Als ich die Augen aufschlug, und in die Tiefe richtete, sah ich die fünfzig Fuß lange Schlange, die sich langsam in den Wald zurück begab. Aber zu gleicher Zeit bemerkte ich mit großem Schmerze, daß mein ganzes Reisegeräthe verloren war. Ich fühlte, daß meine Lage doppelt elend werden mußte, und überließ mich der Verzweiflung. Wohin ich blickte, sah ich ein Felsenchaos vor mir, in dessen Mitte sich ein furchtbarer Abgrund befand.

Der Abend dämmerte; ich suchte in meinen Taschen, und fand zu meiner großen Freude noch ein Stück Zwieback und mein Feuerzeug. Von wilden Thieren war in dieser Einöde nichts zu fürchten; ich machte daher blos Feuer zur Vertreibung des Gewürmes an. So nahm ich mein Lager auf dem harten Boden, mein Haupt an die Felsen gelehnt. Alles war still und öde um mich; ach! diese Wüste schien mein eigenes Grab zu seyn.

Achtes Capitel.

Am folgenden Morgen neues Erwachen; neue Noth. Mein ganzes Frühstück bestand in ein wenig Regenwasser, das ich in einer kleinen Felsenhöhlung fand. Mühsam schleppte ich mich nun in diesem Labyrinthe fort; bis ich endlich gegen Mittag an dem Fuße eines hohen steilen Berges ankam, der mir abermals den Weg verschloß. Indessen nahm ich allen meinen Muth und meine Kraft zusammen, denselben zu erklimmen, in der festen Hoffnung, jenseits werde das Ziel meiner Leiden seyn. Doch wie groß war mein Entsetzen, als ich mich endlich auf dem Gipfel befand, und nichts erblickte, als ein ödes, wildes, mit Klippen besäetes Thal!

Es mochte zwei Uhr Nachmittags seyn; ich war gänzlich erschöpft, und sah mich vergebens nach etwas Nahrung um. Als ich so da saß, erblickte ich eine kleine Schlange, die begierig hinter einer Eidechse herschoß. Ich zerschmetterte die erstere mit einem Steine, schnitt ihr, des Giftes wegen, den Kopf ab, und bereitete mir ein gutes Mahl von ihr. So ist die Existenz der Wesen verknüpft; ein ewiger Kampf der Kräfte, wo eine der andern Opfer ist!

Der Berg war auf dieser Seite fast senkrecht abgeschnitten, und der ganze Abhang mit spitzigen Klippen bedeckt. Gleichwohl mußte ich das Thal zu erreichen suchen, ehe mich auf dem Gipfel die Nacht überfiel. — »Nun, wie Gott will!« — sagte zu mir selbst, sezte den rechten Fuß vorwärts, klammerte mich mit den Händen an, und fand, daß das Herabsteigen wenigstens nicht unmöglich war. Mit unsäglicher Mühe arbeitete ich mich nun immer tiefer und tiefer hinab. Doch die Hand des Allmächtigen leitete mich sicher neben dem Abgrunde hin. So kam ich glücklich an dem Fuße des Berges an.

Als ich das Thal genauer betrachtete, bemerkte ich einen Canal, der aber blos in der Mitte, und selbst da nur ganz dünn mit Gesträuch bewachsen war. Allein, da es düster zu werden anfieng, beschloß ich in einer Felsenhöhle zu übernachten, wo ich zum Glück einige Vogeleier fand. Am folgenden Morgen erquickte ich mich mit etwas Regenwasser, und wanderte anfangs eine gute Strecke längs des Canals hin. Endlich kam ich an eine Stelle, wo der Rand eingestürzt, und die Tiefe zur Hälfte damit ausgefüllt war. Fröhlich stieg ich hinunter, und kam bald auf der andern Seite an. Hier schlug ich einen Reiher nieder, der gebraten wenigstens eßbar war. Von nun an ward der Weg immer ebener, immer bequemer, so daß ich die Gebirge bald sehr weit hinter mir sah.

Am andern Morgen, am 16. August, trieb mich die brennende Sonne etwas tiefer in den Wald, der neben dem Wege hinlief. Unvermuthet finde ich einen gebahnten Weg, und plözlich werde ich frische Fußtapfen gewahr. Bald höre ich in der Entfernung Stimmen, und bald vernahm ich, daß es bekannte Töne sind. — Gott, welcher Augenblick! Es durchbebte mich, wie ein elektrischer Schlag. Ich wollte rufen, ich konnte es nicht. Da stürzte ich fort, und stand in wenig Minuten vor einem Haufen Singalesen, unter denen mein alter Freund Manioppu war.

Sie zogen nach Putlan, um Salz zu holen, wir waren nur noch drei Tagereisen davon entfernt. Nachdem ich daselbst eine Woche ausgeruht hatte, kehrte ich zu Wasser nach Jaffanapatnam zurück. Hier fand ich Gelegenheit ein äußerst vorteilhaftes Geschäft zu machen, wodurch mir mein ausgestandenes Elend sehr reichlich vergütet ward. Als nun endlich die Nachricht von dem Pariser Frieden ankam, hielt ich's fürs beste, wieder nach der Küste zurückzukehren, und kam nach einer sehr kurzen Fahrt, glücklich in Bimilipatnam an.

Neuntes Capitel.