Die Betonung hält sich, der lateinischen ähnlich, möglichst am Anfang. Verbundene Worte haben, wie im Deutschen, zwei Hebungen. Es heißt also: Gótamo, Pasénadi, Sā́vatthī́, Aggivéssano, Kápilavátthu u. s. w.
ā, ī, ū sind lang auszusprechen, ebenso e, o, ausgenommen vor Doppelkonsonanz, c=tsch, j=dsch, y=j, v=w, s ist stets scharf, h in Verbindung mit Konsonant oder Doppelkonsonant stets hörbar zu sprechen. Punktierte Lettern sind lingual.
Es werden durchweg die unverkürzten Nominative gegeben. Eḷu, d. i. weder Saṃskṛt noch Pāli, sind die Endungen -a, -e, -ya.
Die Zahlen am Rande geben die Seiten des Trencknerschen Textes an.
VORWORT DES HERAUSGEBERS
Als Karl Eugen Neumann im Jahre 1915 starb, war sein Lebenswerk so gut wie unbekannt, die Mehrzahl der Gebildeten hatte noch kaum vom Vorhandensein authentischer Reden des Buddho gehört, und noch gar nicht den Namen ihres ersten Uebermittlers. Seither ist es anders geworden, heute wissen die Besten, was der Pāli-Kanon bedeutet, und dass sie ihn in einer Uebertragung besitzen, um die das deutsche Volk von den andern Nationen beneidet wird. Und heute ist es möglich geworden, die Mittlere Sammlung der Reden Gotamo Buddhos, die Karl Eugen Neumann bereits 1895–1901 übersetzte, zum zweiten Mal erscheinen zu lassen.
Die vorliegende Ausgabe bringt den unverkürzten Wortlaut der ersten, weist aber manche Veränderungen auf, die ausnahmslos von Karl Eugen Neumann selbst herrühren. Der Pāli-Kanon enthält, in allen seinen Teilen wiederkehrende, gleichlautende Stellen, Wortfolgen und Begriffe; im Laufe der Jahre hatte nun Karl Eugen Neumann, unablässig nach höchster Treue strebend, einige dieser identischen Stellen noch näher zu verdeutschen vermocht, ohne dass ihm jedoch eine zweite Ausgabe der Mittleren Sammlung Gelegenheit gegeben hätte, für derartige Wortfolgen die spätere Fassung einzusetzen. Daraus ergab sich die Notwendigkeit, einen Text letzter Hand herzustellen. Hierbei musste mit großer Umsicht vorgegangen werden, nach sorgsamster Erwägung, denn die Pāli-Texte sind rhythmische Kunstwerke, worin jeder Silbe ein bestimmter Lautwert zufällt. Das spricht durchaus nicht gegen die Authentizität der Reden, ganz im Gegenteil: wenn ein Wesen moralisch und geistig die höchste Höhe erreicht, dann wird ihm auch sprachlich alles zu Rhythmus und Melodie; aus der inneren Ruhe und Reinheit, der tiefen Harmonie, die im Heiligen waltet, entsteht wie von selbst das Kunstwerk seiner Rede. So hat einmal ein Erwachter gesprochen, und wir finden vorher und nachher kein Beispiel dafür. Wohl aber ist der Rahmen mancher Reden später nachgeschaffenes Kunstwerk, und noch in Gotamos Geiste stilisiert. Die Aufgabe bei der Textherstellung war darum, die späteren Fassungen einzusetzen, ohne den Rhythmus zu zerstören, also nur jene Stellen aus den später übertragenen Bänden herüberzunehmen, wo der Rhythmus der umgebenden Worte es ohne irgendwelche selbständigen Zusätze oder Weglassungen erlaubte. Wo immer ein bloßes Einfügen der späteren Form ohne Gefährdung des Rhythmus möglich erschien, ist diese jetzt an die Stelle der früheren getreten, während in wenigen Fällen, wo das Gleichmaß der benachbarten Stellen durch ein solches Verfahren zerstört worden wäre, davon Abstand genommen wurde. Die rhythmischen Gesetze der Pāli-Texte sind unglaublich fein und manigfaltig, und Karl Eugen Neumann hat selbst gelegentlich auf eine frühere, darum oft nicht weniger richtigere Version seiner Uebertragung zurückgegriffen, weil sie gerade in diese Umgebung sich besser einfügen wollte. In solchen einzelnen Fällen würde nur helfen, auch die umgebenden Worte entsprechend anzupassen, zu verändern, wie es Karl Eugen Neumann, wenn es not war, tat; das aber steht keinem Herausgeber zu, und nur aus diesem Grunde, nicht weil sie übersehen wurden, sind auch einige, in späteren Werken Karl Eugen Neumanns anders wiedergegebene identische Stellen hier unverändert belassen worden. Als ein leichtes Beispiel für viele sehr schwierige sei nur erwähnt, dass Karl Eugen Neumann im ersten Band der Mittleren Sammlung das Wort brāhmaṇo mit »Brāhmane« übersetzt hatte, während es im zweiten und dritten Band auch mit »Priester« verdeutscht ist; in der Längeren Sammlung kommt dann nur mehr die Wiedergabe »Priester« vor. Es ist nun klar, dass es nicht immer möglich sein kann, ein zweisilbiges Wort an die Stelle eines dreisilbigen zu setzen, ohne irgendwelche ausgleichende Veränderung, darum ist auch die erste Form »Brāhmane« hie und da geblieben. Weil die jüngere Fassung mancher solcher gleichlautend wiederkehrenden Stellen in den jeweils später erschienenen Bänden gedruckt vorlag, brauchte sie nicht immer auch von Karl Eugen Neumann in seine Handexemplare der früheren Werke eingetragen zu werden, daher kommt es, dass diese nur wenige Korrekturen enthalten, nämlich nur die nirgend anderwärts schon gedruckten. Diese sind hier in den Nachweisen am Schlusse jedes Bandes, woselbst der Ursprungsort aller geänderten Stellen verzeichnet ist, aufzufinden. Die meisten Aenderungen waren naturgemäß im ersten Band durchzuführen, im zweiten sind es bereits wenigere und nur mehr einige im dritten Band, als im zuletzt übertragenen. Hier waren nur mehr die Bruchstücke und die Längere Sammlung zum Vergleich heranzuziehn, während bei der Textredaktion des ersten Bandes auch der zweite und dritte berücksichtigt werden musste. Die überwiegende Zahl der späteren Fassungen ist nicht durch die Nötigung Irrtümer zu berichtigen, sondern zumeist aus dem Streben nach letzter Vervollkommnung zustandegekommen. Hat also Karl Eugen Neumann später manche Stelle des 1896 erschienenen ersten Bandes noch zutreffender übertragen, so war dessenungeachtet dieser erste Band schon ein erstaunliches Meisterwerk: was in der »Buddhistischen Anthologie« (1892) kaum noch im ersten Ansatz wahrzunehmen war, die Identität seines Tones, seiner Sprache mit derjenigen Gotamos, das tritt hier zum ersten Mal vollkommen zutage. Es ist ein Irrtum zu vermeinen, man könne, was ein Großer gesprochen habe, auch mit anders gesetzten Worten unbeeinträchtigt wiederholen, anders gesetzt ist die Wirkung eben eine andre, oder wird überhaupt ausbleiben, weil im persönlichen Rhythmus des Redners letzter Wirkungsgrund liegt. Unrhythmische Worte sind jedoch machtlos, wenn auch ihr Inhalt bedeutend wäre, welcher Fall aber in der Erfahrung gar nicht angetroffen wird, während Rhythmus allein schon das Bändigende an sich ist, das Ordnende und Ermunternde. Und nun gar die Worte des höchsten der Menschen, von denen eine Heilkraft sondergleichen ausgeht, die ruhegeboren sind und schlackenrein: nicht nur ihr Inhalt, auch ihre Form, die Art ihrer Setzung wirkt in stärkster Weise ermunternd, umbildend, Wunder schaffend, unmöglich Scheinendes möglich machend. Und dass die Buddhoworte in der Verdeutschung Karl Eugen Neumanns dieses zauberhaft Belebende, Beschwichtigende, Stärkende und Beruhigende unvermindert behalten haben, hierin liegt das Wunder seiner Uebertragung, die aus verborgenen, fast geheimnisvollen Quellen fließend, noch weit über alles Sprachkunstwerk hinausgeht. Gleichzeitig aber war Karl Eugen Neumann ein philologisches Genie, mit dem allerseltensten Scharfsinn begabt, bei einem ungeheueren Wissen unermüdlich in seinem Forschungseifer, stets bis zur letzten Bedeutung und Beziehung der Worte vordringend. Nicht geringer als sein Verdienst um die buddhistische Lehre ist sein Verdienst um die deutsche Sprache, der er ein neues Element, eben das indische, genauer das gotamidische, zugeführt hat; durch seine Verschmelzung des edelsten indischen Sprachgutes mit dem Deutschen hat er diesem neue ungeahnte Schönheiten abgewonnen, wie auch Luther es sich zum Verdienst anrechnete, die lateinischen Klänge der Vulgata ins Deutsche herübergebracht zu haben. Dabei ist die Uebertragung Karl Eugen Neumanns voll von »ebenso einfachen als genialen Kühnheiten, die nur dem Künstler gelingen«, wie er selbst es von Richard Wagners Uebersetzung des Wortes Vanaheim durch ‚Wahnheim‘ rühmt.