Herzhaft ruderten wir weiter; doch in demselben Augenblicke geschah ein zweiter Schuß, und die Kugel schlug keine Klafter von uns in's Meer. Jetzt sah ich deutlich, daß es auf unsere Chialeng angelegt war. — »Zurück! — Zurück!« — rief ich meinen Leuten zu — »Arbeitet, was ihr könnt! Um Gotteswillen, ehe der dritte Schuß geschieht!« — Wir thaten nun unser Möglichstes, wiewohl uns die Strömung entgegen war. Man schien es auf dem Fort zu bemerken, und hielt wirklich mit Schießen ein.

Nichts von meinen Empfindungen; ich war außer mir. — Schweigend ruderten wir fort, bis es immer düsterer ward. Bald hörten wir ein anderes Fahrzeug auf uns zukommen, und nicht lange darauf lag eine stark bemannte Chialeng neben uns. — Zwei Srapoys sprangen herüber — »Im Namen des Gouverneurs! — Ihr seyd arretirt. — Vorwärts! Frisch an den Strand!« — Ich vermochte kein Wort zu sagen, meine Gedanken verwirrten sich. — O Sophie! — O Tranquebar!

Achtes Capitel.

So langten wir, ohngefähr um zehn Uhr Abends, bei dem am Strande stehenden Hause des Equipagen-Meisters an. Alles war hier mit Menschen angefüllt, alles wollte den Arrestanten sehen. — »Da ist er! Da ist er!« — rief man von allen Seiten, und der ganze Haufe drängte sich um mich. — »Wer seyd ihr?« (who are you?) fragten mich hundert Stimmen zugleich. — »Es ist ein Spion! Es ist ein Franzos!« (It is a spy! It is a French dog!) schrie man hier. — »Nein! Es ist ein Holländer! Ich kenne ihn!« (It is a Dutchman, I know him) antwortete man dort. — Endlich fiel eine mir wohl bekannte Stimme ein. — »Es ist ein ehrlicher Mann, ich bürge dafür!« (It is an honest man; I'll answer for it!) Es war der gute Franck, er erkannte mich erst in diesem Augenblick. Doch eben trat der Equipagen-Meister, Mr. Hall, heraus.

»Wer seyd ihr?« — fuhr er mich mit barscher Stimme an.

»Ein Holländer von Sadraspatnam.«

»Wo ist euer Erlaubnißschein?«

»Ich habe keinen, weil ich es nicht für nöthig hielt.«

»Wie? Keinen Erlaubnißschein? — Also wißt Ihr auch nicht, daß ich der Equipagen-Meister bin, und daß, ohne mein Wissen, Niemand die Rhede verlassen darf?«

»Sir! Haben Sie die Güte zu bedenken, daß ein Fremder« —