Auch ich habe als Katholikos den Bewohnern von Zeitun immer den Rat gegeben, dem osmanischen Reich treu zu bleiben und den staatsbürgerlichen Pflichten nachzukommen. Sie haben mir Gehorsam gezeigt, und jetzt müssen sie mittellos und nackt herumirren! Das ist der Lohn meiner aufrichtigen Bemühungen, und meine Strafe ist noch schwerer. Ich bekomme immer neue Gewissensbisse. Gern möchte ich sterben, weil ich nur im Tode so viele Schmerzen vergessen kann.
Ich kann mich teilweise nur dadurch trösten, daß Dschemal Pascha, an welchen ich telegraphiert hatte, sein Wort gehalten hat und keine Metzelei stattfand.
Nach dem Brand des Klosters ergaben sich ohne Widerstand 190 Deserteure. Diese wurden greulichen Mißhandlungen ausgesetzt, gebunden wie Tiere und unter Knutenhieben nach Damaskus geschickt. Einer von ihnen fand unterwegs den Tod. Was aus den anderen werden wird, weiß ich nicht.
Soviel habe ich bis jetzt erfahren und Ihnen berichten können. Gott soll uns vor den kommenden Übeln schützen! Ich bin jetzt moralisch und physisch ganz machtlos.
Meine 12 jährige Dienstzeit ist mir eine ewige Zeit des Kummers und der Trauer geworden. Wäre ich kein Christ, würde ich dem Tag fluchen, wo ich zur Welt kam, oder vielmehr dem, da ich zu diesem schweren, verantwortungsvollen Amt berufen wurde!
Sahak,
Katholikos von Cilicien.
35.
(Kaiserlich
Deutsche Botschaft.)
Telegramm.
Pera, den 27. April 1915.