Mit Beginn des Waffenstillstandes erhielt ich auch das von der Deutschen Orient-Mission (auch mit Schweizer Geld) unterhaltene Hospital zurück von der militärischen Behörde, welche es zwei Jahre lang für ihre Soldaten besetzt hatte. Somit war auch gleich ein hochnötiges Krankenheim für die vielen kranken Waisenkinder bereit. Augenblicklich ist die Skabies in sehr hartnäckiger Form die Hauptkrankheit.
Mit den Hilfsgeldern konnten wir wieder einmal nach drei Monaten die täglich in vermehrter Zahl unser Haus umlagernden Witwen und Waisen unterstützen, welche in der Stadt zerstreut wohnen oder neu aus Dörfern eingekehrt waren, aber in unserem Waisenhause nicht Aufnahme fanden. So wurden an einigen Tagen über 1000 Personen, meist Kinder, unterstützt. Ferner konnten wir all den Vielen, welche in ihre alte Heimat reisen wollten, wieder wie den früher Verreisten, einen Zehrpfennig auf den Weg mitgeben.
In der ersten Zeit unseres Hilfswerks machten diese Arbeit meine Frau und ich allein. Seit Frühjahr 1917 mußte ich ab und zu Pater Ephraim Djurassian, den Prediger in der syrisch-protestantischen Kirche, einer der wenig übrig gebliebenen Armenier, zu Hilfe rufen. Er übernahm auch das Lehramt. Seit November 1918 aber habe ich ihn und seine Frau als Waiseneltern im amerikanischen Institut eingesetzt. Seit Februar 1919 ziehen wir uns zur wachsenden Arbeit die nötigen Helfer heran. Wir, das heißt meine Frau, welche fast übermenschlich ihr organisatorisches Talent in den Dienst des Hilfswerks stellte, und ich harren auf neue amerikanische oder europäische Hilfe, denn es ist uns zuweilen, als ob die Kraft uns versagen wollte. Doch, wie der Tag so die Kraft, so war es bis heute gewesen und wird es weiter so bleiben, bis die Ablösung da sein wird.
Urfa, den 20. Februar 1919.
Jakob Künzler.
Der auswärtige Dienst 1914–1918
Der auswärtige Dienst 1914–1918.
Reichskanzler.
Dr. von Bethmann Hollweg vom 14. Juli 1909 bis 14. Juli 1917.