»Wie, Jammedaar! spottest du meiner? Wie soll ich das beweisen? Sind wir nicht von einer Farbe? Ist in unsern Zügen, unserer Kleidung, unseren Manieren irgend ein Unterschied? Ja, wenn du die Sprachen verständest, aber so? — Weißt du was, Jammedaar! Laß mich nach Pondichery bringen, wenn du mir nicht glauben willst! Hörst du, nach Pondichery!« —
Er konnte nichts darauf erwidern, aber mich reisen zu lassen, dazu hatte er eben so wenig Lust. — »Es ist am besten« — sagte er endlich — »ich lasse dich zu Nabob bringen, der bei Arcot steht. So bin ich von aller Verantwortung frei!« —
»Ei nicht doch!« — erwiederte ich, denn diese Reise war ganz und gar nicht in meinem Sinne. — »Ich sage dir ja, daß ich noch heute in Pondichery seyn muß!« — Allein vergebens. Nur mit der äußersten Mühe brachte ich ihn am Ende noch auf eine andere Idee.
»Azoaf!« — rief er einem seiner Srapoys zu — »Schwing dich auf dein Roß, flieg nach Marampette, und sage Rosan Alichan, daß ein Weißer in meine Hände gefallen ist, der sich für einen Holländer aus Sadringapatnam ausgiebt.« —
»Und sag ihm zu gleicher Zeit« — fiel ich ein — »daß es derselbe Holländer ist, der ihn einmal aus den Händen der Engländer gerettet hat.« —
Bei diesen Worten schrie der Jammedaar auf, während mir der Srapoy zu Füßen fiel. — »Maharadja« (Herr) — rief er — »Verzeih! Ich erkannte dich nicht. Ja! ich war damals bei Rosan Alichan, als du unser aller Retter warst. Jezt flieg ich zu ihm, um ihm zu melden, daß du hier bist!« — So sprach er, schwang sich auf sein Pferd, und eilte im Galopp davon.
Jezt wendete sich auch der Jammedaar zu mir — »Freund!« — sagte er mit Innigkeit, und legte die linke Hand aufs Herz — »Freund! Mache mich zu deinem Sclaven für diese Beleidigung. Ich weiß, welchen Dienst du Rosan Alichan erzeigt hast; er hat mir oft davon erzählt!« — Zu gleicher Zeit bot er mir seine Huka (Pfeife) an, und befahl, meine Leute augenblicklich frei zu lassen, auch sie reichlich mit Lebensmitteln zu versehen.
Nach ungefähr einer Stunde traf Rosan Alichan ein, und begrüßte mich mit vieler Herzlichkeit. — »Warlich!« — rufte er voll Freude aus — »Der Fang ist mir lieber als die halbe englische Armee!«— Hierauf sezten wir uns zum Pillau (Reis mit Fleisch u. s. w.) hin, wobei es nicht an Arrac gebrach. Endlich um vier Uhr ward ich in stattlicher Begleitung ans Ufer getragen, und eine halbe Stunde später befanden wir uns wieder in See.
Zwölftes Capitel.
Der Abend war still und freundlich; singend ruderten meine Leute längs der Küste hin, während ich in tiefe Betrachtungen versank. Man erinnert sich der Briefe von Lord Macartney. Ich hatte geschehen lassen, was nicht zu ändern war; aber sollte ich den Feinden meines Vaterlandes dienen? — Nimmermehr! — Mich band weder Eid noch Pflicht. — Ich beschloß demnach, in Pondichery einzulaufen, die Briefe dort abzugeben, und dann so fort nach Tranquebar zu gehen. Mit Schrecken bemerkte ich indessen, daß das Wasser immer stärker in die Chialeng drang. Ich war daher gezwungen die Nacht am Strande zuzubringen, bis der langersehnte Morgen anbrach. Jezt ward der Leck entdeckt und sorgfältig verstopft. Mit erneuerten Kräften ruderten wir nun weiter, und langten endlich um zehn Uhr auf der Rhede von Pondichery an.