»Und wie, Bürger, ist das wahre, rechte Leben in Gedanken dreifach verschieden? Da ist einer, ihr Bürger, nicht lüstern. Was ein anderer an Hab und Gut besitzt, danach giert er nicht: ›Ach wenn doch sein Eigen das meine wäre!‹ Dann ist er frei von Gehässigkeit, frei von Uebelwollen: ›Mögen diese Wesen ohne Hass, ohne Schmerz, ohne Quaal glücklich ihr Dasein bewahren!‹ Und er hat rechte Ansichten, hegt keine verkehrten Meinungen: ›Almosengeben, Verzichtleisten, Spenden ist kein Unsinn; es giebt eine Saat und Ernte guter und böser Werke; das Diesseits ist vorhanden und das Jenseits ist vorhanden; Eltern giebt es und geistige Geburt giebt es; die Welt hat Asketen und Priester, die vollkommen und vollendet sind, die sich den Sinn dieser und jener Welt begreiflich machen, anschaulich vorstellen und erklären können.‹ Also, ihr Bürger, ist das wahre, rechte Leben in Gedanken dreifach verschieden. Weil sie also wahr und recht leben, ihr Bürger, desshalb gelangen da manche Wesen bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, auf gute Fährte, in sälige Welt.
{289} »Wünscht sich aber, ihr Bürger, ein Wahrhaftiger und Gerechter: ›O dass ich doch bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, in der Familie eines reichen Adelsgeschlechtes wiedererscheinen möchte‹, so mag es wohl sein, dass er bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, in der Familie eines reichen Adelsgeschlechtes wiedererscheine. Und warum das? Um seiner Wahrhaftigkeit und Gerechtigkeit willen.
»Wünscht sich aber, ihr Bürger, ein Wahrhaftiger und Gerechter: ›O dass ich doch bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, in der Familie eines reichen Priestergeschlechtes wiedererscheinen möchte‹, so mag es wohl sein, dass er bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, in der Familie eines reichen Priestergeschlechtes wiedererscheine. Und warum das? Um seiner Wahrhaftigkeit und Gerechtigkeit willen.
»Wünscht sich aber, ihr Bürger, ein Wahrhaftiger und Gerechter: ›O dass ich doch bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, in der Familie eines reichen Bürgergeschlechtes wiedererscheinen möchte‹, so mag es wohl sein, dass er bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, in der Familie eines reichen Bürgergeschlechtes wiedererscheine. Und warum das? Um seiner Wahrhaftigkeit und Gerechtigkeit willen.
»Wünscht sich aber, ihr Bürger, ein Wahrhaftiger und Gerechter: ›O dass ich doch bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, unter den Göttern der Vier großen Könige — unter den Dreiunddreißig Göttern — unter den Schattengöttern — unter den Säligen Göttern — unter den Göttern der unbeschränkten Freude — unter den Jenseit der unbeschränkten Freude weilenden Göttern — unter den Göttern der Brahmawelt — unter den Glänzenden Göttern — unter den Hellerglänzenden Göttern — unter den Unermesslichglänzenden Göttern — unter den Leuchtenden Göttern — unter den Strahlenden Göttern — unter den Hellerstrahlenden Göttern — unter den Unermesslichstrahlenden Göttern — unter den Strahlengewordenen Göttern — unter den Gewaltigen Göttern — unter den Wonnigen Göttern — unter den Sonnigen Göttern — unter den Hehren Göttern — unter den Herrlichen Göttern — unter den Erhabenen Göttern — unter den Raumunendlichkeit genießenden Göttern — unter den Bewusstseinunendlichkeit genießenden Göttern — unter den Nichtdasein genießenden Göttern — unter den weder Wahrnehmung noch Nichtwahrnehmung genießenden Göttern wiedererscheinen möchte‹, so mag dies wohl sein. Und warum? Um seiner Wahrhaftigkeit und Gerechtigkeit willen.
»Wünscht sich aber, ihr Bürger, ein Wahrhaftiger und Gerechter: ›O dass ich doch den Wahn versiegen und die wahnlose Gemütherlösung, Weisheiterlösung noch bei Lebzeiten mir offenbar machen, verwirklichen und erringen könnte‹, so mag es wohl sein, dass er den Wahn versiegen und die wahnlose Gemütherlösung, Weisheiterlösung noch bei Lebzeiten sich offenbar machen, verwirklichen und erringen kann. Und warum das? Um seiner Wahrhaftigkeit und Gerechtigkeit willen.«
{290} Nach diesen Worten sprachen die brāhmanischen Bürger von Sālā zum Erhabenen also:
»Vortrefflich, o Gotamo, vortrefflich, o Gotamo! Gleichwie etwa, o Gotamo, als ob einer Umgestürztes aufstellte, oder Verdecktes enthüllte, oder Verirrten den Weg wiese, oder in die Finsterniss ein Licht hielte, ›Wer Augen hat wird die Dinge sehn‹: ebenso auch hat Herr Gotamo die Lehre auf manigfaltige Weise dargelegt. Und so nehmen wir bei Herrn Gotamo Zuflucht, bei der Lehre und bei der Jüngerschaft: als Anhänger möge uns Herr Gotamo betrachten, von heute an zeitlebens getreu.«
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