Am andern Morgen dachte ich nun im ganzen Ernste an meine Einrichtung. Alle meine Sachen waren unversehrt; allein Tranquebar bot wenig, oder gar keine Hülfsquellen dar. Der dänische Handel ist unbedeutend; das Comtoir beschäftigt nur wenig Leute! überall herrscht die größte Sparsamkeit. Ich mußte mir einen bedeutenden Plaz wählen, wo ich überdem von dem Kriege sicher war. Es schien mir daher am besten, nach Jaffanapatnam auf Ceylon zu gehen. Die Mutter freute sich über meinen Entschluß, Sophie aber sagte kein Wort dazu. Erst jezt hörte ich von jener, daß der Bräutigam zu Trinconomale sey. — In wenig Tagen hatte ich eine gute, geräumige Chialeng mit einem Sonnendeck gekauft, und tüchtige Ruderer u. s. w. besorgt. Da erschien auf einmal ein alter gutgekleideter Herr bei mir.

»Ich bin der Graf von Bonvoux« — hub er französisch an — »Sie befrachten eine Chialeng nach Jaffanapatnam; ich suche ebenfalls eine Gelegenheit dahin — Wenn Sie mich mitnehmen könnten, wär' es mir angenehm. — Ich habe nur ein Paar Coffers, vier Kisten mit Wein, zwei Ballen Musselin, und zwei weibliche Bedienten bei mir!« — Ich sah an seinem Orden, daß er Maltheser war, und lachte herzlich über seine Dienerschaft.

»Das ist so einmal meine Art!« — gab er jovialisch zur Antwort — »Ich habe immer zwei Mädchen bei mir. Die eine besorgt die Küche, die andere meine Person.« — »D'ailleurs!« — indem er mich sehr bedeutend ansah — »Le nom ne fait rien à la chose. Vous le verrez!«

Ich hatte anfangs wenig Lust zu dieser Reisegesellschaft, und entschuldigte mich durch den Mangel an Plaz, was auch nicht ganz ungegründet war. Allein der alte Ritter wußte mir alles so leicht vorzustellen, und schien zugleich so jovialisch zu seyn; daß ich ihm endlich die Ueberfahrt, und obendrein umsonst zugestand.

»Nun gut!« — sagte er — »So kaufen sie wenigstens keine Provisionen ein! Das will ich auf mich nehmen, und ich denke zu ihrer Zufriedenheit. Geben Sie keinen Sous dafür aus, ich bitte Sie! Verlassen Sie sich ganz auf mich!« — So gieng er, und ich verließ mich wirklich auf ihn.

Beim Mittagsessen erklärte mir die Mutter, daß sie nicht mit zu reisen willens sey. Sie habe ein treffliches Unterkommen als Haushälterin bei einem Hollsteiner erhalten, sie vertraue Sophien meiner Rechtlichkeit an. Zerschlüge sich die Heirath, so hätte ich ihre Einwilligung. Sophie schien über dies alles äußerst vergnügt; man kann denken, wie sehr ich es selbst war.

So schlug es vier Uhr, und wir eilten in die Chialeng. Die gute Mutter begleitete uns an den Strand; wir nahmen herzlichen Abschied von ihr. Der Graf befand sich mit seinen beiden Mädchen bereits an Bord, und war äußerst höflich, wiewohl er einen kleinen Hieb zu haben schien. — Wir richteten uns ein, so gut es möglich war. — Endlich Anker auf! — Da segelten wir lustig die Rhede hinaus.

Vierzehntes Capitel.

So verließ ich denn die Küste von Coromandel, wo ferner kein Glück für mich zu blühen schien. Mit vermischten Gefühlen blickte ich noch einmal auf das verschwindende Gestade zurück. Die Stadt, das Fort, die Pagoden, die Cocos-Wälder — alles glänzte im Dufte des Abendroths; alles sank allmählich in Dämmerung.

Bald war es Zeit zum Abendessen, und der Graf öffnete seinen Speisekorb. Noch jezt sah ich ihn vor mir, wie er vier kleine gebratene Hühner, zehn Sousbrode, und eine Flasche Madera heraus nahm. Da ich dies natürlich nur für eine Art Voressen hielt, expedirte ich mein Huhn, und meine zwei Brode mit gutem Seemannsappetit.