Unter diesen Umständen ward ich mit einem Portugiesen, Namens Don Manuel de Sylva, bekannt. Es war ein sehr einnehmender Mann, der durch eine Reihe der sonderbarsten Schicksale nach Colombo verschlagen worden war. Er hatte, wie er sagte, in den Gebirgen von Candy, eine unbekannte Diamantengrube entdeckt, dachte auf eine zweite Reise dahin, und lud mich zur Gesellschaft ein. Allein ich fand die Sache so gefährlich, daß ich den Vorschlag von mir wieß, worauf er sich seinerseits zu unseren Reisegefährten anbot. Wir ließen uns dies gern gefallen, nahmen noch drei Träger an, und brachen endlich Nachmittags um fünf Uhr von Colombo auf.

Der Himmel war mit dicken Wolken bedeckt; von Zeit zu Zeit fielen Regenschauer herab, und der Wind blies mit Heftigkeit. Unsere Träger hatten ein wenig zu viel Talwag (eine Sorte Arrak) getrunken, und kamen daher in der Dämmerung vom rechten Wege ab. So irrten wir die halbe Nacht herum, bis wir endlich das Dorf Werigur erreichten, wo nun den ganzen folgenden Vormittag ausgeruht ward.

Die nächsten zwei Märsche waren nicht weniger beschwerlich, auch ward der angeschwollene Colombo mit vieler Mühe passirt. Abends erreichten wir Negombo. Um jedoch dem Commandanten nicht beschwerlich zu fallen, quartierten wir uns in dem benachbarten Dorfe Sunneput, in einer alten Kirche, ein.

Die beiden folgenden Tage, weitere Reise, und Nachtlager auf die gewöhnliche Art. Templyn verließ mich hier; ein Brief von seiner kranken Frau rufte ihn eilig nach Jaffanapatnam zurück. Don Manuel, der Portugiese, fieng nun zum zweitenmale von seiner Reise an. Er gestand mir jezt, daß es keine Diamantengrube, sondern ein Familienschatz sey. Er hatte die sichersten Anweisungen über die Stelle, wo er vergraben war. Da dies zu meinem Plane, die Gebirge von Bocour zu bereisen, vortrefflich paßte, willigte ich ohne viel Mühe ein. So erreichten wir Chilaw, lohnten unsere Träger ab, machten im Stillen die nöthigen Einkäufe, und brachen endlich am dritten Tage wieder auf.

Anfangs, und um die Einwohner zu täuschen, verfolgten wir den nämlichen Weg; bald aber schlugen wir uns seitwärts in die Wälder, und nahmen unsere Richtung gegen das Gebirge zu. Unsern Reisevorrath hatte der Portugiese schon den Abend zuvor in der Nähe versteckt. Das Ganze bestand aus einem Sacke mit ungefähr zwanzig Pfund Reis; einem Paar Pistolen nebst Pulver und Blei; zwei Calebassen, die eine mit Arrak gefüllt, die andere zum Wasser bestimmt; einem Paar kupferner Schüsseln und Teller; einem Beile und einem kleinen Taue, einigen Feilen und Brecheisen, und einer großen Bärenhaut. Wir passirten den Manasseran, und hatten diesen Tag noch einen erträglichen Marsch.

Am folgenden Morgen erblickten wir die Gipfel der Gebirge in blauem Nebelduft. Der Wald ward nun mit jedem Schritte dichter; bald mußten wir uns mit dem Beile durchhauen. Wir richteten uns sorgfältig nach dem Compasse, und wanderten so immer nach Osten fort. Als es Nacht geworden war, wimmelte es von wilden Thieren um uns her. Doch hielten wir sie durch Feuerbrände und Pistolenschüsse von uns ab.

Sechstes Capitel.

Mit unserer fünften Tagereise ward der Weg nun je länger, desto beschwerlicher. Hier hatte noch nie ein menschlicher Fuß gewandelt; hier herrschte die Natur noch in ihrer ganzen ursprünglichen Macht. Mit unsäglicher Mühe arbeiteten wir uns durch das Gebüsch hindurch, wo jeden Augenblick der Anfall eines Tigers zu befürchten war. Gegen ein Uhr machten wir Halt, um einige Stunden auszuruhen. Als wir wieder aufbrachen, nahm der Wald allmählig an Dichtigkeit ab. Bald aber sahen wir eine ungeheure, hohe Grasmasse gleich einer Mauer vor uns. Keine Möglichkeit hindurchzudringen, so oft auch der Versuch wiederholt ward. Unterdessen fieng es an dunkel zu werden, und wir mußten auf unser Nachtlager bedacht seyn. An ein großes Feuer war nicht zu denken, kaum hatten wir Holz zum Kochen genug. Wir brachten daher die Nacht auf einem Baume zu, wobei uns unser Tau vortrefflich zu statten kam.

Am folgenden Morgen gelang es uns endlich in der Graswand einen Eingang zu entdecken, der hindurchzuführen schien. Der Schlangen wegen war indessen große Vorsicht erforderlich. Dabei eine erstickende Hitze, ein glänzender Sandboden, eine brennendheiße verpestete Luft. Gegen Mittag fanden wir endlich einen kleinen Raum, verzehrten die Ueberreste unseres Abendessens, und legten uns dann wechselsweise zum Schlafen hin.

Als wir wieder aufbrachen, bemerkten wir mit Freuden, daß die Graswand immer dünner, und die Anzahl der Oeffnungen immer häufiger ward. Bald sahen wir wieder Bäume, und bald gewann der Wald wieder völlig die Oberhand. In glänzendem Sonnenlichte lagen die Gebirge von Bocour nun ganz vor uns. Nur noch einige Stunden, und der Fuß derselben war erreicht. Mit beflügelten Schritten eilten wir über den obern Boden dahin. — Plözlich! — O Schreck! o Entsetzen! — Plözlich sahen wir einen breiten und tiefen Canal vor uns, der von oben bis unten, mit dichtem, eng verflochtenem Gebüsch angefüllt war.