Unterdessen hatte unser Schiff mit seinen Batterien, und der Prise auf dem Schlepptaue, troz der amerikanischen Flagge, bei dem Commandanten von Bagouwangie Verdacht erregt. Er schickte daher zwei seiner Offiziere zu uns an Bord. Beide sprachen englisch; beide sollten die nöthigen Nachrichten einziehen. Capitain Hall war indessen auf alles gefaßt. Er hieß uns in den Raum hinuntersteigen, versicherte sich unseres Ehrenwortes, und wartete die Ankunft der holländischen Pirogue ganz ruhig ab.

Kaum waren die Herren gegen Mittag an Bord angekommen, so lud er sie zum Essen ein, und sprach ihnen dabei reichlich aus der Flasche zu. Als er nun das Geschäft auf diese Art eingeleitet hatte, zeigte er ihnen falsche amerikanische Pässe, und ein eben so ächtes Schiffsjournal vor, speiste sie in Ansehung der Prise mit einem Mährchen ab, und verkaufte ihnen zulezt einige ostindische Waaren für eine Kleinigkeit. Die armen Holländer wurden vollkommen getäuscht, und fuhren seelenvergnügt ans Land zurück.

Indessen beschloß der Capitain die reiche Prise in Sicherheit zu bringen, und gab sofort Befehl zu ihrer Ausrüstung. Es wurde auch so eifrig daran gearbeitet, daß sie schon am folgenden Tage abzusegeln im Stande war. Wohin, blieb unbekannt. Unsere Bagage war uns im besten Zustande übergeben worden, doch brachten wir den ganzen Tag, wegen unserer künftigen Bestimmung, in großer Ungewißheit zu.

So mochte es ungefähr acht Uhr Abends seyn, als uns der Capitain zu sich rufen ließ. Er war sehr höflich, und sagte uns, daß er uns diese Nacht ans Land zu setzen Willens sey. Unsere Freude darüber war sehr groß; im Unglück faßt man nur den Augenblick fest. Sofort wurden nun Anstalten zu unserer Ueberfahrt gemacht. Es fand sich aber, daß die Schaluppe für uns nicht groß genug war. Wir mußten daher in zwei Parthien abgehen. Bei der lezten befand ich mich selbst.

Es war Mitternacht; der Mond gieng auf; der Posten lag nur einen Büchsenschuß von uns. Unsere Gefährten kamen uns entgegen, in wenig Minuten langten wir bei dem Commandanten an. Er war ein geborner Brandenburger, und hatte fünf und zwanzig Mann unter sich. Da ich ein wenig Deutsch und Malayisch verstand, verständigten wir uns ohne Schwierigkeit. Rund um ein großes Feuer gelagert, nahmen wir eine derbe Mahlzeit von Fischen und Eiern ein, wobei uns Capitain Halls Madera und Genever trefflich zu statten kam. Unser guter alter Sergeant, sein Name war Bitter, schickte sogleich eine Pirogue mit seinem Berichte nach Bagouwangie ab.

Fünftes Capitel.

Die Sonne gieng auf, und eine neue Welt voll Leben und voll Hoffnung breitete sich vor mir aus. Bald langte nun ein Abgeordneter von dem benachbarten Fürsten von Balambouang an. Er sagte uns, daß der holländische Commandant zu Bagouwangie bereits von unserer Lage unterrichtet, und auf der Reise hierher begriffen sey. Indessen verzog sich seine Ankunft bis Nachmittags um drei Uhr. Unser Anblick schien ihn zu rühren, wir selbst waren nicht weniger bewegt. Er allein konnte uns die Mittel zur Rückkehr nach Batavia verschaffen; von ihm allein hieng unsere Zukunft ab. Er sprach und alles verbürgte uns seinen Edelmuth. Er war ein Deutscher; ein Herr von Winckelmann. Wir mußten sogleich seine prächtige Jacht besteigen, wo die Tafel bereits gedeckt war. Endlich um vier Uhr segelten wir ab, während er unser Gepäck in einer Pirogue nachzuführen befahl. So hielten wir See bis Mitternacht, stiegen dann ans Land, und lagerten uns um ein gutes Feuer herum.

Um fünf Uhr Morgens ward weiter gesegelt; drei Stunden und wir kamen zu Bagouwangie an. Sogleich führte uns der Commandant in seine schöne Wohnung, und stellte uns seiner Gemahlin vor. Sie empfieng uns mit vieler Höflichkeit, und ließ ein vortreffliches Frühstück auftragen, das zum Theil aus den herrlichsten Früchten bestand. Am folgenden Tage wurde nun unser Reiseplan festgesezt; indessen erforderten die Anstalten einige Zeit. Wir blieben daher fast zwei Wochen in Bagouwangie. Nach reifer Ueberlegung schien es am besten, bis Surabaye zu Lande, und dann nach Batavia vollends zu Wasser zu gehen.

Bis Surabaye werden achtzig Lieuen gerechnet, zum Theil durch ein wüstes unbewohntes Land. Indessen hatte der treffliche Herr von Winckelmann für alles gesorgt. Fünf und zwanzig Malayen waren zu unserer Bedeckung, und fünf und siebenzig zum Tragen unseres Gepäckes bestimmt. Wir und die Bedeckung waren beritten, und hatten überdem noch fünfzehn Packpferde mit Lebensmitteln bei uns. Endlich waren uns als Wegweiser und Anführer, zwei Malayen-Hauptleute oder Mandors mitgegeben, von denen der eine etwas Deutsch verstand. So traten wir, nach einem herzlichen Abschiede von unserem edeln Freunde, am 23. Februar 1805 unsere Reise an.

Die ersten drei Lieuen gieng es längs der Küste hin. Bald aber kamen wir in die große Wüste, die drei Tagereisen lang ist. Indessen hat die Regierung aller zwölf Lieuen, große Scuoppen von Bambus errichten lassen, die mit Gräben und lebendigen Hecken umgeben sind. Bei jedem dieser Caravansenai's, wie man sie nennen könnte, befindet sich eine Wache von Malayen. Diese müssen Tag und Nacht rund um die Einzäumung große Feuer unterhalten, so daß nichts von wilden Thieren zu fürchten ist.