»Verehrung dem Erhabenen,
Dem heilig auferwachten Herrn!«
»O dass wir doch einmal Gelegenheit hätten mit jenem Herrn Gotamo zusammenzutreffen, {178} dass doch irgend eine Unterredung zwischen uns stattfände!«
Und der Brāhmane Jāṇussoṇi begab sich nun dorthin wo der Erhabene weilte, wechselte höflichen Gruß und freundliche, denkwürdige Worte mit dem Erhabenen und setzte sich zur Seite nieder. Zur Seite sitzend berichtete nun der Brāhmane Jāṇussoṇi dem Erhabenen von seiner Begegnung mit dem Pilger Pilotikā und erzählte das ganze Gespräch. Hierauf wandte sich der Erhabene an den Brāhmanen Jāṇussoṇi und sprach:
»Bis dahin, Brāhmane, ist der Vergleich mit der Elephantenspur nur unvollständig ausgeführt; wie aber, Brāhmane, dieser Vergleich vollständig wird, das höre und achte wohl auf meine Rede.«
»Ja, o Herr!« erwiderte aufmerksam der Brāhmane Jāṇussoṇi dem Erhabenen. Der Erhabene sprach also:
»Wenn da, Brāhmane, ein Elephantensteller einen Elephantenwald aufsucht und dort die mächtige Fußspur eines Elephanten findet, groß in der Länge, breit in der Queere, und er ist ein kundiger Elephantensteller, so kommt er nicht alsogleich zu dem Schlusse: ›Welch ein mächtiger Elephant muss das sein!‹ Und warum nicht? Es giebt ja, Brāhmane, im Elephantenwalde Zwerginen genannte Elephantenweibchen mit großen Füßen, und ihre Spur könnte es sein. Er verfolgt diese Spur und indem er sie weiter verfolgt findet er im Walde eine mächtige Elephantenspur, groß in der Länge, breit in der Queere, mit niedergetretenem Röhricht. Ist er ein kundiger Elephantensteller, so kommt er auch jetzt noch nicht zu dem Schlusse: ›Welch ein mächtiger Elephant muss das sein!‹ Und warum nicht? Es giebt ja, Brāhmane, im Elephantenwalde Röhrichtzertreter genannte Elephantenweibchen mit großen Füßen, und ihre Spur könnte es sein. Er verfolgt diese Spur und indem er sie weiter verfolgt findet er im Walde eine mächtige Elephantenspur, groß in der Länge, breit in der Queere, mit niedergetretenem Röhricht, mit darauf gefallenem von den Hauern zerkerbten Röhricht. Ist er ein kundiger Elephantensteller, so kommt er auch jetzt noch nicht zu dem Schlusse: ›Welch ein mächtiger Elephant muss das sein!‹ Und warum nicht? Es giebt ja, Brāhmane, im Elephantenwalde Röhrichtzerreiber genannte Elephantenweibchen mit großen Füßen, und ihre Spur könnte es sein. Er verfolgt diese Spur und indem er sie weiter verfolgt findet er im Walde eine mächtige Elephantenspur, groß in der Länge, breit in der Queere, mit niedergetretenem Röhricht, mit darauf gefallenem von den Hauern zerkerbten Röhricht, mit darauf gefallenem abgebrochenen Geäst. Und er erblickt den Elephanten am Fuß eines Baumes, oder in einer Lichtung, wie er eben geht oder steht, sitzt oder liegt. Da kommt er zu dem Schlusse: ›Das ist er, der mächtige Elephant!‹ —:
{179} »Ebenso nun auch, Brāhmane, erscheint da der Vollendete in der Welt, der Heilige, vollkommen Erwachte, der Wissens- und Wandelsbewährte, der Willkommene, der Welt Kenner, der unvergleichliche Leiter der Männerheerde, der Meister der Götter und Menschen, der Erwachte, der Erhabene. Er zeigt diese Welt mit ihren Göttern, ihren bösen und heiligen Geistern, mit ihrer Schaar von Priestern und Büßern, Göttern und Menschen, nachdem er sie selbst verstanden und durchdrungen hat. Er verkündet die Lehre, deren Anfang begütigt, deren Mitte begütigt, deren Ende begütigt, die sinn- und wortgetreue, er legt das vollkommen geläuterte, geklärte Asketenthum dar.
»Diese Lehre hört ein Hausvater, oder der Sohn eines Hausvaters, oder einer, der in anderem Stande neugeboren ward. Nachdem er diese Lehre gehört hat, fasst er Vertrauen zum Vollendeten. Von diesem Vertrauen erfüllt denkt und überlegt er also: ›Ein Gefängniss ist die Häuslichkeit, ein Schmutzwinkel; der freie Himmelsraum die Pilgerschaft. Nicht wohl geht es, wenn man im Hause bleibt, das völlig geläuterte, völlig geklärte Asketenthum Punkt für Punkt zu erfüllen. Wie, wenn ich nun, mit geschorenem Haar und Barte, mit fahlem Gewande bekleidet, aus dem Hause in die Hauslosigkeit hinauszöge?‹ So giebt er denn später einen kleinen Besitz oder einen großen Besitz auf, hat einen kleinen Verwandtenkreis oder einen großen Verwandtenkreis verlassen und ist mit geschorenem Haar und Barte, im fahlen Gewande von Hause fort in die Hauslosigkeit gezogen.
»Er ist nun Pilger geworden und hat die Ordenspflichten der Mönche auf sich genommen. Lebendiges umzubringen hat er verworfen, Lebendiges umzubringen liegt ihm fern: ohne Stock, ohne Schwerdt, fühlsam, voll Theilnahme, hegt er zu allen lebenden Wesen Liebe und Mitleid. Nichtgegebenes zu nehmen hat er verworfen, vom Nehmen des Nichtgegebenen hält er sich fern: Gegebenes nimmt er, Gegebenes wartet er ab, nicht diebisch gesinnt, rein gewordenen Herzens. Die Unkeuschheit hat er verworfen, keusch lebt er, fern zieht er hin, entrathen der Paarung, dem gemeinen Gesetze. Lüge hat er verworfen, von Lüge hält er sich fern: die Wahrheit spricht er, der Wahrheit ist er ergeben, standhaft, vertrauenswürdig, kein Häuchler und Schmeichler der Welt. Das Ausrichten hat er verworfen, vom Ausrichten hält er sich fern: was er hier gehört hat erzählt er dort nicht wieder, um jene zu entzweien, und was er dort gehört hat erzählt er hier nicht wieder, um diese zu entzweien; so einigt er Entzweite, festigt Verbundene, Eintracht macht ihn froh, Eintracht freut ihn, Eintracht beglückt ihn, Eintracht fördernde Worte spricht er. Barsche Worte hat er verworfen, von barschen Worten hält er sich fern: Worte, die frei von Schimpf sind, dem Ohre wohlthuend, liebreich, zum Herzen dringend, höflich, viele erfreuend, viele erhebend, solche Worte spricht er. {180} Plappern und Plaudern hat er verworfen, von Plappern und Plaudern hält er sich fern: zur rechten Zeit spricht er, den Thatsachen gemäß, auf den Sinn bedacht, der Lehre und Ordnung getreu, seine Rede ist reich an Inhalt, gelegentlich mit Gleichnissen geschmückt, klar und bestimmt, ihrem Gegenstande angemessen.