Jezt waren wir bei der glänzenden Brandung, die sich mit dumpfem Donner am Ufer brach. — »Noch eine Rupie!« — rief ich den Fischern zu, wenn ihr mich glücklich hinüber bringt. Zu gleicher Zeit warf ich mich nieder, und klammerte mich an die Balken an. Glücklich kamen wir über die zwei ersten Wellen hinweg, nicht so über die dritte, so groß auch die Anstrengung der Ruderer war. Sie holte uns ein, hieng, wie ein schreckliches Gewölbe, einen Augenblick über uns, und stürzte dann donnernd auf uns herab. Ich verlor das Bewußtseyn. — Als ich wieder zu mir kam, lagen wir hoch und trocken auf dem Strande von Tranquebar.
Dreizehntes Capitel.
Ohne Aufenthalt eilte ich nun vollends in die Stadt hinein, und beschloß bei dem ersten besten nach Sophien Erkundigungen einzuziehen. Eben kam ich bei dem Zollhause vorbei; es war noch Licht darin. — »Guten Abend!« — sagte ich zu den Kannekas (Schreibern) — »Könnt ihr mir nicht sagen, ob die Thony von Maleappa — so hieß der Schiffer — angekommen ist?« —
»O ja, schon vor geraumer Zeit! — Dort liegt sie auf dem Strande — Wenn's Tag wäre, könntet ihr sie gleich vor euch sehen. — Sie wird reparirt; sie hat einen schweren Sturm auszuhalten gehabt.« —
»Wo wohnt Maleappa? Ich muß ihn sprechen.« —
»Wo er wohnt? — Nun vermuthlich bei den Fischern, denn beim Sturme fiel er über Bord.« —
»Und die Frau mit dem jungen Mädchen? — Sie befanden sich als Passagiere auf der Tony. — Sind sie noch in Tranquebar?« —
Die Schreiber sahen einander an; keiner hatte ein Wort von diesen Personen gehört; ich ward leichenblaß. In diesem Augenblicke trat ein Kuli (Träger) auf mich zu. Er hatte bisher an der Thüre gesessen und unserem Gespräche zugehört. — »Aya!« — sagte er — »Gieb mir ein Paar Panams und ich führe dich hin. Ich habe ihre Sachen getragen, und weiß, wo sie eingekehrt sind.« — »Du sollst eine Rupie haben!« rief ich, und eilte mit ihm fort.
»Hier!« — sagte er endlich, indem er auf ein malabarisches Häuschen zeigte — »Hier Aya, hier wohnen sie! Soll ich anklopfen?« — »Nein! Nein!« —sagte ich hastig, und hielt ihn zurück. — »Hier hast du dein Geld, und gute Nacht!« —
In dem Augenblick gieng die Thür auf, und Sophie trat mit einer Lampe heraus. — »O mein Gott!« — rief sie und flog an meinen Hals. Seliger und unbeschreiblicher Augenblick. So fand uns die Mutter in stummer Umarmung. — »Ach! wie haben wir uns geängstiget« — sagte sie. — »Nun Gott sey hoch gedankt!« —