1. daß die Estoire kurz das Buch des Joseph von Arimathia genannt wurde, ein Umstand, der eine Verwechslung desselben mit Robert de Borron's Joseph durch den Schreiber der Huth-Hs. nicht für unmöglich erscheinen läßt. Er mochte gehört haben, daß der Suite du Merlin, Joseph und Merlin vorangingen, aber den Unterschied zwischen diesen und den Prosaredaktionen der Gedichte Robert de Borron's nicht gekannt haben,
2. daß das erste Buch der Trilogie die Estoire und den Merlin enthielt, dessen Weglassung der Schreiber motiviert.
Somit konnte ich den Inhalt des ersten und dritten Buches der Trilogie des pseudo-Robert de Borron, den die Huth-Hs. andeutet, auf klare und einfache Weise mit Hilfe des vorhandenen Materials bestimmen, und es bleibt nur übrig, den Inhalt des zweiten, so weit als möglich, zu bestimmen. In das zweite Buch gehören: 1. fols. 75-230 der Huth-Hs., 2. fols. 22-58 der Hs. No. 112, und 3. eine Anzahl von Blättern (wie viele läßt sich nur annährend [vgl. infra, S. XXV] bestimmen), auf denen, unter anderen Ereignissen der Tod des Königs Pellinor durch die Hand Gawains erzählt wird, eine Begebenheit, welche im dritten Buche der Trilogie erwähnt wird, und Abenteuer, die mit Gaheriets Besuch der Isle Merlin in Zusammenhang stehen (vgl. infra S. XLVIII).
Als ich im Jahre 1907-8 die Artikel in der Romania und Modern Philology schrieb, glaubte ich auch den auf S. XX erwähnten Auszug aus dem Lancelot hierher rechnen zu müssen. Über diesen Punkt habe ich seitdem meine Meinung geändert. Heute glaube ich nicht mehr, daß dieser Auszug je zur Trilogie oder zu dem zweiten Teil des Tristan gehört hat, selbst wenn er in die eine oder andere Hs. der Trilogie aufgenommen worden wäre, wie er tatsächlich in sechs Tristan-Hss. und in Le Morte Darthur zu finden ist.
In den zweiten Teil des Tristan wurden ein gutes Stück der Vulgat-Queste[31] und einige Bruchstücke der Trilogie-Queste[32] aufgenommen, aber von dem Lancelot selbst nichts, davon kann man sich durch ein Studium der Hss. oder der Analyse E. Løseth's[33] überzeugen. Ich glaube, daß der genannte Auszug aus dem Lancelot durch irgend einen Schreiber seiner Tristan-Hs. beigefügt worden ist. Die Tristan-Hss., in denen uns derselbe erhalten ist und zu denen auch die von Sir Thomas Malory benutzte gehörte, stammen von dieser Hs. ab. Durch eine Tristan-Hs. dieser Familie mag der Auszug auch in einige Hss. der Trilogie des pseudo-Robert de Borron gelangt sein, so viel wir aber bis jetzt wissen, ist keine der Hss.,[34] weder mit oder ohne diese Einschaltung, erhalten geblieben.
Ob meine Erklärung der Art und Weise, wie dieser Abschnitt in die sechs Tristan-Hss. und in Le Morte Darthur gelangt ist, richtig oder nicht, so viel steht fest: es ist nicht der geringste Beweis vorhanden, daß derselbe etwas anderes ist als ein Auszug aus dem Vulgat-Lancelot, d. h. mit anderen Worten: Wechsslers sechsteiliger Graal-Zyklus "die vollständige Redaktion A" ist ein Gebilde seiner Phantasie. Es hat nie einen andern Robert-Zyklus gegeben als die Trilogie des pseudo-Robert de Borron, deren Existenz die Huth-Hs. bezeugt, deren Gestalt ich, soweit es möglich ist, d. h. bis auf eine beschränkte Anzahl von Blättern, festgestellt habe.
Es ist interessant zu ermitteln, um wie viel der Inhalt der vorliegenden Ausgabe, mit Ausnahme der Seiten 1-18, den zweiten Teil der Trilogie des pseudo-Robert de Borron verlängern würde, 1. ausgedrückt in Seiten des Huth-Merlin 2. ausgedrückt in Blättern der Huth-Hs.
Die ersten 18 Seiten meiner Ausgabe sind, nach Abrechnung des auf S. 1 und in den Fußnoten verbrauchten Raumes, gleich 16 vollen Seiten. 16 volle Seiten entsprechen 26 vollen Seiten des Huth-Merlin, d. h. mit ändern Worten, fügte man den Inhalt der fols. 22a-58b der Hs. No. 112, in derselben Form gedruckt wie der Huth-Merlin, demselben hinzu, so würde er um 185 Seiten verlängert werden.
Auf 26 Seiten des Huth-Merlin sind, so genau sich das bestimmen läßt, etwa 10 Blätter der Huth-Hs. gedruckt, auf 185 Seiten würden daher annähernd 70 Blätter gedruckt werden; mit andern Worten, wenn man den Inhalt der fols. 22-58 der Hs. No. 112, in demselben Stile geschrieben wie die Huth-Hs., derselben hinzufügte, würde sie um 70 Blätter verlängert werden.
Das Fragment des zweiten Buches der Trilogie, d. h. fols. 75-230 der Huth-Hs. plus fols. 22-58 der Hs. No. 112 würde demnach in der erstgenannten Hs. 225, in der letztgenannten 113 Blätter gefüllt haben. Die Frage ist nun: Wie viele Blätter würde das vollständige zweite Buch in beiden Hss. enthalten haben? So lange nicht irgendwo eine Hs. auftaucht, welche die vollständige Trilogie, oder wenigstens das vollständige zweite Buch derselben bietet, lassen sich diese Zahlen nur annähernd mit Hilfe der spanischen und portugiesischen Übersetzungen bestimmen. Wie ich auf S. X angegeben habe, befinden sich in dem derrenier livre de Lancelot der Hs. No. 112 verschiedene Bruchstücke des französischen Originals. Vergleicht man diese mit den denselben in der Wiener Hs. entsprechenden Abschnitten — man hat dabei zu berücksichtigen, daß die Blätter dieser abwechselnd von zwei verschiedenen Personen geschriebenen Hs. inhaltlich von sehr verschiedener Größe sind, denn die einzelnen Kolonnen bestehen aus zwischen 28 und 47 Zeilen — so findet man, daß im Durchschnitt etwa je 11 Blättern des portugiesischen, 8 Blätter des französischen Textes entsprechen.