»Die Asketen und Priester nun, ihr Mönche, welche die Seele als bewusst darstellen, genesen nach dem Tode, diese lieben Asketen und Priester sagen von ihr aus, dass sie formhaft sei, oder formlos; dass sie formhaft und formlos sei, oder weder formhaft noch formlos; dass ihr Bewusstsein einfach sei, oder manigfach; dass ihr Bewusstsein beschränkt sei, {27} oder unermesslich, genesen nach dem Tode. Da gehn denn ihrer einige über alle Bewusstbarkeit hinaus und verkünden unermessliche Unverstörung. Aber es erkennt, ihr Mönche, der Vollendete: ›Wenn diese lieben Asketen und Priester die Seele also als bewusst darstellen, genesen nach dem Tode, und ihnen nun ein Bewusstsein dabei als geläutert, als das beste, herrlichste und höchste gilt, sei es formhaft oder formlos, sei es einfach oder manigfach: ‚Nichts ist da‘ so verkünden dann andere das Reich des Nichtdaseins als unermessliche Unverstörung. {28} Aber das ist unterschiedlich, schwerfällig; und es giebt doch eine Auflösung der Unterscheidungen, das giebt es‹: in solcher Gewissheit, eingedenk dieser Entrinnung, geht der Vollendete darüber hinaus.
»Die Asketen und Priester nun, ihr Mönche, welche die Seele als unbewusst darstellen, genesen nach dem Tode, diese lieben Asketen und Priester sagen von ihr aus, dass sie formhaft sei, oder formlos; dass sie formhaft und formlos sei, oder weder formhaft noch formlos, genesen nach dem Tode. Den Asketen und Priestern nun, ihr Mönche, welche die Seele als bewusst darstellen, genesen nach dem Tode, denen widersprechen diese: und warum das? ‚Bewusst sein ist siech sein, bewusst sein ist bresthaft sein, bewusst sein ist schmerzhaft sein: das ist die Ruhe, das ist das Ziel, jenes unbewusst sein.‘ Aber es erkennt, ihr Mönche, der Vollendete: {29} ›Wenn diese lieben Asketen und Priester die Seele also als unbewusst darstellen, genesen nach dem Tode, und es wollte da nun, ihr Mönche, irgend einer von ihnen behaupten, ‚Ich werde jenseit der Form, jenseit des Gefühls, jenseit der Wahrnehmung, jenseit der Unterscheidungen, jenseit des Bewusstseins ein Kommen und Gehn, ein Verschwinden und Erscheinen, ein Wachsthum, eine Entwickelung, eine Entfaltung beweisen‘, so ist das unmöglich. Aber das ist unterschiedlich, schwerfällig; und es giebt doch eine Auflösung der Unterscheidungen, das giebt es‹: in solcher Gewissheit, eingedenk dieser Entrinnung, geht der Vollendete darüber hinaus.
»Die Asketen und Priester nun, ihr Mönche, welche die Seele als weder bewusst noch unbewusst darstellen, genesen nach dem Tode, diese lieben Asketen und Priester sagen von ihr aus, dass sie formhaft sei, oder formlos; dass sie formhaft und formlos sei, oder weder formhaft noch formlos, genesen nach dem Tode. Den Asketen und Priestern nun, ihr Mönche, welche die Seele als bewusst darstellen, genesen nach dem Tode, denen widersprechen diese; und auch den lieben Asketen und Priestern, welche die Seele als unbewusst darstellen, genesen nach dem Tode, widersprechen sie: {30} und warum das? ‚Bewusst sein ist siech sein, bewusst sein ist bresthaft sein, bewusst sein ist schmerzhaft sein; unbewusst sein ist unsinnig sein: das ist die Ruhe, das ist das Ziel, jenes weder bewusst noch unbewusst sein.‘ Aber es erkennt, ihr Mönche, der Vollendete: ›Wenn diese lieben Asketen und Priester die Seele also als weder bewusst noch unbewusst darstellen, genesen nach dem Tode, und es sagen nun, ihr Mönche, dergleichen Asketen und Priester, dass man da irgend noch durch Unterscheidung des Sichtbaren, Hörbaren, Denkbaren, Bewusstbaren jenes Ziel erreichen könne, so muss das eben, ihr Mönche, als eine Vereitelung gelten um jenes Ziel zu erreichen: denn es erscheint nun, ihr Mönche, jenes Ziel nicht sowohl durch Eingehn in Unterscheidung erreichbar als vielmehr durch Eingehn in Ueberunterscheidung. Aber das ist unterschiedlich, schwerfällig; und es giebt doch eine Auflösung der Unterscheidungen, das giebt es‹: in solcher Gewissheit, eingedenk dieser Entrinnung, geht der Vollendete darüber hinaus.
{31} »Da finden sich nun, ihr Mönche, Asketen und Priester, die des lebendigen Leibes Auflösung, Zerstörung, Vernichtung darstellen, und denen, ihr Mönche, widersprechen nun die Asketen und Priester, die da behaupten, die Seele sei bewusst, genesen nach dem Tode; und auch manche liebe Asketen und Priester, die da behaupten, die Seele sei unbewusst, genesen nach dem Tode, widersprechen ihnen; und auch manche liebe Asketen und Priester, die da behaupten, die Seele sei weder bewusst noch unbewusst, genesen nach dem Tode, widersprechen ihnen: und warum das? Alle diese lieben Asketen und Priester halten sich an ein Drüben, hängen eben dem Glauben an: ‚So werden wir nach dem Tode sein, so werden wir nach dem Tode sein!‘ Gleichwie etwa ein Händler auf Handel ausgeht: ‚Dort werd’ ich das erlangen, dafür werd’ ich dies bekommen!‘: ebenso erscheinen mir da diese lieben Asketen und Priester wie die Händler: ‚So werden wir nach dem Tode sein, so werden wir nach dem Tode sein!‘[6] Aber es erkennt, ihr Mönche, der Vollendete: ›Wenn jene lieben Asketen und Priester des lebendigen Leibes Auflösung, Zerstörung, Vernichtung darstellen, so laufen sie aus Angst vor dem Dasein, aus Abscheu vor dem Dasein eben um das Dasein herum, drehn sich herum. Gleichwie etwa ein Kettenhund[7], an einen festen Pfahl oder Pfosten gefesselt, um eben diesen Pfahl oder Pfosten herumläuft, sich herumdreht, ebenso nun auch laufen jene lieben Asketen und Priester aus Angst vor dem Dasein, aus Abscheu vor dem Dasein eben um das Dasein herum, drehn sich herum. {32} Aber das ist unterschiedlich, schwerfällig; und es giebt doch eine Auflösung der Unterscheidungen, das giebt es‹: in solcher Gewissheit, eingedenk dieser Entrinnung, geht der Vollendete darüber hinaus.
»Wenn da, ihr Mönche, Asketen oder Priester der Zukunft anhängen, der Zukunft nachsinnen, über die Zukunft mancherlei Glaubenslehren aufstellen, so stellen alle solche eben diese fünf Bereiche dar, oder eines derselben.
»Es giebt, ihr Mönche, manche Asketen und Priester, die der Vergangenheit anhängen, der Vergangenheit nachsinnen, über die Vergangenheit mancherlei Glaubenslehren aufstellen, als wie ›Ewig ist Seele und Welt; dies nur ist Wahrheit, Unsinn anderes‹: das verkünden die einen. ›Zeitlich ist Seele und Welt; dies nur ist Wahrheit, Unsinn anderes‹: das verkünden die anderen. ›Ewig und zeitlich ist Seele und Welt; dies nur ist Wahrheit, Unsinn anderes‹: das verkünden die einen. ›Weder ewig noch zeitlich ist Seele und Welt; dies nur ist Wahrheit, Unsinn anderes‹: das verkünden die anderen. ›Endlich ist Seele und Welt; dies nur ist Wahrheit, Unsinn anderes‹: das verkünden die einen. ›Unendlich ist Seele und Welt; dies nur ist Wahrheit, Unsinn anderes‹: das verkünden die anderen. ›Endlich und unendlich ist Seele und Welt; dies nur ist Wahrheit, Unsinn anderes‹: das verkünden die einen. ›Weder endlich noch unendlich ist Seele und Welt; dies nur ist Wahrheit, Unsinn anderes‹: das verkünden die anderen. {33} ›Einfach bewusst ist Seele und Welt; dies nur ist Wahrheit, Unsinn anderes‹: das verkünden die einen. ›Manigfach bewusst ist Seele und Welt; dies nur ist Wahrheit, Unsinn anderes‹: das verkünden die anderen. ›Beschränkt bewusst ist Seele und Welt; dies nur ist Wahrheit, Unsinn anderes‹: das verkünden die einen. ›Unermesslich bewusst ist Seele und Welt; dies nur ist Wahrheit, Unsinn anderes‹: das verkünden die anderen. ›Einzig freudvoll ist Seele und Welt; dies nur ist Wahrheit, Unsinn anderes‹: das verkünden die einen. ›Einzig leidvoll ist Seele und Welt; dies nur ist Wahrheit, Unsinn anderes‹: das verkünden die anderen. ›Freudvoll und leidvoll ist Seele und Welt; dies nur ist Wahrheit, Unsinn anderes‹: das verkünden die einen. ›Weder freudvoll noch leidvoll ist Seele und Welt; dies nur ist Wahrheit, Unsinn anderes‹: das verkünden die anderen.
»Dass nun, ihr Mönche, diese Asketen und Priester, die solches meinen, solches glauben, etwa auch ohne Zutrauen, ohne Hingabe, ohne Hörensagen, ohne prüfendes Urtheil, ohne geduldig Einsicht zu nehmen eben selber die Erkenntniss erlangten, die geläuterte, die geklärte: das ist unmöglich. Ermangeln sie aber selber, ihr Mönche, der Erkenntniss, der geläuterten, der geklärten, so kann diesen lieben Asketen und Priestern was sie auch hier an einiger Erkenntniss etwa irgend erringen mögen doch nur als Anhangen gelten. ›Aber das ist unterschiedlich, schwerfällig; und es giebt doch eine Auflösung der Unterscheidungen, das giebt es‹: {34} in solcher Gewissheit, eingedenk dieser Entrinnung, geht der Vollendete darüber hinaus.
{35} »Da hat, ihr Mönche, irgend ein Asket oder Priester das Erforschen der Vergangenheit aufgegeben, das Erforschen der Zukunft aufgegeben, hat gänzlich die Bande des Begehrens abgestreift und weilt in der Weihe einsamer Freude: ‚Das ist die Ruhe, das ist das Ziel, dass ich da in der Weihe einsamer Freude weile.‘ Und diese einsame Freude vergeht ihm, und wann ihm die einsame Freude vergeht erhebt sich Trübsinn, und wann ihm der Trübsinn vergeht erhebt sich einsame Freude. Gleichwie etwa einen, ihr Mönche, den der Schatten verlässt die Sonne ankommt, und den die Sonne verlässt der Schatten ankommt: ebenso nun auch, ihr Mönche, erhebt sich wann die einsame Freude vergeht Trübsinn, und erhebt sich wann der Trübsinn vergeht einsame Freude. Aber es erkennt, ihr Mönche, der Vollendete: ›Dieser liebe Asket oder Priester hat das Erforschen der Vergangenheit aufgegeben, hat das Erforschen der Zukunft aufgegeben, hat gänzlich die Bande des Begehrens abgestreift und weilt in der Weihe einsamer Freude: ‚Das ist die Ruhe, das ist das Ziel, dass ich da in der Weihe einsamer Freude weile.‘ Und diese einsame Freude vergeht ihm, und wann ihm die einsame Freude vergeht erhebt sich Trübsinn, und wann ihm der Trübsinn vergeht erhebt sich einsame Freude. Aber das ist unterschiedlich, schwerfällig; und es giebt doch eine Auflösung der Unterscheidungen, das giebt es‹: in solcher Gewissheit, eingedenk dieser Entrinnung, geht der Vollendete darüber hinaus.