Ich machte eine tiefe Verbeugung.

»Nun gut! Sie können abreisen; allein es ist eine Bedingung dabei. Sie müssen einige Briefe für den Obersten Hamilton bei Tranquebar mitnehmen, die ihm eigenhändig zu übergeben sind.«

Ich verbeugte mich abermals.

»Es sind Briefe von der äußersten Wichtigkeit. Sie können leicht denken, daß mir an der richtigen Bestellung derselben sehr viel gelegen ist. Bei der Uebergabe werden Ihnen sofort tausend Pagoden ausgezahlt. Ueberdem werde ich, im Falle ihrer Zurückkunft, auf Ihre Versorgung bedacht seyn.« —

Ich dankte ihm für sein Zutrauen, und versprach mein Möglichstes zu thun. Hierauf händigte er mir die Briefe, in lauter kleinen Röllchen, nebst der Ordre für die tausend Pagoden, ein; wünschte mir glückliche Reise, und entfernte sich. Mr. Sydenham befahl darauf einigen Srapoys, mich an den Strand zu begleiten, und ein Couti (Träger) folgte mir mit einem Korbe voll Lebensmittel nach. So trat ich wieder in meine Chialeng, und kam endlich um zwei Uhr nach Mitternacht glücklich in See.

Neuntes Capitel.

Wunderbare Veränderung! — Und das alles verdankte ich den Briefen von Lord Macartney. Aber warum legte er so viel Wichtigkeit darauf? Weil die Verbindung mit dem englischen Lager schon seit mehreren Wochen unterbrochen war. Alle Couriers (Harkarrahs) wurden von den mahrattischen Streifparthien ermordet, oder mit verstümmelten Nasen und Ohren zurückgeschickt. Niemand wollte sich mehr zu dieser Reise verstehen. Aber sollte ich den Feinden meines Vaterlandes dienen, oder sollte ich nicht vielmehr — Doch das Wetter war vortrefflich, der Mond stand groß und freundlich am Himmel, und das ruhige Meer glänzte in Silberschein. Wir spannten unser kleines Segel auf, und steuerten fröhlich nach Süden zu.

Als die Sonne aufgieng, befanden wir uns auf der Höhe von Covilom, und schon um zwei Uhr Nachmittags hatten wir mein liebes Sadras im Gesichte. Plözlich tagte im Südost eine Fregatte auf, die mir verdächtig schien. Ich ließ daher zwischen die Brandung rudern, und lief in eine kleine Sandbucht ein. Jezt, so nahe bei Sadras, mußte ich diesen freundlichen Ort doch noch einmal sehen. Ich ließ demnach die Chialeng an den Strand ziehen, und eilte den wohlbekannten Fußsteig hinan.

Allein was fand ich? Alles öde, alles mit Schutt und Trümmern bedeckt. Die Einwohner waren durchs Schwerdt, oder den Hunger umgekommen; die Engländer, die mahrattischen Streifparthien, die Räuberbanden hatten allmählich Alles zerstört. Traurig wandelte ich durch die einsamen Straßen hin, bis ich endlich an mein eigenes Häuschen kam. Noch breitete der hohe, schattige Tamarindenbaum seine kühlenden Aeste darüber aus; aber es hatte das Schicksal der übrigen gehabt. Voll wehmüthiger Erinnerungen eilte ich an den Strand zurück, und beschloß, wo möglich, noch bis Alamparve zu gehen. Es war ohngefähr vier Uhr Nachmittags.

Eine Stunde darauf befanden wir uns auf der Höhe von Arialchery. Aber inzwischen war der Wind weniger günstig geworden, und der Himmel hatte sich mit schwarzen Wolken bedeckt. Die See gieng hohl; die Möwen flogen nach dem Lande; Alles kündigte ein Ungewitter an. Dennoch hoffte ich Alamparve noch erreichen zu können, und ließ daher die Leute rudern, was nur möglich war. Bald aber versank die Küste in Nacht, und der glänzende Schaum der Brandung war das Einzige, was ihre Nähe verrieth.