Doch die Mönche wurden durch diese Worte der andersfährtigen Pilger weder befriedigt noch verstimmt; ohne Befriedigung, ohne Verstimmung erhoben sie sich und gingen fort:
»Beim Erhabenen werden wir den Sinn dieser Worte verstehn.«
Und sie wanderten nach Sāvatthī, traten von Haus zu Haus um Almosenspeise, kehrten zurück, nahmen ihr Mahl ein und begaben sich alsdann zum Erhabenen. Dort angelangt begrüßten sie den Erhabenen ehrerbietig und setzten sich seitwärts hin. Seitwärts sitzend sprachen nun jene Mönche zum Erhabenen also:
»Wir waren da heute früh, o Herr, mit Mantel und Schaale versehn, nach Sāvatthī aufgebrochen, um Almosenspeise. Da kam uns, o Herr, der Gedanke: ›Es ist noch zu zeitig, in die Stadt um Almosenspeise zu gehn; lasst uns einstweilen den Garten der andersfährtigen Pilger aufsuchen.‹ Und wir begaben uns, o Herr, in den Garten der andersfährtigen Pilger, wechselten höflichen Gruß und freundliche, denkwürdige Worte mit ihnen und setzten uns seitwärts hin. Hierauf wandten sich die andersfährtigen Pilger, o Herr, mit folgender Rede an uns: ›Der Asket Gotamo, Brüder, untersucht das Begehren von Grund aus, auch wir untersuchen das Begehren von Grund aus; der Asket Gotamo, Brüder, untersucht das Körperliche von Grund aus, {85} auch wir untersuchen das Körperliche von Grund aus; der Asket Gotamo, Brüder, untersucht das Gefühl von Grund aus, auch wir untersuchen das Gefühl von Grund aus: was für eine Beschränkung, ihr Brüder, was für Eigenart und Verschiedenheit besteht da wohl zwischen dem Asketen Gotamo und uns, sei es nun in Beziehung auf Vortrag oder Gebot?‹ Diese Worte der andersfährtigen Pilger, o Herr, befriedigten uns nicht und verstimmten uns nicht; ohne Befriedigung, ohne Verstimmung erhoben wir uns und gingen fort: ›Beim Erhabenen werden wir den Sinn dieser Worte verstehn.‹«
»Auf diese Worte, ihr Mönche, wäre den andersfährtigen Pilgern zu erwidern gewesen: ›Was ist also, Brüder, Labsal des Begehrens, Elend des Begehrens, Ueberwindung des Begehrens? Was ist Labsal des Körperlichen, Elend des Körperlichen, Ueberwindung des Körperlichen? Was ist Labsal des Gefühls, Elend des Gefühls, Ueberwindung des Gefühls?‹ Also gefragt, ihr Mönche, würden die andersfährtigen Pilger genügende Antwort nicht gefunden haben, sogar recht in Verlegenheit gerathen sein: und warum? Weil das, ihr Mönche, fremdes Gebiet für sie ist. Keinen seh’ ich, ihr Mönche, in der Welt mit ihren Göttern, ihren bösen und heiligen Geistern, mit ihrer Schaar von Büßern und Priestern, Göttern und Menschen, der durch eine Erklärung dieser Fragen das Herz gewinnen könnte, den Vollendeten ausgenommen, oder einen Jünger des Vollendeten, und die es von da gehört haben.
»Was ist nun, ihr Mönche, Labsal des Begehrens? Fünf Begehrungen giebt es, ihr Mönche, und welche fünf? Die durch das Gesicht ins Bewusstsein tretenden Formen, die ersehnten, geliebten, entzückenden, angenehmen, dem Begehren entsprechenden, reizenden; die durch das Gehör ins Bewusstsein tretenden Töne, die ersehnten, geliebten, entzückenden, angenehmen, dem Begehren entsprechenden, reizenden; die durch den Geruch ins Bewusstsein tretenden Düfte, die ersehnten, geliebten, entzückenden, angenehmen, dem Begehren entsprechenden, reizenden; die durch den Geschmack ins Bewusstsein tretenden Säfte, die ersehnten, geliebten, entzückenden, angenehmen, dem Begehren entsprechenden, reizenden; die durch das Getast ins Bewusstsein tretenden Tastungen, die ersehnten, geliebten, entzückenden, angenehmen, dem Begehren entsprechenden, reizenden. Das sind, ihr Mönche, die fünf Begehrungen. Was da Wohl und Erwünschtes diesen fünf Begehrungen gemäß geht ist Labsal des Begehrens.
»Was ist nun, ihr Mönche, Elend des Begehrens? Da erwirbt sich, ihr Mönche, ein Sohn des Hauses seinen Unterhalt durch ein Amt, sei es als Schreiber oder als Rechner oder Verwalter, als Landwirt oder als Kaufmann oder als Heerdenzüchter, als Soldat oder Minister des Königs, oder durch irgend einen anderen Dienst, ist der Hitze ausgesetzt, ist der Kälte ausgesetzt, muss Sonne und Wind Trotz bieten, sich mit Mücken, Wespen und Kriechthieren herumschlagen, wird von Hunger und Durst aufgerieben. Das aber, Mönche, ist Elend des Begehrens, ist die offenbare Leidensverkettung, durch Begehren entstanden, durch Begehren gefügt, durch Begehren erhalten, durch Begehren schlechthin bedingt.
{86} »Wenn diesem Sohne des Hauses, ihr Mönche, der sich also abmüht, plagt und quält, kein Reichthum erblüht, so wird er bekümmert und schwermüthig, klagt, schlägt sich stöhnend die Brust, geräth in Verzweiflung: ›Vergeblich, ach, ist mein Streben, meine Mühe hat keinen Zweck!‹ Das aber, Mönche, ist Elend des Begehrens, ist die offenbare Leidensverkettung, durch Begehren entstanden, durch Begehren gefügt, durch Begehren erhalten, durch Begehren schlechthin bedingt.
»Wenn diesem Sohne des Hauses, ihr Mönche, der sich also abmüht, plagt und quält, Reichthum erblüht, so nagt ihn sorgende Pein um die Erhaltung dieses Reichthums: ›Dass mir meine Güter nur nicht von Königen eingezogen, oder von Räubern geplündert, oder vom Feuer verzehrt, oder vom Wasser weggespült, oder von feindlichen Verwandten entrissen werden!‹ Und indem er seine Güter wahrt und schützt werden sie ihm von Königen eingezogen, oder von Räubern geplündert, oder vom Feuer verzehrt, oder vom Wasser weggespült, oder von feindlichen Verwandten entrissen. Da wird er bekümmert und schwermüthig, klagt, schlägt sich stöhnend die Brust, geräth in Verzweiflung: ›Meinen Besitz, den haben wir nicht mehr!‹ Das aber, Mönche, ist Elend des Begehrens, ist die offenbare Leidensverkettung, durch Begehren entstanden, durch Begehren gefügt, durch Begehren erhalten, durch Begehren schlechthin bedingt.
»Weiter sodann, ihr Mönche: von Begehren getrieben, von Begehren gereizt, von Begehren bewogen, eben nur aus eitel Begehren streiten Könige mit Königen, Fürsten mit Fürsten, Priester mit Priestern, Bürger mit Bürgern, streitet die Mutter mit dem Sohne, der Sohn mit der Mutter, der Vater mit dem Sohne, der Sohn mit dem Vater, streitet Bruder mit Bruder, Bruder mit Schwester, Schwester mit Bruder, Freund mit Freund. Also in Zwist, Zank und Streit gerathen gehn sie mit Fäusten aufeinander los, mit Steinen, Stöcken und Schwerdtern. Und so eilen sie dem Tode entgegen oder tödtlichem Schmerze. Das aber, Mönche, ist Elend des Begehrens, ist die offenbare Leidensverkettung, durch Begehren entstanden, durch Begehren gefügt, durch Begehren erhalten, durch Begehren schlechthin bedingt.