»Das nicht, o Bruder.«

»Wie nun, o Bruder: auf die Frage ›Ist da wohl reine Tugend hanglose Wahnerlöschung‹ antwortest du ›Das nicht, o Bruder‹; auf die Frage ›So ist vielleicht, o Bruder, reines Herz hanglose Wahnerlöschung‹ antwortest du ›Das nicht, o Bruder‹; auf die Frage ›So ist wohl, o Bruder, reine Erkenntnis hanglose Wahnerlöschung‹ antwortest du ›Das nicht, o Bruder‹; auf die Frage ›Ist nun etwa, o Bruder, reine Gewissheit hanglose Wahnerlöschung‹ antwortest du ›Das nicht, o Bruder‹; auf die Frage ›Oder ist da, o Bruder, reine Wissenschaft der Wege hanglose Wahnerlöschung‹ antwortest du ›Das nicht, o Bruder‹; auf die Frage ›Oder ist, o Bruder, reine Wissenschaft des Pfades hanglose Wahnerlöschung‹ antwortest du ›Das nicht, o Bruder‹; auf die Frage ›Oder ist dann, o Bruder, reine Wissenschaft hanglose Wahnerlöschung‹ antwortest du ›Das nicht, o Bruder‹; auf die Frage ›So liegt also, o Bruder, hanglose Wahnerlöschung außerhalb dieser Dinge‹ antwortest du ›Das nicht, o Bruder‹. Wie soll da wohl, o Bruder, dieser Rede Sinn verstanden werden?«

»Hätte der Erhabene, o Bruder, reine Tugend als hanglose Wahnerlöschung bezeichnet, so würde ja der Erhabene Hanghaftes als hanglose Wahnerlöschung bezeichnet haben. Hätte der Erhabene, o Bruder, reines Herz als hanglose Wahnerlöschung bezeichnet, so würde ja der Erhabene Hanghaftes als hanglose Wahnerlöschung bezeichnet haben. Hätte der Erhabene, o Bruder, reine Erkenntniss als hanglose Wahnerlöschung bezeichnet, so würde ja der Erhabene Hanghaftes als hanglose Wahnerlöschung bezeichnet haben. Hätte der Erhabene, o Bruder, reine Gewissheit als hanglose Wahnerlöschung bezeichnet, so würde ja der Erhabene Hanghaftes als hanglose Wahnerlöschung bezeichnet haben. Hätte der Erhabene, o Bruder, reine Wissenschaft der Wege als hanglose Wahnerlöschung bezeichnet, so würde ja der Erhabene Hanghaftes als hanglose Wahnerlöschung bezeichnet haben. Wäre aber, o Bruder, hanglose Wahnerlöschung ohne diese Dinge möglich, so erlangte der gemeine Mensch die Wahnerlöschung: denn der gemeine Mensch, o Bruder, ist ohne diese Dinge. Desshalb will ich dir nun, o Bruder, ein Gleichniss geben: auch durch Gleichnisse wird da manchem verständigen Manne der Sinn einer Rede klar. — Gleichwie etwa, o Bruder, wenn den König Pasenadi Kosalo, während er in Sāvatthī residiert, irgend ein dringendes Geschäft nach Sāketam riefe: {149} da würden für ihn zwischen Sāvatthī und Sāketam sieben Eilposten eingestellt werden. Und der König Pasenadi Kosalo, o Bruder, verließe seine Burg zu Sāvatthī, bestiege vor dem Thore die erste Eilpost und führe mit dieser ersten bis zur zweiten. Dann stiege er aus der ersten in die zweite ein und führe mit dieser zweiten bis zur dritten. Dann stiege er aus der zweiten in die dritte ein und führe mit dieser dritten bis zur vierten. Dann stiege er aus der dritten in die vierte ein und führe mit dieser vierten bis zur fünften. Dann stiege er aus der vierten in die fünfte ein und führe mit dieser fünften bis zur sechsten. Dann stiege er aus der fünften in die sechste ein und führe mit dieser sechsten bis zur siebenten. Dann stiege er aus der sechsten in die siebente ein und führe mit der siebenten Eilpost bis nach Sāketam, vor das Thor seiner Burg. Dort angekommen frügen ihn Brüder und Vettern, Minister und Räthe: ›Mit dieser Eilpost, großer König, bist du von Sāvatthī nach Sāketam gefahren, bis zum Burgthor?‹ Wie möchte da wohl, o Bruder, der König Pasenadi Kosalo rechten Bescheid ertheilen?«

»Also, o Bruder, möchte der König Pasenadi Kosalo rechten Bescheid ertheilen: ›Während meiner Anwesenheit in Sāvatthī hat mich ein bestimmtes wichtiges Ereigniss nach Sāketam gerufen. Da befahl ich, sieben Eilposten zwischen Sāvatthī und Sāketam für mich einzustellen. Und ich verließ meine Burg zu Sāvatthī, bestieg vor dem Thore die erste Eilpost und fuhr mit dieser ersten bis zur zweiten. Dann stieg ich aus der ersten in die zweite ein und fuhr mit dieser zweiten bis zur dritten. Dann stieg ich aus der zweiten in die dritte ein und fuhr mit dieser dritten bis zur vierten. Dann stieg ich aus der dritten in die vierte ein und fuhr mit dieser vierten bis zur fünften. Dann stieg ich aus der vierten in die fünfte ein und fuhr mit dieser fünften bis zur sechsten. Dann stieg ich aus der fünften in die sechste ein und fuhr mit dieser sechsten bis zur siebenten. Dann stieg ich aus der sechsten in die siebente ein und bin mit der siebenten Eilpost in Sāketam angekommen, hier vor dem Burgthor.‹ Also, o Bruder, möchte der König Pasenadi Kosalo rechten Bescheid ertheilen.«

»Ebenso nun auch, o Bruder, führt reine Tugend zu reinem Herzen, reines Herz zu reiner Erkenntniss, reine Erkenntniss zu reiner Gewissheit, reine Gewissheit zu reiner Wissenschaft der Wege, {150} reine Wissenschaft der Wege zu reiner Wissenschaft des Pfades, reine Wissenschaft des Pfades zu reiner Wissenschaft, reine Wissenschaft zu hangloser Wahnerlöschung. Um hangloser Wahnerlöschung willen, o Bruder, wird beim Erhabenen heiliges Leben gepflegt.«

Nach diesen Worten sagte der ehrwürdige Sāriputto zum ehrwürdigen Puṇṇo Mantāṇiputto:

»Wie heißt der Ehrwürdige und unter welchem Namen kennen den Ehrwürdigen die Ordensbrüder?«

»Puṇṇo heiße ich, o Bruder, und als Mantāṇiputto kennen mich die Ordensbrüder.«

»Wunderbar, o Bruder, außerordentlich ist es, wie erschöpfend ein so erfahrener Jünger, ein so gründlicher Kenner des Meisterwortes, der ehrwürdige Puṇṇo Mantāṇiputto, diese überaus tiefsinnigen Fragen beantwortet hat. Gesegnet sind die Ordensbrüder, hochgesegnet sind die Ordensbrüder, denen der Anblick, denen die Gesellschaft des ehrwürdigen Puṇṇo Mantāṇiputto gegönnt ist! Und wenn den Ordensbrüdern Anblick und Gesellschaft des ehrwürdigen Puṇṇo Mantāṇiputto nur verhüllten Hauptes gegönnt wäre, so wären sie auch dann noch gesegnet, hochgesegnet. Gesegnet, hochgesegnet sind auch wir, die wir den Anblick und die Gesellschaft des ehrwürdigen Puṇṇo Mantāṇiputto genießen!«