Als ich ans Land trat, ward ich von der ganzen Masse umringt, und mit den niedrigsten Schimpfwörtern überhäuft — »Wie?« — rief ich — »Ihr wagts, den Vakirl (Gesandten) an den Nabob zu schmähen? — Wartet! Es soll euch gereuen!« — »Hier!« — fuhr ich mit gebieterischem Tone zu einem der Offiziere fort — »Hier liegt meine Chialeng! Ich übergebe sie eurer Obhut! Stellt augenblicklich eine Wache dabei! Es sind Briefschaften und Papiere für den Nabob darin! — Daß sie kein Mensch anrührt; hört ihrs! Ich fordere Alles von euch zurück!« —

»Und ihr!« — indem ich mich zu meinen Leuten wandte, — »Ihr bleibt hier, bis ich wieder komme, und wehe dem, der euch etwas zu Leide thut!«

»Jezt!« — zu den Srapoys — »Jezt, laßt uns gehen! — Meine Zeit ist kostbar!«

Eilftes Capitel.

Wir kamen an, der Jammedaar saß vor der Thüre der Chauderie. Mein Plan war gemacht; nichts konnte mich retten, als die kühnste Entschlossenheit. Stolz und ruhig gieng ich auf ihn zu, grüßte ihn, und sezte mich ohne weiteres neben ihn. Er griff nach seinem Dolche, allein ich kam ihm mit meiner Anrede zuvor. — »Jammedaar!« — sagte ich — »Du kennst mich und meinen wichtigen Auftrag nicht; das entschuldigt dich! Aber ich wünsche um deinetwillen, daß der Nabob nichts davon erfährt. Bei dem allmächtigen Gott! Er würde dich für diese schnöde Behandlung zu bestrafen wissen, ich stehe dir dafür!« —

Was ich voraus gesehen hatte, geschah. Der Jammedaar war überrascht, und sah schweigend und unentschlossen vor sich hin. — »Ich bin ein Holländer!« — fuhr ich im vorigen Tone fort — »Und muß nach Pondichery, — der französische Admiral.« —

»Jammedaar!« — rief hier plözlich ein Srapoy, und trat aus dem uns umgebenden Haufen hervor. — »Jammedaar! Laß dich nicht von diesem Prahler hintergehen! Ich habe seine Leute befragt. Sie kommen von Madras und gehen nach Tranquebar. Es ist gewiß ein englischer Hund, der nach dem Lager von Cudelore will!« — Bei diesem Worten gerieth der ganze Haufen in Wuth — »Ja! Ja! Es ist ein englischer Hund!« wurde von allen Seiten wiederholt.

»Nein!« — rief ich entrüstet — »Kein Engländer! — Ein Holländer von Sadringapatnam bin ich. — Warum die giftigen Worte? — Ihr sagt, daß ich von Madras komme? Wer läugnet es? — Aber warum verschweigt ihr, daß wir bei Nacht von dort geflüchtet sind?« —

»Jammedaar!« — fuhr ich ungeduldig fort, indem ich mich wieder zu ihm wandte — »Halt mich nicht länger auf! Ich muß durchaus noch heute in Pondichery seyn. Die Nachrichten, die ich dem französischen Admiral zu überbringen habe, sind von der äußersten Wichtigkeit. Jede Stunde, die du mich aufhältst, kann dem Nabob gefährlicher werden, als eine verlorne Schlacht!« —

Er schien verlegen, stand auf und sprach mit einem seiner Offiziere einige Minuten zur Seite. Endlich kam er zurück. — »Du sollst und kannst abreisen, so bald du bewiesen hast, daß du ein Holländer, und kein Engländer bist.«