[36] Da ich in dieser meiner ersten Arbeit auf dem Gebiete der französischen Artus-Romane in Prosa, vor 23 Jahren, noch nicht von den Graal-Zyklen als Ganzen handelte, hatte ich von der Trilogie des pseudo-Robert de Borron noch keine Vorstellung, aber schon damals schrieb ich: "I cannot help thinking that the attribution of the authorship of the prose-Perceval (d. h. des Didot-Perceval) to Robert de Borron, and the substitution of Galahad for Perceval in the "Queste" are rather problematical arguments" usw.

[37] Wer den Huth-Merlin, die spanische oder portugiesische Demanda gelesen hat, der wird sofort erkennen, daß die in jenen Texten erzählten Abenteuer in Stil und Charakter mit den hier erzählten übereinstimmen. Ein gemeinsamer Zug, der sehr auffallen muß, ist die sehr starke Betonung des übernatürlichen Elements, die oft so übertrieben ist, daß die beschriebenen Situationen unwahrscheinlich und lächerlich erscheinen.

[38] In den Tristan-Hss. ist von Morholt, einem Onkel oder einem parent, nicht aber von einem Bruder der Königin Iseut, die Rede.

[39] Die Abenteuer Gawains erzählt Sir Thomas Malory in seiner Le Morte Darthur (= M) im Buche 4, von der Mitte des XX. (d. h. in meiner Ausgabe; in anderen Ausgaben ist das XX. das XIX. Kapitel. In Caxtons Text sind Kapitel XVIII und XIX vereinigt) bis zum Ende des XXIV. (alias XXIII.) Kapitels. Wenn man die SS. 19-43 des vorliegenden Textes (= T2, d. h. zweites Buch der Trilogie) und dann M durchliest, so gewinnt man zuerst den Eindruck, daß beide, mit Ausnahme des Schlusses, vieles gemein haben. Vergleicht man aber beide Teile sorgfältig, so findet man eine ganze Reihe von Zügen, in denen sie von einander abweichen. Im allgemeinen ist M kürzer gefaßt als T2. M (vielleicht schon der Bearbeiter seiner Quelle) hat in vielen Punkten seine Vorlage entweder mißverstanden, oder absichtlich oder zufällig geändert. In M ist Pellias — Syr Pelleas; Arcade — Lady Ettard; der alte vavasour, Gawains erster Wirt, ist in M "an old knyghte & a good householder"; sein zweiter Wirt, der in T2 nicht mit Namen genannt wird, ist in M "Sir Carados". "Nymue the damoysel of the Lake" spielt in M eine wichtige Rolle in diesem Zusammenhange, wo sie in T2 garnicht erwähnt wird. M erwähnt auch "kyng Lott of Orkeney" und einen Ritter des Pelleas, den Nymue im Walde jammernd findet. Syr Pelleas ist nach M "in the iles" geboren und the "lord of many iles". Ich kann von den Unterschieden, die zwischen beiden Texten existieren, nur die wichtigsten anführen, die aber genügen werden, dem Leser das Verhältnis derselben zueinander zu erklären. In M kommt "Pelleas the dolorous knyght" zuerst auf der "launde", d. h. auf der Plaine Aventureuse an; erst als er mit Gawain gesprochen hat, erscheinen die zehn Ritter, mit denen er kämpft. In M hebt Pelleas alle zehn "with one spear" aus dem Sattel und wird von ihnen "under the horse belly" gebunden. (Im XXII. Kapitel ist aber neben dieser Stellung auch von "the horse tail" die Rede.) Gawains Begleiterin fordert ihn in M auf, Pelleas zu helfen, er ist bereit es zu tun, sagt aber: "hit semeth he wylle have no helpe", worauf die "damoysel" dann sagt: "me thynketh ye haue no luste to helpe hym". In dem Streite zwischen dem Ritter und dem Zwerg ist Gawain in M viel bündiger wie in T2. Er sagt nämlich: "wel syrs said he wylle ye put the mater in my hand; ye they sayd both. Now damoysel sayd syr Gawayn ye shal stande betwixe them both, and whether ye lyst better to go to, he shal haue yow". Der Ritter, den die "damoysel" zu Gunsten des Zwerges gehen läßt, macht in M Gawain kein Geständnis wie in T2. Dem Begleiter des Ritters, mit welchem Gawain kämpft, gibt die "damoysel of 15" auf seine Frage "if ye wold abyde with me", die Antwort "with yow wylle I be … for with syr Gawayn I may not fynde in myn herte to be with hym, for now heres" …

Das Gespräch zwischen Gawain und Sir Carados, dem Lehnsmann des Königs von Norgales in T2, fehlt in M ganz, wo auch nicht erwähnt wird, daß Gawain seine Begleiterin, seinen Wirt und seinen Knappen erst vermißt, als er sich vergewissern will, ob die erstgenannte nichts dagegen habe, wenn er bei dem Ritter einkehrt. Auch die Erzählung dieses Ritters, Sir Carados, nach dem Abendessen ist in M viel kürzer als in T2, und in dem Berichte über das Tournier hat M Einzelheiten, die in T2 abwesend sind. In T2 ist auch nichts, den folgenden Stellen, entsprechendes zu finden: "wherfor al ladyes and gentylwymen hadde scorne of her that she was so proude, for there were fayrer than she & ther was none that was ther but & sir Pelleas wold have profered hem loue they wold haue loued hym for bis noble prowesse". 2. "& so this knyght promysed the lady Ettard to folowe her into this countrey & never to leue her tyl she loued hym". In M erklärt Gawain, nachdem der Ritter seine Erzählung geendet hat: "And after this nyghte I wylle seke hym to morowe in this forest to doo hym alle the helpe I can…" Ein M eigentümlicher Zug ist, daß Syr Pelleas noch einmal, und zwar mit viel mehr Einzelheiten, Gawain die Geschichte erzählt, die ihm vorher schon der Sir Carados erzählt hat. In M ist das Gespräch zwischen Gawain und Lady Ettard, als er in Pelleas' Rüstung vor ihr erscheint, in verschiedenen Punkten anders als in T2; und dasselbe gilt auch von der Art und Weise wie Gawain die Dame dazu bringt, seine Geliebte zu werden. Verschieden von dem in T2 gesagten ist in M auch, was über Pelleas erzählt wird, als er die beiden im Pavillon schlafend findet. Er kehrt sogleich um, weil er "for pure sorowe" nicht länger bleiben kann. Als er eine halbe Meile geritten ist, kehrt er um, mit der Absicht beide zu töten; "and whanne he sawe hem bothe soo lye slepynge faste, vnnethe he myght holde hym on horsbak for sorowe", reitet er zum zweiten Male zurück. Als er wieder eine halbe Meile geritten ist, kehrt er noch einmal um "and thoughte thenne to slee hem bothe"; er steigt ab, bindet sein Pferd an einen Baum, zieht sein Schwert und tritt in den Pavillon ein, "and wente to them as they lay, and yet he thought it were shame to slee them slepynge, and layd the naked swerd ouerthwart bothe their throtes, and soo tooke his hors and rode his awaye". In M bittet Pelleas seine Ritter, daß sie nach seinem Tode sein Herz "betwyxe two syluer dysshes" zu Lady Ettard tragen. In M erkennt Lady Ettard sofort das Schwert des Pelleas und klagt Gawain an, nicht nur sie, sondern auch seinen Gefährten betrogen zu haben. "Wir würden jetzt beide tot sein", erklärt sie, "wenn nicht Pelleas ein viel besserer Ritter wäre als du", "but ye haue deceyued me and bytrayd me falsly, that al ladyes and damoysels may beware by yow and me". Ohne ein Wort zu seiner Verteidigung zu sagen, ohne seine Handlungsweise zu bereuen, verläßt dann Gawain Lady Ettard.

Was nun in M folgt, steht mit dem in T2 erzählten in gar keinem Zusammenhange. Es ist schwer zu entscheiden, ob der Schluß das Werk Sir Thomas Malorys ist, oder ob er denselben schon in seiner Vorlage gefunden hat. Nachdem Gawain Lady Ettard verlassen hat, ereignet es sich, daß "Nymue the damoysel of the lake" einen Ritter des Pelleas im Walde trifft, welcher das Schicksal seines Herrn beweint. Als Nymue die Ursache seines Kummers erfahren, tröstet sie ihn und sagt: "Dein Herr wird nicht sterben, und die Stolze, die kein Mitleid mit ihm gehabt, wird bald noch schlimmer dran sein als er". Als der Ritter Nymuen zu Pelleas geleitet hat, findet diese großes Gefallen an dem Unglücklichen und bewirkt durch ihre Zauberkraft, daß er in einen tiefen Schlaf verfällt. Sie befiehlt, daß keiner ihn vor ihrer Rückkehr wecken soll. Nach zwei Stunden führt sie Lady Ettard an das Lager des noch Schlafenden und sagt, auf ihn weisend: "Du solltest dich schämen, einen solchen Ritter zu morden" und zu gleicher Zeit verwandelt sie durch ihre Zauberkraft Lady Ettards tötlichen Haß in maßlose Liebe zu dem Schlafenden. "Was ist mir", ruft Lady Ettard aus, "ich liebe denjenigen, den ich noch vor kurzem gehaßt!" "Das ist Gottes Strafe für deine Grausamkeit", erklärt Nymue. Indem erwacht Pelleas; als er Lady Ettard erkennt, ruft er ihr zu: "Verlaß mich, Verräterin, ich hasse dich", denn auch seinen Sinn hat Nymue durch ihre Zauberkraft verwandelt. Darüber ist Lady Ettard sehr betrübt und weint. Nymue aber fordert Pelleas auf, ihr zu einer Dame zu folgen, die er lieben und die seine Liebe erwidern werde. Pelleas erzählt ihr, was er um Lady Ettard gelitten und erklärt sich bereit ihr zu folgen, wohin sie ihn führen will; "soo the lady Ettard dyed for sorowe, and the damoysel of the lake reioysed syr Pelleas and loued togyders durynge their lyf dayes".

[40] Im Anschluß an die in N. 2[39] S. XXVII erzählten Abenteuer Gawains, folgen im XXV.-XXVII. Kapitel in M diejenigen des Morholt (Sir Marhaus) mit der Jungfrau von 30 Jahren. Jedoch steht alles, was hier erzählt wird, in keinem Zusammenhange mit der Trilogie des pseudo-Robert de Borron, es scheint vielmehr, daß entweder Sir Thomas Malory oder derjenige, dessen Kompilation ihm als Vorlage diente, diese Abenteuer eigens hier, nach dem Muster anderer, für Sir Marhaus arrangiert hat.

Marhaus und seine Begleiterin schlagen eine südliche Richtung ein. In einem dichten Walde werden sie von der Nacht überrascht. Sie bitten den Besitzer eines Gehöftes um Nachtquartier, der weigert sich aber sie aufzunehmen. "Wenn du bereit bist", sagt der Mann zu Marhaus, "ein Abenteuer zu bestehen, so will ich dir zeigen, wo du die Nacht Aufnahme findest". Vergeblich versucht Marhaus von dem Manne zu erfahren, welcher Art das Abenteuer sei; er nimmt schließlich des Mannes Vorschlag an. Nach einer Stunde gelangen sie an ein festes Schloß. Der Mann klopft an das Tor und wird eingelassen. Er meldet dem Besitzer des Schlosses, einem Herzoge, daß er ihm einen Ritter und eine Jungfrau zugeführt habe, die Nachtquartier begehren. "Laß sie herein", sagt der Herzog, "vielleicht werden sie noch bereuen, hierher gekommen zu sein." Nachdem Marhaus und die Jungfrau abgestiegen sind, führt man sie in die Halle, wo der Herzog, von vielen Rittern umgeben, sitzt. "Wer bist du und wo kommst du her?" fragt er den Marhaus. Der letztere nennt seinen Namen und fügt hinzu: "I am a knyghte of kynge Arthurs and knyght of the table round". (Diese Behauptung steht im Widerspruch mit dem später im XXX. Kapitel Erzählten, daß nämlich Marhaus und Pelleas zu Genossen der Tafelrunde gemacht wurden). "Ich hasse Arthur und seine Tafelrunde", erklärt der Herzog, "ruhe heute, morgen mußt du mit mir und meinen sechs Söhnen kämpfen. Gawain hat meine sieben (? meinen siebenten Sohn) Söhne getötet; ich habe ein Gelübde getan, ihren (? seinen) Tod an allen Rittern der Tafelrunde zu rächen, die hierher kommen". Als Marhaus das hört und daß sein Wirt der "duke of south marchys" ist, sagt er: "Ich habe gehört, daß du meinen König und seine Ritter haßt". Dann ziehen sich Marhaus und seine Begleiterin auf die ihnen angewiesenen Gemächer zurück. Am nächsten Morgen in aller Frühe läßt der Herzog Marhaus wecken. Nachdem Marhaus die Messe gehört, gefrühstückt, sich gewaffnet und sein Pferd bestiegen hat, erscheint er auf dem Schloßhofe, wo ihn der Herzog und seine Söhne, alle mit Lanzen bewaffnet, erwarten. Zwei der Söhne zersplittern ihre Lanzen an Marhaus' Schild, er aber berührt sie nicht. Dann greifen die übrigen vier Söhne Marhaus zu zweien an; auch sie zerbrechen ihre Lanzen, aber Marhaus tut ihnen kein Leid. Dann plötzlich stürzt Marhaus auf den Herzog los und wirft ihn samt seinem Pferde zu Boden. Schnell steigt er ab und droht ihn zu töten, wenn er sich nicht ergibt. Als des Herzogs Söhne ihrem Vater zu Hilfe eilen wollen, gebietet Marhaus ihm, dieselben zurückzuweisen, wenn er nicht sterben wolle. Hierauf ergeben sich der Herzog und seine Söhne dem Marhaus, der ihnen befiehlt am nächsten Pfingstfest sich am Hofe Arthurs einzufinden. Dann verläßt Marhaus das Schloß. Zwei Tage später leitet ihn seine Jungfrau zu einem Turnier, das "the lady de Vawse" veranstaltet hatte. Hier zeichnet sich Marhaus so aus, daß ihm der Preis, ein goldener Kranz, zuerkannt wird. Von hier führt ihn die Jungfrau nach dem Schlosse des "earl Fergus", der später Sir Tristans Ritter wurde und dessen Land ein Riese namens Taulurd (der Bruder des Riesen Taulas, den Tristan in Cornwall erschlug), verheert und in Schrecken setzt. Marhaus fragt nur, ob der Riese zu Pferde oder zu Fuße kämpfe und läßt sich am nächsten Morgen zeigen, wo er haust. Nach langem schweren Kampfe treibt Marhaus den Riesen in einen See; hier steinigt er denselben bis er niederfällt und ertrinkt. In des Riesen Schloß findet Marhaus 24 Jungfrauen und 12 Ritter, die er befreit, und unermeßlichen Reichtum. Fergus bietet Marhaus aus Dankbarkeit die Hälfte seines Landes an, Marhaus aber nimmt das Geschenk nicht an. Nachdem er sechs Monate bei Fergus geweilt, um seine Wunden zu heilen, verabschiedet er sich. "And äs he rode by the way, he mette with syr Gawayne and syr Vwayne, and so by aduenture he mette with foure knyghtes of Arthurs courte; the fyrst was syr Sagramore desyrus, syr Ozanna, syr Dodynas le saueage and syre felot of lystynoyse; and there syr Marhaus with one spere smote doune these four knyghtes, and hurte them sore. Soo he departed to mete at his day afore sette."

[41] ? Tor oder Perceval.

[42] Der gute Ritter ist vermutlich Galahad. Vgl. auch fol. 39 c, d.