Der Mutessarrif von Marasch und der Gendarmeriekommandant eilten mit zwei Kompagnien nach Zeitun und forderten von der Stadt die Auslieferung der von den getöteten Gendarmen eroberten Gewehre. Nach einer Beratung begaben sich der katholische Gemeindevorsteher und der Stadtarzt nach dem Kloster, wohin die Deserteure sich geflüchtet hatten, um sie zur Ablieferung der Gewehre zu überreden, mit dem Versprechen des Kaimakams, ihre Begnadigung zu erwirken.
Anstatt dieses Versprechen zu halten und Friede herbeizuführen, machte der Kaimakam die folgende Deklaration: „Dies ist das 35. Mal, daß die Bewohner von Zeitun sich empören. Die bisherigen Unruhen waren nicht so gefährlich wie jetzt. Die früheren waren wie Familienstreitigkeiten. Jetzt ist das Land von allen Seiten bedroht und jeder muß der Regierung beistehen.“ Diese Forderung ist an und für sich gerecht, aber sie gilt nicht für die Bewohner von Zeitun, weil diese sich niemals empört haben. Möglich ist, daß sie sich gegen die Irregulären gewehrt und die Überfälle derselben abgewiesen haben. Auch damals hat die Regierung, unter dem Vorwand, den Aufstand niederzuringen, Truppen entsandt. Auch diesmal hat die ungerechte Handlung der böswilligen Regierungsbeamten die jetzige traurige Situation herbeigeführt.
Der Mutessarrif von Marasch und der Kaimakam von Zeitun haben nicht einmal ihr Ehrenwort gehalten, welches sie für die Schonung des Volkes gegeben hatten. In 8–10 Tagen hat man mit einer militärischen Kraft von 4000 Mann und einem rücksichtslosen Kommandanten die Bewohner einschüchtern wollen. An demselben Tage begaben sich auch einige Notabeln aus Marasch nach Zeitun, um die Deserteure zur Ergebenheit zu überreden. Nach einer gemeinsamen Beratung wandten sich die Armenier an den Kommandanten mit dem Ersuchen, die Deserteure, weil sie sich nicht ergeben wollten, durch Gewalt niederzuringen. Der Kommandant verlangte wieder von dem Volke die bedingungslose Auslieferung und Übergabe der Deserteure.
Die Notabeln aus Marasch kehrten heim. Die Regierung ließ dann die Vorräte aus der Stadt in die Kaserne schaffen. Sobald die Nachricht von der Wegschaffung von Regierungspapieren und Büchern in der Stadt zirkulierte, schloß man die Schulen, und die Panik wurde größer. Inzwischen flüchteten die Deserteure in das naheliegende Kloster, wo sie vom Militär belagert wurden. Am 12./25. März beginnt das Bombardement mittels 2 Kanonen. Trotz zahlreicher Schüsse hat man auf diese Weise dem Kloster keinen Schaden zufügen können. Nachdem die Regierung sich überzeugt hatte, daß das Volk sich ruhig verhalte, verengte sie den Umzingelungsgürtel. Die Deserteure erwiderten dann das Feuer und die Zahl der gefallenen Soldaten war beträchtlich. Der Oberst (Bimbaschi) näherte sich dem Klostertor, und in dem Moment, wo die Soldaten das Kloster niederbrennen wollten, fiel der Oberst nebst einigen Soldaten. Bis Abend dauerte der Kampf.
An demselben Tage ersuchten die Stadtbewohner die Regierung, daß sie, um den Deserteuren keine Möglichkeit zur Flucht zu geben, die Umzingelung nicht aufgeben solle, sonst würden sie wieder den Bürgern und dem Militär lästig werden. Trotz des gegebenen Versprechens hob die Regierung die Belagerung des Klosters auf und gab den Deserteuren die Gelegenheit, zu entfliehen. Es ist uns nicht begreiflich, wie es 15–20 Deserteuren gelang, den Belagerungsgürtel von 4000 zu durchbrechen. Wir haben den Verdacht, daß die Regierung absichtlich einige Deserteure frei laufen läßt, damit sie die friedliche Bevölkerung als Mitschuldige der Deserteure angeben und die Verbannungsaktion (expatriation) durchführen könne.
Nach der Flucht der Deserteure setzte man die Regierung davon in Kenntnis mit dem Ersuchen, das Kloster zu schonen, welches Eigentum des ganzen armenischen Volkes sei und wo viele Kostbarkeiten und Heiligtümer aufbewahrt seien. Der Kaimakam, der Müfti und andere Beamte versprachen es, aber das Militär beachtete es nicht und setzte das Kloster in Brand. Trotz der Bitte des Gemeindevorstehers wurden sogar die naheliegenden Wohnstätten der Bauern nicht geschont und wurden niedergebrannt. Angesichts dieser Vernichtung weinte und klagte das Volk um sein Schicksal, und sogar die Steine gaben dem Widerhall.
Am nächsten Tag kam ein Hauptmann aus der Kaserne in die Stadt und begann die Untersuchung, um die verwundeten Deserteure und Waffen zu finden. Er fand einige wertlose Waffen und beim Tschakrian Betros, dessen Sohn ebenfalls desertiert war, ein blutiges Hemd. Er nahm Betros und andere Personen als verdächtig fest und führte sie ins Gefängnis.
Am 25./28. März wurden etwa 30 Notable nach der Kaserne gerufen und dort vom Kaimakam Churschid Pascha zurückbehalten. Ohne ihnen Zeit zu geben, um die allernotwendigsten Reisevorbereitungen zu treffen, schickte man sie samt Frauen und Kindern zunächst nach Marasch. Dort wurden sie in einen Chan interniert, wo die herzzerreißenden Klagerufe der Weiber und der Kinder zum Himmel stiegen.
Auf dem Weitertransport kamen die Armen nach dreitägiger Fahrt in Osmaniyé an, von wo aus sie mit vielen anderen Gefangenen nach Adana transportiert wurden. Man hat sie von hier sofort nach Tarsus geschickt.
Alle diese Verbannten sind treue Untertanen und haben der Regierung in jeder Hinsicht Beistand geleistet. Die Regierung sollte eigentlich diese treuen Untertanen auszeichnen, anstatt dessen gab sie ihnen die härteste Strafe, die Verbannung. Wohin werden diese verschickt? Wovon sollen sie leben? Was wird aus dem Hab und Gut der Verbannten? Was wird aus den Daheimgebliebenen? Wird man auch diese so herdenweise in alle Richtungen der Erde verschicken?