Neue Hindernisse! neuen Schmerz! Endlich beschlossen wir längs des Ufers abwärts zu gehen, um zu sehen, ob der Uebergang möglich sey. Doch vergebens! Je weiter wir kamen, desto breiter und tiefer ward der Canal. So brach der Abend an; ein Glück für uns, daß Holz im Ueberfluß vorhanden war. Am folgenden Morgen kehrten wir wieder um, und entdeckten endlich eine Stelle, wo wenigstens meinem Gefährten der Uebergang möglich schien. Was ich ihm auch sagen mochte, er bestand darauf. So ließ er sich denn an dem Taue hinab, nachdem es um einen Baum befestigt worden war.

Es dauerte indessen ziemlich lange, ehe er eindringen konnte, dann aber war er mir auch augenblicklich aus dem Gesicht. Unverwandt hatte ich indessen meine Augen auf das andere Ufer gerichtet; als ich plözlich in der Mitte des Dickichts ein starkes Geräusch, und bald darauf sein Angstgeschrei vernahm. Er war in Gefahr; wie wahnsinnig sprang ich die Tiefe hinab, und drang in der Oeffnung vor. Doch alles vergebens! Kein Laut; keine Antwort; nichts gewisser, als daß er von einer Schlange erwürgt worden war.

Mit zerrissenem Herzen, mit thränenden Augen stieg ich wieder hinauf, und fühlte das Elend meiner Lage in seiner ganzen Schrecklichkeit. Ich war allein in dieser Wüste, und auf allen Seiten von Gefahren umringt. Ich war allein! — Die Sonne sank tiefer, ich beschloß in der nämlichen Richtung fortzugehen. War es Instinkt, war es Gleichgültigkeit? es schien mir am besten so. Zum Glück hatte ich noch etwas Reis, nebst der Arrakcalabasse, und den Pistolen bei mir.

Die Nacht brach an; ich machte bei einem Baume Halt, kletterte hinauf, und band mich mit dem Taue an zwei Aeste fest. Bald schlief ich vor Ermüdung ein. Doch mein Schlaf war nicht erquickend; das Bild meines unglücklichen Gefährten schwebte mir unaufhörlich vor.

Siebentes Capitel.

Als ich erwachte, war es hoher Mittag, und ich fühlte mich an allen Gliedern gelähmt. Nur mit Mühe vermochte ich mich loszubinden, worauf meine traurige Wanderung weiter gieng. Der Weg war mit feinem aschfarbenem Sande bedeckt, der mir bei jedem Schritte entgegenflog; daher ich von heftigem Durste gepeinigt ward. Zum Glück kam ich endlich an einen Bach, wo ich den Rest meines Arrakes mit Wasser vermischte, und so ein kühlendes Getränk erhielt. Unterdessen zogen am Horizonte furchtbare Gewitterwolken auf. Ich eilte daher, einen großen schattigen Baum zu erreichen, den ich in einiger Entfernung vor mir sah.

Es mochte ungefähr um sechs Uhr Abends seyn, als ich glücklich auf dieser Stelle ankam. Sofort bratete ich mir einige gefundene Schnecken, und kletterte dann auf den Baum, wo ich mich wie gewöhnlich mit dem Taue anband. Kaum hatte ich indessen einige Stunden geschlafen; als ich aus einem schrecklichen Traume erwachte, und mich über und über von Feuer umgeben sah. Das furchtbarste Ungewitter war losgebrochen; der ganze Himmel ein wallendes Flammenmeer. Mit unsäglicher Heftigkeit raste der Sturm in den Aesten, und warf mich wie einen Ball hin und her. Den Kopf auf die Knie gestüzt, schloß ich die Augen, und brachte den Rest der Nacht in einer Art Betäubung zu.

Der Tag brach an; der Regen hörte auf, der Himmel ward heiter, und alles glänzte in goldnem Sonnenlicht. Ich trocknete meine durchnäßten Kleider, und machte mich auf den Weg. Allmählig lief der Canal nach Osten, eine Richtung, die sehr erfreulich für mich war. Voll Muth und Hoffnung wanderte ich so bis Nachmittags um 3 Uhr fort. Plözlich stand ich vor einer hohen Felsenwand, die mir den Weg verschloß.

Keine Möglichkeit weiter zu kommen, es mußte denn von Seite des Waldes gewesen seyn. Ich beschloß es daher zu versuchen, und drang auch wirklich zwischen zwei Dornengebüschen durch. Doch in dem Augenblicke schoß eine ungeheure Schlange auf mich los. Wohin sollte ich fliehen? Nirgends mehr Rettung für mich! Rechts hatte ich den Canal, links das Ungeheuer, vor mir die hohe Felsenwand. Ohne zu wissen, warum, eilte ich indessen den vorigen Weg wieder nach derselben zurück.

Unterdessen war die Schlange immer näher gekommen, und kaum war sie noch drei bis vier Fuß von mir entfernt. In dieser entsezlichen Lage folgte ich blos meiner Verzweiflung, und sprang, wie wahnsinnig auf ein hervorragendes Felsenstück. Von diesem arbeitete ich mich, ohne zu wissen wie, allmählich höher hinauf, bis ich endlich oben war. Jezt aber sank ich ermattet zu Boden, und lag eine gute Weile, ehe ich wieder zu mir kam.