Als wir die Straße wieder herunter giengen, traten wir einen Augenblick in den oben erwähnten Graben hinein. Er steht jedermann offen, und ist mit den herrlichsten Pflanzen aller Welttheile bedeckt. Ein artiges Haus von Bananas, Citronen, Orangen und Palmen beschattet, zog besonders unsere Aufmerksamkeit auf sich. Es schien uns der beneidenswertheste Aufenthalt auf der Welt. Plözlich hörten wir hinter uns holländisch sprechen, und erfuhren zu unserm Erstaunen, daß ein großer Theil der gefangenen Garnison von Surinam hier in englische Dienste getreten sey. Die Soldaten klagten aber sehr über die Theurung, besonders über den Mangel an frischem Fleisch. Es ist freilich natürlich, daß man alles für die Schiffe aufhebt, und daß sich folglich der gemeine Mann mit seinen gesalzenen Rationen begnügen muß.
Wir giengen nun weiter, um die übrigen merkwürdigen Gebäude von Jamestown zu besehen. Hier wurde uns zuerst das Haus des Gouverneurs gezeigt. Es liegt hart am Strande, mit der Vorderseite nach der Bai gekehrt, wird aber von dem Wege, der an der Batterie hinläuft, durch eine Mauer getrennt. Es ist unstreitig das schönste und größte Gebäude auf St. Helena. Die meisten Zimmer sind mit persischen Teppichen, ostindischen Moußelinbehängen u. s. w. verziert, und mit prächtigen Mobilien von Ebenholz versehen. In einem derselben sind die Bildnisse der englischen Könige von Carl I. bis Georg III. ausgehängt; auch findet man einen schönen Waffensaal. Der Graben enthält eine Menge seltner Pflanzen, und zeichnet sich durch seine trefliche Lage aus. Allein es ist ein eigener Anblick, wenn man die hohen Felsen dahinter so darüber herhängen sieht.
Weiter besahen wir die Kirche, die auf einem freien Platze steht. Sie ist von innen und außen recht zierlich anzusehen, und hat auch einen schönen Thurm mit Glocke und Uhrwerk. Eben so nimmt sich das Schauspielhaus, in geringer Entfernung davon, nicht übel aus. Dasselbe gilt von der Freimaurerloge, der neuen Offizierscaserne, und dem Billiardhaus. Lezteres ist zugleich ein Wirthshaus, wo ich die Nacht zu bleiben beschloß, indem der Supercargo zu einem Bekannten eingeladen war. Mein Abendessen bestand aus Salat, und einem Schinkenbeine, nebst zwei Gläschen Rum. Mein Bett war nicht das beste, und ein Frühstück forderte ich nicht. Jezt rathen Sie einmal, was die Zeche war? O nur eine Kleinigkeit! Nicht mehr als sechs und zwanzig Gulden holl., man kann nicht billiger seyn! — So sah ich denn mit einemmale, wie theuer hier Alles ist. Gegen Mittag fuhren wir an Bord zurück.
Siebenter Brief.
Bai von St. Helena,
Juli 1805.
Vorgestern erhielt ich einen unvermutheten Besuch von einem unserer Landsleute, der hier ein artiges Haus und einen großen Kaufladen besizt. Ich mußte ihn an's Land begleiten, und den Sonntag bei ihm zubringen, was ich natürlich sehr gern annahm. Er bewirthete mich aufs Beste, und ganz auf vaterländische Art. Bis auf den Roodkorß[19], nichts, gar nichts fehlte; alles war da. Später nahmen wir den Thee in seinem Garten unter einem herrlichen Orangenbaume ein.
Das Innere der guten Häuser ist sich hier fast durchgehends gleich. Die meisten haben zwei, auch wohl drei Stockwerke, die sehr regelmäßig eingetheilt sind. Um die beiden ersten Stockwerke pflegen Gallerien zu laufen, was sehr viel zur Kühlung beiträgt. Verwundert bin ich indessen, keine steinerne Fußböden zu sehen. Die Möbeln sind alle aus England; doch werden auch Stühle und Kanapees aus einer Art hiesigen ostindischen Binsen gemacht. Diese schönen Häuser sind aber einen großen Theil des Jahrs gänzlich unbewohnt.
Die Eigenthümer halten sich nämlich im Innern der Insel auf ihren Landgütern auf. Diese sind als eben so viele Einsiedeleien zu betrachten, indem jedes von dem andern durch Felsen und Schluchten getrennt ist. Nur wenn die ostindischen Flotten ankommen, eilt alles nach der Stadt. Jedes Haus wird dann ein Gasthaus, wo der Fremde Kost und Wohnung finden kann, sobald er kein Geld zu sparen braucht. St. Jamestown ist dann äußerst belebt; Concerte, Bälle u. s. w. wechseln unaufhörlich ab. Auch werden zu dieser Zeit große Geschäfte in ostindischen und chinesischen Waaren gemacht. Hieraus wird erklärlich, warum die hiesigen Kaufläden so überflüßig damit versehen sind.
Man lebt hier im Allgemeinen ganz auf englische Art. Zum Frühstück: Thee, Butterbrod, kaltes Fleisch, gebackenen Fisch, und Kapwein. Zum Mittag: Rostbeef, oder Beefsteeck, gesottenen oder gebackenen Fisch, Gemüse und Pudding. Der Nachtisch von den auserlesensten Früchten; Kapwein, Madera und Bordeaux. Abends eine Kleinigkeit. Ein kleines Gebäcke, oder auch nur Brod mit einem Glase Milch, Ale, Groy[20], oder Wein. Ich finde dies sehr gesund; man schläft vortrefflich darauf.
Die Insel selbst bringt mancherlei Lebensmittel hervor. Dahin rechne ich außer etwas Weizen, vorzüglich die vortrefflichen Erdäpfel, die man das ganze Jahr hindurch in Ueberfluß hat. Dann die köstlichen Yams, die mit den Erdäpfeln verbunden das beste Brodsurrogat sind. Eben so eine Menge herrlicher Früchte, wie Citronen, Orangen, Melonen, Ananasse u. dgl. mehr. Auch fehlt es nicht an europäischen Gemüsen fast aller Art. Mehrere antiscorbutische Gewächse und Kräuter, wie z. B. eine Art Portulak, und Sellerie, die Petersilie, die Wasserkresse u. s. w. findet man hier das ganze Jahr an der Küste im Ueberfluß.