»Wohlan denn, Hausvater, sage nur, was du hierüber denkst: so wirst du alsbald Gewissheit erlangen.«
»Mir will scheinen, o Herr, als ob die unbeschränkte Gemütherlösung und wiederum die großartige Gemütherlösung Begriffe seien, die einander gleich sind, und dass nur die Bezeichnung eine verschiedene ist.«
»Die unbeschränkte Gemütherlösung, Hausvater, und die großartige Gemütherlösung: das sind Begriffe, die von einander verschieden sind und auch verschiedene Bezeichnung haben. Daher aber muss man es, Hausvater, je nach dem Umstand beurtheilen, warum eben diese Begriffe verschieden sind und verschiedene Bezeichnung haben. {267} Was ist also, Hausvater, unbeschränkte Gemütherlösung? Da strahlt, Hausvater, ein Mönch liebevollen Gemüthes weilend nach einer Richtung, dann nach einer zweiten, dann nach der dritten, dann nach der vierten, ebenso nach oben und nach unten: überall in allem sich wiedererkennend durchstrahlt er die ganze Welt mit liebevollem Gemüthe, mit weitem, tiefem, unbeschränktem, von Grimm und Groll geklärtem. Erbarmenden Gemüthes — freudevollen Gemüthes — unbewegten Gemüthes weilend strahlt er nach einer Richtung, dann nach einer zweiten, dann nach der dritten, dann nach der vierten, ebenso nach oben und nach unten: überall in allem sich wiedererkennend durchstrahlt er die ganze Welt mit erbarmendem Gemüthe, mit freudevollem Gemüthe, mit unbewegtem Gemüthe, mit weitem, tiefem, unbeschränktem, von Grimm und Groll geklärtem. Das heißt man, Hausvater, unbeschränkte Gemütherlösung.[134]
»Was ist aber, Hausvater, großartige Gemütherlösung? Da hat ein Mönch, Hausvater, einen einzelnen mächtigen Baum als ›großartig‹ aufgefasst und beruhigt sich dabei. Das heißt man, Hausvater, großartige Gemütherlösung. Da hat ferner, Hausvater, ein Mönch etwa noch zwei bis drei mächtige Bäume als ›großartig‹ aufgefasst und beruhigt sich dabei. Das heißt man, Hausvater, großartige Gemütherlösung. Da hat ein Mönch, Hausvater, ein einzelnes Wiesenfeld als ›großartig‹ aufgefasst und beruhigt sich dabei. Das heißt man, Hausvater, großartige Gemütherlösung. Da hat ferner, Hausvater, ein Mönch etwa noch zwei bis drei Wiesenfelder als ›großartig‹ aufgefasst und beruhigt sich dabei. Das heißt man, Hausvater, großartige Gemütherlösung. Da hat ein Mönch, Hausvater, {268} ein einzelnes Königreich als ›großartig‹ aufgefasst und beruhigt sich dabei. Das heißt man, Hausvater, großartige Gemütherlösung. Da hat ferner, Hausvater, ein Mönch etwa noch zwei bis drei Königreiche als ›großartig‹ aufgefasst und beruhigt sich dabei. Das heißt man, Hausvater, großartige Gemütherlösung. Da hat ferner, Hausvater, ein Mönch etwa noch die vom Ozean umschlossene Erde als ›großartig‹ aufgefasst und beruhigt sich dabei.[135] Das heißt man, Hausvater, großartige Gemütherlösung. — Auf solche Weise muss man es, Hausvater, je nach dem Umstand beurtheilen, wie eben diese Begriffe verschieden sind und verschiedene Bezeichnung haben.
»Vier Arten giebt es da, Hausvater, wie man zu wesen wiederkehrt: und welche vier? Da hat einer, Hausvater, einen bestimmten Glanz aufgefasst und beruhigt sich dabei; der mag, bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, zur Gemeinschaft mit Göttern von einem bestimmten Glanze wiederkehren. Da hat ferner, Hausvater, einer unermesslichen Glanz aufgefasst und beruhigt sich dabei; der mag, bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, zur Gemeinschaft mit Göttern von unermesslichem Glanze wiederkehren. Da hat einer, Hausvater, unlauteren Glanz aufgefasst und beruhigt sich dabei; der mag, bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, zur Gemeinschaft mit Göttern von unlauterem Glanze wiederkehren. Da hat ferner, Hausvater, einer vollkommen reinen Glanz aufgefasst und beruhigt sich dabei; der mag, bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, zur Gemeinschaft mit Göttern von vollkommen reinem Glanze wiederkehren. Das sind, Hausvater, vier Arten, wie man zu wesen wiederkehrt.
»Es giebt, Hausvater, eine Zeit wo da solche Gottheiten zusammenkommen; und sind sie zusammengekommen, {269} so zeigt sich wohl bei ihnen verschiedene Farbe, doch kein verschiedener Glanz. Gleichwie etwa, Hausvater, wenn ein Mann gar mancherlei Oellampen in ein Haus hineintrüge; da würde sich wohl unter ihnen verschiedene Flamme zeigen, doch kein verschiedener Glanz: ebenso nun auch, Hausvater, giebt es eine Zeit wo da solche Gottheiten zusammenkommen; und sind sie zusammengekommen, so zeigt sich wohl bei ihnen verschiedene Farbe, doch kein verschiedener Glanz.
»Es giebt, Hausvater, eine Zeit wo da solche Gottheiten dann auseinandergehn; und sind sie dann auseinandergegangen, so zeigt sich eben bei ihnen verschiedene Farbe wie auch verschiedener Glanz. Gleichwie etwa, Hausvater, wenn ein Mann jene mancherlei Oellampen aus dem Hause hinwegtrüge; da würde sich eben unter ihnen verschiedene Flamme zeigen wie auch verschiedener Glanz: ebenso nun auch, Hausvater, giebt es eine Zeit wo da solche Gottheiten dann auseinandergehn; und sind sie dann auseinandergegangen, so zeigt sich eben bei ihnen verschiedene Farbe wie auch verschiedener Glanz.
»Nicht aber, Hausvater, haben die Gottheiten Gedanken wie: ›So bleiben wir beständig, beharrend, ewig‹, sondern sobald eben da die Gottheiten einander genaht sind, sind alsbald eben da die Gottheiten einander genehm. Gleichwie etwa, Hausvater, wenn Fliegen in einem Glase oder in einem Korbe zusammenschwärmen nicht Gedanken haben wie: ›So bleiben wir beständig, beharrend, ewig‹, sondern sobald eben da die Fliegen einander genaht sind, sind alsbald eben da die Fliegen einander genehm[136]: {270} ebenso nun auch, Hausvater, haben die Gottheiten nicht Gedanken wie: ›So bleiben wir beständig, beharrend, ewig‹, sondern sobald eben da die Gottheiten einander genaht sind, sind alsbald eben da die Gottheiten einander genehm.«