»Hierauf, ihr Mönche, erwiderte ich dem Brahmā Bako: ›Verblendet, wahrlich, ist der liebe Brahmā Bako, verblendet, wahrlich, ist der liebe Brahmā Bako, da er ja was eben nicht ewig ist als ewig bezeichnen will, was eben nicht beharrend ist als beharrend bezeichnen will, was eben dauerlos ist als immerwährend bezeichnen will, was eben auflösbar ist als unauflösbar bezeichnen will, was eben vergänglich ist als unvergänglich bezeichnen will, und nun von dem, was da geboren wird und altert, stirbt und vergeht und wiedererscheint, behauptet, dass es nicht geboren werde, nicht altere, nicht sterbe und vergehe und wiedererscheine, dann aber jene andere, höhere Freiheit, die es giebt, leugnet.‹

»Da fuhr nun, ihr Mönche, Māro der Böse in einen der Götter vom Gefolge Brahmās und sprach also aus ihm: ›Mönchlein, Mönchlein! Hüte dich vor diesem, hüte dich vor diesem: das ist ja Brahmā, o Mönch, der Große Brahmā, {327} der Uebermächtige, der Unübermächtigte, der Allsehende, der Gebieter, der Herr, der Schöpfer, der Erschaffer, der Höchste, der Erzeuger, der Erhalter, der Vater von allem was da war und sein wird. Schon vor dir, o Mönch, gab es in der Welt Asketen und Priester, die Erdenfeinde waren, Erdenverächter, die Wasserfeinde waren, Wasserverächter, die Feuerfeinde waren, Feuerverächter, die Luftfeinde waren, Luftverächter, die Naturfeinde waren, Naturverächter, die Götterfeinde waren, Götterverächter, die Feinde des Herrn der Zeugung waren, Verächter des Herrn der Zeugung, die Feinde Brahmās waren, Verächter Brahmās: diese gelangten bei der Auflösung des Körpers, nach verbrauchter Lebenskraft, zu verstoßenen Daseinsarten. Und es gab vor dir, o Mönch, Asketen und Priester in der Welt, die Erdenfreunde waren, Erdenliebhaber, die Wasserfreunde waren, Wasserliebhaber, die Feuerfreunde waren, Feuerliebhaber, die Luftfreunde waren, Luftliebhaber, die Naturfreunde waren, Naturliebhaber, die Götterfreunde waren, Götterliebhaber, die Freunde des Herrn der Zeugung waren, Liebhaber des Herrn der Zeugung, die Freunde Brahmās waren, Liebhaber Brahmās: diese gelangten bei der Auflösung des Körpers, nach verbrauchter Lebenskraft, zu erlesenen Daseinsarten. Und so rath’ ich dir denn, o Mönch: hab’ Acht, Würdiger! Was dir Brahmā gesagt hat, das lass’ dir gesagt sein, auf dass du nicht dem Worte Brahmās widersprechest! Wenn du, o Mönch, dem Worte Brahmās widersprechen wolltest, so wär’ es als ob ein Mann an einen Felsen träte und mit einem Stabe dagegen schlüge, oder als ob, o Mönch, ein Mann, in einen Höllenabgrund stürzend, mit Händen und Füßen Boden zu fassen suchte: ganz ebenso, o Mönch, würd’ es dir hier ergehn. Hab’ Acht, Würdiger! Was dir Brahmā gesagt hat, das lass’ dir gesagt sein, auf dass du nicht dem Worte Brahmās widersprechest!

Siehst, Mönchlein, du nicht rings umher

Den Götterkreis der Brahmawelt?‹

»Mit diesen Worten, ihr Mönche, führte mich Māro der Böse in den Kreis der Brahmagötter. Ich aber, ihr Mönche, sprach also zu Māro dem Bösen: ›Wohl kenn’ ich dich, Böser, lass’ die Hoffnung fahren: ‚Er kennt mich nicht‘, Māro bist du, der Böse. Und dieser Brahmā da, Böser, und diese Brahmagötter, und diese Brahmaschaaren: alle sind sie in deiner Hand, alle sind sie in deiner Willkür. Du freilich, Böser, denkst nun: ‚Auch der soll in meiner Hand sein, auch der soll in meiner Willkür sein!‘ Ich aber, Böser, stehe nicht in deiner Hand und stehe nicht in deiner Willkür.‹

»Auf diese Worte, ihr Mönche, sprach der Brahmā Bako also zu mir: ›Ich nun, Würdiger, halte für ewig was eben ewig ist, {328} halte für beharrend was eben beharrend ist, halte für immerwährend was eben immerwährend ist, halte für unauflösbar was eben unauflösbar ist, halte für unvergänglich was eben unvergänglich ist; und wo kein Geborenwerden und Altern, kein Sterben und Vergehn und Wiedererscheinen ist, da sag’ ich eben: hier, wahrlich, herrscht kein Geborenwerden und Altern, kein Sterben und Vergehn und Wiedererscheinen; und weil es keine andere, höhere Freiheit giebt, desshalb sag’ ich: es giebt keine andere, höhere Freiheit. Vor dir, o Mönch, waren schon Asketen und Priester in der Welt, die sich die ganze Spanne Zeit eueres Lebens einzig der Kasteiung hingegeben hatten: die mochten vielleicht wissen, ob es eine andere, höhere Freiheit giebt oder nicht giebt. Darum lass’ dir, o Mönch, bedeutet sein: du wirst eine andere, höhere Freiheit gewiss nicht entdecken, und wenn du dir auch noch so viel Mühe und Quaal gäbest. Nimmst du, o Mönch, die Erde zum Stützpunkt, so hast du mich zum Stützpunkt genommen, zum Schwerpunkt genommen, musst mir gehorchen, musst mir weichen; nimmst du, o Mönch, das Wasser zum Stützpunkt, so hast du mich zum Stützpunkt genommen, zum Schwerpunkt genommen, musst mir gehorchen, musst mir weichen; nimmst du, o Mönch, das Feuer zum Stützpunkt, so hast du mich zum Stützpunkt genommen, zum Schwerpunkt genommen, musst mir gehorchen, musst mir weichen; nimmst du, o Mönch, die Luft zum Stützpunkt, so hast du mich zum Stützpunkt genommen, zum Schwerpunkt genommen, musst mir gehorchen, musst mir weichen; nimmst du, o Mönch, die Natur zum Stützpunkt, so hast du mich zum Stützpunkt genommen, zum Schwerpunkt genommen, musst mir gehorchen, musst mir weichen; nimmst du, o Mönch, die Götter zum Stützpunkt, so hast du mich zum Stützpunkt genommen, zum Schwerpunkt genommen, musst mir gehorchen, musst mir weichen; nimmst du, o Mönch, den Herrn der Zeugung zum Stützpunkt, so hast du mich zum Stützpunkt genommen, zum Schwerpunkt genommen, musst mir gehorchen, musst mir weichen; nimmst du, o Mönch, den Brahmā zum Stützpunkt, so hast du mich zum Stützpunkt genommen, zum Schwerpunkt genommen, musst mir gehorchen, musst mir weichen.

›Wohl weiß auch ich es, Brahmā: nehm’ ich die Erde zum Stützpunkt, so hab’ ich dich zum Stützpunkt genommen, zum Schwerpunkt genommen, muss dir gehorchen, muss dir weichen; nehm’ ich das Wasser zum Stützpunkt, so hab’ ich dich zum Stützpunkt genommen, zum Schwerpunkt genommen, muss dir gehorchen, muss dir weichen; nehm’ ich das Feuer zum Stützpunkt, so hab’ ich dich zum Stützpunkt genommen, zum Schwerpunkt genommen, muss dir gehorchen, muss dir weichen; nehm’ ich die Luft zum Stützpunkt, so hab’ ich dich zum Stützpunkt genommen, zum Schwerpunkt genommen, muss dir gehorchen, muss dir weichen; nehm’ ich die Natur zum Stützpunkt, so hab’ ich dich zum Stützpunkt genommen, zum Schwerpunkt genommen, muss dir gehorchen, muss dir weichen; nehm’ ich die Götter zum Stützpunkt, so hab’ ich dich zum Stützpunkt genommen, zum Schwerpunkt genommen, muss dir gehorchen, muss dir weichen; nehm’ ich den Herrn der Zeugung zum Stützpunkt, so hab’ ich dich zum Stützpunkt genommen, zum Schwerpunkt genommen, muss dir gehorchen, muss dir weichen; nehm’ ich den Brahmā zum Stützpunkt, so hab’ ich dich zum Stützpunkt genommen, zum Schwerpunkt genommen, muss dir gehorchen, muss dir weichen. Wohl kenn’ ich, Brahmā, deine Art, kenne deine Herrlichkeit: hochmächtig ist der Brahmā Bako, hochgewaltig ist der Brahmā Bako, hochangesehn ist der Brahmā Bako.‹

›Inwiefern denn, Würdiger, kennst du meine Art, kennst meine Herrlichkeit: hochmächtig ist der Brahmā Bako, hochgewaltig ist der Brahmā Bako, hochangesehn ist der Brahmā Bako?

›Soweit die Sonne strahlt, der Mond

In voller Pracht die Räume durch,