»Was er aber da einst als Unwissender für Begier hatte und Willen und Eigensucht, die hat er überstanden, an der Wurzel abgeschnitten, einem Palmstumpf gleichgemacht, so dass sie nicht mehr keimen, nicht mehr sich entwickeln können.
»Was er aber da einst als Unwissender für Aerger hatte und Hass und Verbitterung, die hat er überstanden, an der Wurzel abgeschnitten, einem Palmstumpf gleichgemacht, so dass sie nicht mehr keimen, nicht mehr sich entwickeln können.
»Was er aber da einst als Unwissender für Unkenntniss hatte und Blödigkeit und Verblendung, die hat er überstanden, an der Wurzel abgeschnitten, einem Palmstumpf gleichgemacht, so dass sie nicht mehr keimen, nicht mehr sich entwickeln können.
»So ist nun ein dahin gelangter Mönch mit dieser höchsten Beruhigung belehnt. Das ist ja, Mönch, die höchste, heilige Beruhigung, nämlich Gier, Hass und Irre aufgelöst haben. — {408} ‚Weisheit soll er nicht preisgeben, Wahrheit bewahren, Entsagung vollziehn, den Frieden eben zu finden suchen‘: wurde das gesagt, so war es darum gesagt.
»‚Auf dass ihn wo er steht kein dünkendes Wähnen ankommen kann: kann aber kein dünkendes Wähnen ankommen, wird er der ›Stille Denker‹ genannt‘: das ist gesagt worden; und warum ist das gesagt worden? ›Ich bin‹ ist, Mönch, ein Dünken, ›Ich bin nicht‹ ist ein Dünken, ›Ich werde sein‹ ist ein Dünken, ›Ich werde nicht sein‹ ist ein Dünken; ›Formhaft werde ich sein‹ ist ein Dünken, ›Formlos werde ich sein‹ ist ein Dünken; ›Bewusst werde ich sein‹ ist ein Dünken, ›Unbewusst werde ich sein‹ ist ein Dünken, ›Weder bewusst noch unhewusst werde ich sein‹ ist ein Dünken. Dünken, Mönch, ist krank sein, Dünken ist wund sein, Dünken ist weh sein: ist aber alles Dünken, Mönch, überstanden, so wird man ›Stiller Denker‹ genannt. Und der Denker nun, Mönch, der stille, entsteht nicht, vergeht nicht, erstirbt nicht, erbebt nicht, verlangt nicht. Das eben, Mönch, giebt’s nicht bei ihm, dass er entstände; weil er nicht entsteht, wie sollt’ er vergehn? weil er nicht vergeht, wie sollt’ er ersterben? weil er nicht erstirbt, wie sollt’ er erbeben? weil er nicht erbebt, wonach sollt’ er verlangen? — ‚Auf dass ihn wo er steht kein dünkendes Wähnen ankommen kann: kann aber kein dünkendes Wähnen ankommen, wird er der ›Stille Denker‹ genannt‘: wurde das gesagt, so war es darum gesagt.
»Das magst du nun, Mönch, als kurz von mir umrissene Abzeichen sechsfacher Artung betrachten.«
Da wusste ja der ehrwürdige Pukkusāti: ›Der Meister, wahrlich, hat mich besucht, der Willkommene, wahrlich, hat mich besucht, der vollkommen Erwachte, wahrlich, hat mich besucht‹; und er stand auf, entblößte die eine Schulter, fiel dem Erhabenen zu Füßen und sprach also[193]:
»Möchte mir, o Herr, der Erhabene selbst die Ordensweihe {409} ertheilen!«
»Hast du denn, Mönch, Mantel und Almosenschaale schon erhalten?«
»Noch nicht erhalten, o Herr, hab’ ich Mantel und Almosenschaale.«