»Was ist aber, ihr Mönche, noch mehr zu thun? ›Geläutert sei unsere Rede, offen und ehrlich, nicht heimlich und verhohlen; und dieser geläuterten Rede halber werden wir uns nicht überheben, noch die anderen geringschätzen‹: also habt ihr euch, meine Mönche, wohl zu üben. Nun mag euch vielleicht, ihr Mönche, der Gedanke kommen: ›Wir sind schaamhaft, sind dehmüthig, geläutert ist unser Wandel, geläutert die Rede: genug ist’s, gethan ist’s, erreicht haben wir das Ziel des Asketenthums, nichts weiter haben wir zu thun‹, und ihr möchtet euch damit schon zufrieden geben. Ich mache euch kund, ihr Mönche, ich mache euch aufmerksam: möge euch, die ihr nach dem Ziel des Asketenthums trachtet, das Ziel nicht entgehn, da noch mehr zu thun ist.

»Was ist aber, ihr Mönche, noch mehr zu thun? ›Geläutert sei unser Sinn, offen und ehrlich, nicht heimlich und verhohlen; und dieses geläuterten Sinnes halber werden wir uns nicht überheben, noch die anderen geringschätzen‹: also habt ihr euch, meine Mönche, wohl zu üben. Nun mag euch vielleicht, ihr Mönche, der Gedanke kommen: ›Wir sind schaamhaft, sind dehmüthig, geläutert ist unser Wandel, geläutert die Rede, geläutert der Sinn: genug ist’s, gethan ist’s, erreicht haben wir das Ziel des Asketenthums, nichts weiter haben wir zu thun‹, und ihr möchtet euch damit schon zufrieden geben. Ich mache euch kund, ihr Mönche, ich mache euch aufmerksam: möge euch, die ihr nach dem Ziel des Asketenthums trachtet, das Ziel nicht entgehn, da noch mehr zu thun ist.

»Was ist aber, ihr Mönche, noch mehr zu thun? ›Geläutert sei unser Leben, offen und ehrlich, nicht heimlich und verhohlen; und dieses geläuterten Lebens halber werden wir uns nicht überheben, noch die anderen geringschätzen‹: also habt ihr euch, meine Mönche, wohl zu üben. Nun mag euch vielleicht, ihr Mönche, der Gedanke kommen: ›Wir sind schaamhaft, sind dehmüthig, geläutert ist unser Wandel, geläutert die Rede, geläutert der Sinn, geläutert das Leben: {273} genug ist’s, gethan ist’s, erreicht haben wir das Ziel des Asketenthums, nichts weiter haben wir zu thun‹, und ihr möchtet euch damit schon zufrieden geben. Ich mache euch kund, ihr Mönche, ich mache euch aufmerksam: möge euch, die ihr nach dem Ziel des Asketenthums trachtet, das Ziel nicht entgehn, da noch mehr zu thun ist.

»Was ist aber, ihr Mönche, noch mehr zu thun? ›Die Thore der Sinne lasset uns hüten. Erblicken wir mit dem Gesichte eine Form, so fassen wir keine Neigung, keine Absicht. Da Begierde und Missmuth, böse und schlechte Gedanken gar bald den überwältigen, der unbewachten Gesichtes verweilt, befleißigen wir uns dieser Bewachung, hüten wir das Gesicht, wachen wir eifrig über das Gesicht. Hören wir mit dem Gehöre einen Ton — riechen wir mit dem Geruche einen Duft — schmecken wir mit dem Geschmacke einen Saft — tasten wir mit dem Getaste eine Tastung — erkennen wir mit dem Gedenken ein Ding, so fassen wir keine Neigung, fassen keine Absicht. Da Begierde und Missmuth, böse und schlechte Gedanken gar bald den überwältigen, der unbewachten Gedenkens verweilt, befleißigen wir uns dieser Bewachung, hüten wir das Gedenken, wachen wir eifrig über das Gedenken‹: also habt ihr euch, meine Mönche, wohl zu üben. Nun mag euch vielleicht, ihr Mönche, der Gedanke kommen: ›Wir sind schaamhaft, sind dehmüthig, geläutert ist unser Wandel, geläutert die Rede, geläutert der Sinn, geläutert das Leben, die Thore der Sinne hüten wir: genug ist’s, gethan ist’s, erreicht haben wir das Ziel des Asketenthums, nichts weiter haben wir zu thun‹, und ihr möchtet euch damit schon zufrieden geben. Ich mache euch kund, ihr Mönche, ich mache euch aufmerksam: möge euch, die ihr nach dem Ziel des Asketenthums trachtet, das Ziel nicht entgehn, da noch mehr zu thun ist.

»Was ist aber, ihr Mönche, noch mehr zu thun? ›Beim Essen lasset uns Maaß halten, jeden Bissen gründlich betrachten, nicht etwa zur Letzung und Ergetzung, nicht zur Schmuckheit und Zier, sondern nur um diesen Körper zu erhalten, zu fristen, um Schaden zu verhüten, um ein heiliges Leben führen zu können: ‚So werd’ ich das frühere Gefühl abtödten und ein neues Gefühl nicht aufkommen lassen, und ich werde ein Fortkommen haben, ohne Tadel bestehn, mich wohl befinden‘‹: also habt ihr euch, meine Mönche, wohl zu üben. Nun mag euch vielleicht, ihr Mönche, der Gedanke kommen: ›Wir sind schaamhaft, sind dehmüthig, geläutert ist unser Wandel, geläutert die Rede, geläutert der Sinn, geläutert das Leben, die Thore der Sinne hüten wir, beim Essen halten wir Maaß: genug ist’s, gethan ist’s, erreicht haben wir das Ziel des Asketenthums, nichts weiter haben wir zu thun‹, und ihr mochtet euch damit schon zufrieden geben. Ich mache euch kund, ihr Mönche, ich mache euch aufmerksam: möge euch, die ihr nach dem Ziel des Asketenthums trachtet, das Ziel nicht entgehn, da noch mehr zu thun ist.

»Was ist aber, ihr Mönche, noch mehr zu thun? ›Der Wachsamkeit wollen wir uns weihen. Bei Tage werden wir, gehend und sitzend, das Gemüth von trübenden Dingen läutern; in den ersten Stunden der Nacht werden wir, {274} gehend und sitzend, das Gemüth von trübenden Dingen läutern; in den mittleren Stunden der Nacht werden wir uns dann wie der Löwe auf die rechte Seite hinlegen, einen Fuß über dem anderen, gesammelten Sinnes, der Zeit des Aufstehns gedenkend; in den letzten Stunden der Nacht werden wir uns wieder erheben und, gehend und sitzend, das Gemüth von trübenden Dingen läutern‹: also habt ihr euch, meine Mönche, wohl zu üben. Nun mag euch vielleicht, ihr Mönche, der Gedanke kommen: ›Wir sind schaamhaft, sind dehmüthig, geläutert ist unser Wandel, geläutert die Rede, geläutert der Sinn, geläutert das Leben, die Thore der Sinne hüten wir, beim Essen halten wir Maaß, haben uns der Wachsamkeit geweiht: genug ist’s, gethan ist’s, erreicht haben wir das Ziel des Asketenthums, nichts weiter haben wir zu thun‹, und ihr möchtet euch damit schon zufrieden geben. Ich mache euch kund, ihr Mönche, ich mache euch aufmerksam: möge euch, die ihr nach dem Ziel des Asketenthums trachtet, das Ziel nicht entgehn, da noch mehr zu thun ist.

»Was ist aber, ihr Mönche, noch mehr zu thun? ›Mit klarem Bewusstsein wollen wir uns wappnen. Klar bewusst beim Kommen und Gehn, klar bewusst beim Hinblicken und Wegblicken, klar bewusst beim Neigen und Erheben, klar bewusst beim Tragen des Gewandes und der Almosenschaale des Ordens, klar bewusst beim Essen und Trinken, Kauen und Schmecken, klar bewusst beim Entleeren von Koth und Harn, klar bewusst beim Gehn und Stehn und Sitzen, beim Einschlafen und Erwachen, beim Sprechen und Schweigen‹: also habt ihr euch, meine Mönche, wohl zu üben. Nun mag euch vielleicht, ihr Mönche, der Gedanke kommen: ›Wir sind schaamhaft, sind dehmüthig, geläutert ist unser Wandel, geläutert die Rede, geläutert der Sinn, geläutert das Leben, die Thore der Sinne hüten wir, beim Essen halten wir Maaß, haben uns der Wachsamkeit geweiht, sind mit klarem Bewusstsein gewappnet: genug ist’s, gethan ist’s, erreicht haben wir das Ziel des Asketenthums, nichts weiter haben wir zu thun‹, und ihr möchtet euch damit schon zufrieden geben. Ich mache euch kund, ihr Mönche, ich mache euch aufmerksam: möge euch, die ihr nach dem Ziel des Asketenthums trachtet, das Ziel nicht entgehn, da noch mehr zu thun ist.

»Was ist aber, ihr Mönche, noch mehr zu thun? Da sucht, ihr Mönche, der Mönch einen abgelegenen Ruheplatz auf, einen Hain, den Fuß eines Baumes, eine Felsengrotte, eine Bergesgruft, einen Friedhof, die Waldesmitte, ein Streulager in der offenen Ebene. Nach dem Mahle, wenn er vom Almosengange zurückgekehrt ist, setzt er sich mit verschränkten Beinen nieder, den Körper gerade aufgerichtet, und pflegt der Einsicht. Er hat weltliche Begierde verworfen und verweilt begierdelosen Gemüthes, von Begierde läutert er sein Herz. Gehässigkeit hat er verworfen, hasslosen Gemüthes verweilt er, {275} voll Liebe und Mitleid zu allen lebenden Wesen läutert er sein Herz von Gehässigkeit. Matte Müde hat er verworfen, von matter Müde ist er frei; das Licht liebend, einsichtig, klar bewusst, läutert er sein Herz von matter Müde. Stolzen Unmuth hat er verworfen, er ist frei von Stolz; innig beruhigten Gemüthes läutert er sein Herz von stolzem Unmuth. Das Schwanken hat er verworfen, der Ungewissheit ist er entronnen; er zweifelt nicht am Guten, vom Schwanken läutert er sein Herz.

»Gleichwie etwa, ihr Mönche, wenn ein Mann, von Schulden bedrückt, sich in Geschäfte einließe; diese Geschäfte aber nähmen einen gedeihlichen Ausgang für ihn, sodass er seine alte Schuldenlast tilgen könnte und ihm sogar noch ein Uebriges bliebe um ein Weib auszuhalten; der sagte sich nun: ›Ich habe mich früher, von Schulden bedrückt, in Geschäfte eingelassen, und diese sind mir nun gediehen; jetzt hab’ ich meine alte Schuldenlast getilgt und besitze sogar noch ein Uebriges um ein Weib aushalten zu können‹: darüber freute er sich, wäre fröhlich gestimmt;

gleichwie etwa, ihr Mönche, wenn ein Mann siech wäre, leidend, von schwerer Krankheit betroffen, keine Nahrung vertrüge, keine Kraft mehr im Leibe hätte; später dann wiche aber das Gebresten von ihm, die Nahrung bekäme ihm wohl, er fühlte sich wieder kräftig im Leibe; der sagte sich nun: ›Ich war früher siech, leidend, schwerkrank, die Nahrung bekam mir nicht, mein Leib war kraftlos; jetzt aber bin ich von dieser Krankheit genesen, die Nahrung schlägt mir an, ich fühle mich wieder leibeskräftig‹: darüber freute er sich, wäre fröhlich gestimmt;