunmehr telegraphiert Konsul Rößler von gestern:

„In Zeitun hatten armenische Deserteure, die verhaftet werden sollten, einige türkische Gendarmen erschossen; daraufhin hat die muhammedanische Bevölkerung von Marasch offenbar geplant, Metzeleien zu veranstalten, ist aber auf die Ankündigung der Einsetzung eines Kriegsgerichtes ruhig geblieben. Ein deutscher Missionsbruder aus Marasch ist als Unterhändler nach Zeitun gesandt. Wenn die Einwohner die Rädelsführer nicht herausgeben, so soll militärisch vorgegangen werden. In diesem Falle mag es schwer sein, die niedrige muhammedanische Bevölkerung von Marasch im Zaume zu halten. Bitte strengste Befehle zur Verhütung von Ausschreitungen erwirken. Die armenische Bevölkerung von Marasch ist völlig friedlich. Die Mission, in der acht Schwestern sind, hat eine Schwester an mich abgeschickt, mich zu bitten, zum Schutz der Deutschen nach Marasch zu kommen. Ich erbitte Erlaubnis zur Abreise.“

Ich habe hier die nötigen Schritte getan und den Kaiserlichen Konsul zur Reise nach Marasch ermächtigt.

Wangenheim.

Seiner Exzellenz dem Reichskanzler
Herrn von Bethmann Hollweg.

21.

Kaiserlich
Deutsche Botschaft.