Das hiesige Rindfleisch ist vortrefflich, aber freilich so theuer, daß es nur der Wohlhabende bezahlen kann. Dieß kommt von den Viehseuchen her, die nicht selten aus Mangel an Wasser entstehen. Noch vor wenig Jahren z. B. kamen mehr als 2000 Stück schöne Rinder bei einer anhaltenden Dürre um. Schaafe und Ziegen giebt es viel, doch ist das Hammelfleisch etwas zäh. Das Schweinefleisch hingegen ist ausnehmend gut. Wir hatten gestern ein Spanferkel von einzigem Geschmack.

An Geflügel und kleinem Wildpret fehlt es ebenfalls nicht. Man hat Rebhühner, Fasanen, Tauben u. s. w. besonders aber Hühner und Enten in Ueberfluß. Der aus Ostindien eingeführte Reisvogel vermehrt sich hier außerordentlich, und zwar sonderbar genug auf den Anhöhen. Auch die Kaninchen und Guineahühner, die der Gouverneur aus Liebhaberei unterhält, dürften in kurzem sehr zahlreich seyn. Seefische werden in ungeheurer Menge gefangen; man zählt nicht weniger als 70 Arten davon. Auch an Schildkröten fehlt es nicht, doch erhält man die größten von der Insel Ascension. Das Trinkwasser ist das treflichste, das man finden kann.

Was St. Helena sonst noch braucht, wird aus Englands vom Kap, aus Brasilien und von Angola zugeführt. Jährlich kommen nämlich wenigstens vier, und zuweilen noch mehr Proviantschiffe mit den nöthigen Artikeln, wie Mehl, Pökelfleisch, Schinken, Zungen, Weizen, Schaafen, Butter, Wein, Manufakturwaaren u. s. w. an. Es fehlt daher in der Regel an nichts in St. Helena, nur daß alles, zumal wenn die ostindischen Flotten da liegen, ungemein theuer ist.

So kostet z. B. ein Huhn nicht weniger als zwölf Gulden holländisch[21], während ein kaum jähriges Ferkel mit hundert siebenzig Gulden bezahlt wird. Ein Pfund Havanah Cigarren kostet 36 Gulden, ein Glas Liqueur einen Gulden, und so fort. Jeder Verkäufer nimmt hier 180 bis 200 pro Cent. So der Einwohner, der an die Schiffe abgiebt, so der Schiffer, der seine Waaren absezt. Man sollte gar nicht glauben, wie viel Geld hier in Umlauf kommt. Vor einigen Tagen z. B. verkaufte nur ein Capitain in weniger als 2 Stunden für 7000 Pagoden[22] an Werth. Die Kriegsschiffe, die hier mit Prisen einlaufen, lassen oft hunderttausende zurück. Auf diese Art leben die Einwohner, wenn man die Beamten abrechnet, durchgehends von der Landwirtschaft und dem Schiffsverkehr.

Achter Brief.

Bai von St. Helena,
Juli 1805.

Was ich so oft gehört habe, finde ich nun vollkommen bestätigt: das Clima von St. Helena ist wirklich sehr angenehm. Dies kommt besonders von dem Paßatwinde her, der unaufhörlich über die Insel weht, und die Luft beständig rein und kühl erhält. Erdbeben und Orkane, in den tropischen Gegenden sonst so häufig, sind hier unbekannt. Es regnet selten, oft, wie man behauptet, in zehn, zwölf Monaten und darüber nicht. Als Ursache hiervon giebt man die Stätigkeit des Paßatwindes, so wie die abgeschnittene Lage, den geringen Umfang, und die verhältnißmäßige Kahlheit der Insel an. Indessen scheint gewiß, daß die hiesige Atmosphäre seit ungefähr 50 Jahren etwas feuchter geworden ist, daß seit dem vermehrten Anbaue ungleich mehr Regen fällt, und daß man eine anhaltende Dürre immer weniger zu fürchten hat.

Wichtig scheint die Bemerkung, daß die Luft auf St. Helena überall, in den Thälern wie auf den Bergen, an den Küsten wie im Innern der Insel, gleich vortreflich ist. Der Wärmegrad hingegen wechselt natürlich nach den Höhepunkten ab. Auf den höchsten Punkten fällt der Wärmemesser bis unter 54° Fahr. herab, während er im St. Jamesthale bis 84° steigt. Beides wird aber freilich nur selten bemerkt. Der sogenannte Wintermonat, der halbe Juni und Juli, pflegt hier am kühlsten zu seyn. Der Himmel ist dann häufig bedeckt, es fallen ziemliche Regenschauer, und nicht selten ist die ganze Insel in einen leichten Nebel verhüllt.

Wie gesund die Luft von St. Helena sey, beweißt unter andern auch das Ansehen der Einwohner, besonders derer, die hier geboren sind. Da ist keine Spur von jener Totenfarbe, jener Abmagerung und Schwäche, wie man sie in andern Theilen von Asien und Afrika bemerkt. Ohne etwas von schweren Krankheiten oder peinigenden chronischen Uebeln zu wissen, erreichen die meisten Einwohner ein sehr hohes Alter, und zeigen noch oft im 70, ja 80sten Jahre, ungemeine Kraft und Munterkeit. Eben so erholen sich die siechsten Personen, an deren Leben man in Ostindien verzweifelte, auf St. Helena größtentheils mit unglaublicher Schnelligkeit.

Von der gefährlichen Nachtluft, die in den tropischen Ländern oft so tödtlich ist, weiß man hier ebenfalls nichts. Im Gegentheil, man kann sogar am Strande schlafen, ohne daß man das Mindeste davon zu fürchten hat. Dies geschieht denn auch von den Matrosen sehr häufig, indem die Schiffe gerade der Stadt gegenüber vor Anker gehen. So vereinigt sich denn Alles, um St. Helena zu einem macenarischen Posten zu machen, der für den englisch-ostindischen Handel sehr wichtig ist. Hier finden nämlich die nach Europa segelnden Schiffe gleichsam auf halbem Wege, den besten Erfrischungsort. Ich sage, die nach Europa segelnden, weil nur diese über St. Helena gehen. Die aus Europa kommenden legen nämlich am Kap an. Dieser Unterschied wird durch die Abweichung des Paßatwindes bestimmt.