»Also gewahrt man da: ›Mag ich nun diesen Gleichmuth, den also geläuterten, also geklärten, der unbegränzten Raumsphäre zukehren und dementsprechend das Gemüth ausbilden: es ist zusammengesetzt. Mag ich nun diesen Gleichmuth, den also geläuterten, also geklärten, der unbegränzten Bewusstseinsphäre zukehren und dementsprechend das Gemüth ausbilden: es ist zusammengesetzt. Mag ich nun diesen Gleichmuth, den also geläuterten, also geklärten, der Nichtdaseinsphäre zukehren und dementsprechend das Gemüth ausbilden: es ist zusammengesetzt. Mag ich nun diesen Gleichmuth, den also geläuterten, also geklärten, der Gränzscheide möglicher Wahrnehmung zukehren und dementsprechend das Gemüth ausbilden: es ist zusammengesetzt.‹
»Man setzt aber nichts zusammen und sinnt nichts zusammen, weder an Sein noch an Nichtsein. {406} Weil man nichts zusammensetzt, nichts zusammensinnt, an Sein oder Nichtsein, ist man an nichts in der Welt gehangen. An nichts gehangen ist man unerschütterlich. Unerschütterlich erlangt man eben die eigene Wahnerlöschung: ›Versiegt ist die Geburt, vollendet das Asketenthum, gewirkt das Werk, nicht mehr ist diese Welt‹ versteht man da.
»Empfindet man nun ein wohliges Gefühl, so erkennt man ›es ist vergänglich‹, erkennt ›ist unangelegen‹, erkennt ›ist unangenommen‹. Empfindet man ein wehes Gefühl, so erkennt man ›es ist vergänglich‹, erkennt ›ist unangelegen‹, erkennt ›ist unangenommen‹. Empfindet man ein weder wehes noch wohliges Gefühl, so erkennt man ›es ist vergänglich‹, erkennt ›ist unangelegen‹, erkennt ›ist unangenommen‹.
»Empfindet man nun ein wohliges Gefühl, so empfindet man es als ein Losgelöster. Empfindet man ein wehes Gefühl, so empfindet man es als ein Losgelöster. Empfindet man ein weder wehes noch wohliges Gefühl, so empfindet man es als ein Losgelöster.
»Empfindet man nun ein körpergefährdendes Gefühl, so erkennt man: ›Ein körpergefährdendes Gefühl empfind’ ich.‹ Empfindet man ein lebengefährdendes Gefühl, so erkennt man: ›Ein lebengefährdendes Gefühl empfind’ ich.‹ Man erkennt: ›Wann der Körper sich auflöst, bis das Leben verbraucht ist, wird noch hienieden alles was empfinden und annehmen heißt erloschen sein‹.
»Gleichwie etwa, Mönch, das Oel und der Docht eine Oellampe leuchten lassen; wann aber Oel und Docht verbraucht sind und neue Nahrung nicht zugeführt wird, sie ohne Nahrung erlischt: ebenso nun auch, Mönch, erkennt man, ein körpergefährdendes Gefühl empfindend, ›Ein körpergefährdendes Gefühl empfind’ ich‹; erkennt man, ein lebengefährdendes Gefühl empfindend, ›Ein lebengefährdendes Gefühl empfind’ ich‹; erkennt man ›Wann der Körper sich auflöst, bis das Leben verbraucht ist, {407} wird noch hienieden alles was empfinden und annehmen heißt erloschen sein‹.
»So ist nun ein dahin gelangter Mönch mit dieser höchsten Weisheit belehnt. Das ist ja, Mönch, die höchste, heilige Weisheit, nämlich alles Leiden versiegt wissen. Der hat eine Freiheit gefunden, die wahrhaft besteht, unantastbar. Das ist ja, Mönch, falsch, was eitel ist: und das ist wahr, was ächt ist, Wahnerlöschung.
»So ist nun ein dahin gelangter Mönch mit dieser höchsten Wahrheit belehnt. Das ist ja, Mönch, die höchste, heilige Wahrheit, nämlich was ächt ist, die Wahnerlöschung.
»Was er aber da einst als Unwissender für Anhaftungen vollzogen und vollbracht hatte, die hat er überstanden, an der Wurzel abgeschnitten, einem Palmstumpf gleichgemacht, so dass sie nicht mehr keimen, nicht mehr sich entwickeln können.
»So ist nun ein dahin gelangter Mönch mit dieser höchsten Entsagung belehnt. Das ist ja, Mönch, die höchste, heilige Entsagung, nämlich aller Anhaftungen sich entäußern.