Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei Sāvatthī, im Siegerwalde, im Garten Anāthapiṇḍikos.
Da begab sich denn Subho, ein junger Brāhmane, der Sohn Todeyyos, dorthin wo der Erhabene weilte, wechselte mit dem Erhabenen höflichen Gruß und freundliche, denkwürdige Worte und setzte sich seitwärts nieder. Seitwärts sitzend sprach nun Subho der junge Brāhmane, der Sohn Todeyyos, zum Erhabenen also:
»Was ist wohl, o Gotamo, der Anlass, was ist der Grund, dass man auch unter menschlichen Wesen, die als Menschen geboren sind, Verkommenheit und Vorzüglichkeit findet? Man sieht, o Gotamo, kurzlebige Menschen und man sieht langlebige, man sieht bresthafte und man sieht rüstige, man sieht unschöne und man sieht schöne, man sieht wenig vermögende und man sieht viel vermögende, man sieht wenig besitzende und man sieht viel besitzende, man sieht niedrig gestellte und man sieht hoch gestellte, {347} man sieht stumpfsinnige und man sieht scharfsinnige: was ist da, o Gotamo, der Anlass, was ist der Grund, dass man auch unter menschlichen Wesen, die als Menschen geboren sind, Verkommenheit und Vorzüglichkeit findet?«
»Eigner der Werke, Brāhmane, sind die Wesen, Erben der Werke, Kinder der Werke, Geschöpfe der Werke, Knechte der Werke: das Werk scheidet die Wesen ab, nach Verkommenheit und Vorzüglichkeit.«
»Nicht kann ich was da Herr Gotamo in Kürze gesagt, nicht ausführlich dargestellt hat, dem ganzen Sinne nach verstehn; gut wär’ es, wenn mir Herr Gotamo die Satzung dergestalt zeigen wollte, dass ich den ganzen Sinn dieser kurzgefassten Worte verstehn könnte.«
»Wohlan denn, Brāhmane, so höre und achte wohl auf meine Rede.«
»Ja, Herr!« sagte da Subho, der junge Brāhmane, der Sohn Todeyyos, aufmerksam zum Erhabenen. Der Erhabene sprach also:
»Da bringt, Brāhmane, irgend ein Weib oder ein Mann Lebendiges um, ist grausam und blutgierig, an Mord und Todtschlag gewohnt, ohne Mitleid gegen Mensch und Thier. Da lässt ihn solches Wirken, also vollzogen, also vollbracht, bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, abwärts gerathen, auf schlechte Fährte, zur Tiefe hinab, in höllische Welt; oder wenn er nicht dahin gelangt und Menschenthum erreicht, wird er, wo er da neugeboren wird, kurzlebig sein. Das ist der Uebergang, Brāhmane, der zu kurzem Leben führt, dass man da Lebendiges umbringt, grausam und blutgierig ist, an Mord und Todtschlag gewohnt, ohne Mitleid gegen Mensch und Thier.
»Da hat wieder, Brāhmane, irgend ein Weib oder ein Mann das Tödten verworfen, vom Tödten hält er sich fern: ohne Stock, ohne Schwerdt, fühlsam, voll Theilnahme, {348} hegt er zu allen lebenden Wesen Liebe und Mitleid. Da lässt ihn solches Wirken, also vollzogen, also vollbracht, bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, auf gute Fährte gerathen, in himmlische Welt; oder wenn er nicht dahin gelangt und Menschenthum erreicht, wird er, wo er da neugeboren wird, langlebig sein. Das ist der Uebergang, Brāhmane, der zu langem Leben führt, dass man da das Tödten verworfen hat, vom Tödten sich fernhält, ohne Stock, ohne Schwerdt, fühlsam, voll Theilnahme zu allen lebenden Wesen Liebe und Mitleid hegt.
»Da behandelt, Brāhmane, irgend ein Weib oder ein Mann die Wesen heftig und quaalvoll, geht mit Fäusten, mit Steinen, mit Stöcken, mit Waffen gegen sie vor. Da lässt ihn solches Wirken, also vollzogen, also vollbracht, bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, abwärts gerathen, auf schlechte Fährte, zur Tiefe hinab, in höllische Welt; oder wenn er nicht dahin gelangt und Menschenthum erreicht, wird er, wo er da neugeboren wird, bresthaft sein. Das ist der Uebergang, Brāhmane, der zu Gebresten führt, dass man da die Wesen heftig und quaalvoll behandelt, mit Fäusten, mit Steinen, mit Stöcken, mit Waffen gegen sie vorgeht.