Schon in der ersten Nacht kamen wir durch den Eigensinn des wenig erfahrnen Capitains in große Gefahr. Wir trieben nämlich auf eine der vielen kleinen Inseln, so daß das Hintertheil des Schiffes kaum zwei Fuß weit von den zackigten Felsen abstand. Der Capitain gebehrdete sich wie ein Verzweifelter, und schrie nach dem Boot. Zum Glück erhob sich aber plözlich ein leichter Landwind, so das Schiff wieder abgebracht ward. Wir mußten hierauf zwei Tage laviren, und legten in dieser kurzen Zeit keine drei Seemeilen zurück.

Noch nicht genug; troz seinen schönen Versprechungen hatte sich auch der Capitain nur äußerst spärlich mit Vorräthen versehen. Vergebens drangen wir in ihn, doch nach Batavia zurückzukehren; er fürchtete zu viel Demüthigungen für seine Eitelkeit. Hartnäckig bestand er daher darauf, im Gressec, oder Surabaye (an der Nordküste von Java) einzulaufen, wo er Matrosen und Vorräthe zu besorgen versprach. So steuerten wir also bis zum 24. December fort. Endlich befanden wir uns ungefähr zwei Seemeile von der Spitze von Banka, durch welche der Eingang in die Meerenge von Madure bezeichnet wird. Der Capitain beschloß, hier einige Zeit vor Anker zu gehen, um einen der Lootsen zu erwarten, die hier immer vorhanden sind. Da aber keiner davon sichtbar wurde, glaubte er sich noch wenigstens zehn Seemeilen vom Eingange der Meerenge entfernt. Er ließ daher die Anker lichten, und steuerte westwärts. Bald aber ward das Schiff von der heftigen Strömung gegen die Bank von Madure getrieben, so daß die Gefahr mit jedem Augenblicke stieg.

Man hatte uns am vorigen Tage allerdings bei dem Posten von Banka gesehen. Allein die See gieng gar zu hoch; uns zu Hülfe zu kommen, war eine Unmöglichkeit. Wir erfuhren dies von dem Lootsen selbst, der jezt in einer großen Pirogue zu uns kam. Zehn Stunden lang wendete er alles mögliche zu unserer Rettung an. Doch da Wind und Strömung gleich heftig waren, blieb ihm nichts übrig, als uns zu verlassen, und nach Banka zurückzugehen. Wir wurden von nun an, unserer neun zusammen, täglich auf ein Huhn, und jeder für sich, auf einen Zwieback, zwei Tassen Caffe, und ein Glas Wasser eingeschränkt. Erst am 1. Januar 1805 gelang es uns aus der Straße von Baly herauszukommen, worauf längs der Küste fortgesteuert ward.

Um fünf Uhr Nachmittags befanden wir uns einem holländischen Posten gegen über, der mit schönen Pflanzungen bedeckt zu seyn schien. Sobald uns der Commandant ansichtig ward, schickte er eine Pirogue ab, ließ uns Erfrischungen anbieten, und lud uns ein, vor Anker zu gehen. Leider konnten wir aber diese Erlaubniß nicht benutzen, indem selbst unser lezter Anker verloren gegangen war. Am folgenden Morgen befanden wie uns auf der Höhe von Balambouang. Jezt bekamen wir Stille, dann höchst veränderlichen Wind, endlich einen entsezlichen Sturm aus Nordwest. Wir verloren Segel und Masten, und trieben noch wenig Stunden, wie ein Wrack herum. Die Pumpen thaten fast keine Dienste mehr. Dabei waren wir täglich auf ein kleines Glas stinkendes Wasser, und etwas Reis beschränkt. Endlich beschloß der Capitain, die Ladung anzugreifen, die aus Zucker bestand. Er ließ daher ein Faß in die Cajüte bringen, wovon jeder nach Belieben nahm.

In den zwei folgenden Tagen hatten wir unterdessen einen Nothmast, und einige Nothsegel zu Stande gebracht. Auf diese Art hofften wir Timor zu erreichen, wo eine holländische Factorei befindlich ist. Allein vom dritten Februar an, trieb uns ein zweiter Sturm wieder rückwärts, so daß wir schon am sechsten die Spitze von Baly sahen. Am 7. Morgens um fünf Uhr erblickten wir ein großes dreimastiges Schiff, das aus der Meerenge heraus zu kommen schien. Wir hielten es für ein holländisches, oder amerikanisches, und wirklich zog es auch die leztere Flagge auf. Kaum hatte es sich aber etwas genähert, so öffnete es seine Stückpforten, zeigte englische Flagge, und kam mit vollen Segeln auf uns zu.

Jezt sahen wir nur zu deutlich, daß es ein großer englischer Caper war. Augenblicklich warf ich meine Depeschen und Carten über Bord. Noch einige Minuten, und der Capercapitain rief uns durch das Sprachrohr zu — »Strike amain! Strike amain, if you please!« — »Streicht! Streicht! wenn's beliebt!« — Dies war in der That eine satyrische Aufforderung, denn wie konnten wir nur einen Augenblick widerstehen? Bald darauf kam ein Offizier mit acht Matrosen an Bord, nahm von dem Schiffe Besitze; stellte an alle Rudern Schildwachen, und hieß uns an Bord des Capers gehen.

Viertes Capitel.

Als wir daselbst ankamen, hörten wir, daß es der Diligent, Capitain Hall von Calcutta war. Der Capitain sagte uns, daß er selbst zweimal von französischen Capern[15] genommen worden sey. Man habe ihn liberal behandelt; er wolle es ebenfalls thun. Alle unsere Bagage u. s. w. bliebe uns daher. Zu gleicher Zeit sezte er uns ein vortreffliches Frühstück vor. Die Prise an 60,000 Franken an Werth, ward auf das Schlepptau genommen, und so lavirten wir längs der Küste hin.

Um vier Uhr Nachmittags bekamen wir ein großes dreimastiges Schiff, und bald darauf noch zwei andere zu Gesicht. Capitain Hall hielt sie für holländische oder französische Fregatten, von den Divisionen der Admirale Hartsink oder Linois. Seine Lage ward gefährlich, die nachzuschleppende Prise hielt ihn im Segeln auf. Er ließ uns daher auf unser Wrak zurückkehren, rief dagegen seinen Prisenmeister, und seine Matrosen ab, und eilte mit vollen Segeln davon. Bald darauf erkannten wir die drei Schiffe für amerikanische Ostindienfahrer, und steuerten so gut wir konnten, auf die Bay von Balambouang zu.

Der Tag brach an. Was sahen wir? Unsern Caper, der an der Küste geblieben war, und nun ganz lustig wieder auf uns zugesegelt kam. In weniger als einer halben Stunde befanden wir uns wieder am Bord desselben, und alles war in den vorigen Zustand versezt. Da der Capitain Wasser einnehmen mußte, behielt er den Curs von Balambouang. Wir erreichten indessen die Bay erst in der Nacht auf den zehnten Februar. Mit Anbruche des Tages erblickten wir den holländischen Posten Bagouwangie, und zogen sofort amerikanische Flagge auf. Zu gleicher Zeit schickte der Capitain einen Offizier ans Land, um zu fragen, wo Holz und Wasser zu finden sey. Die Nachricht war sehr befriedigend, und wir trafen eine vortreffliche Quelle an.