»Da giebt es, Sandako, einen Meister, der weiß alles, versteht alles, bekennt unbeschränkte Wissensklarheit: ›Ob ich geh’ oder stehe, schlaf’ oder wache, jederzeit hab’ ich die gesammte Wissensklarheit gegenwärtig.‹[89] Aber er besucht ein Haus wo niemand da ist, aber er bekommt keine Almosenspeise, aber er wird von einem Hunde gebissen, aber er begegnet einem rasenden Elephanten, aber ein scheues Ross rennt ihm entgegen, aber ein wüthender Stier stürzt auf ihn zu; aber er fragt ein Weib und einen Mann um Namen und Stand, aber er fragt nach dem Namen und dem Wege von Dorf und Stadt. Und wenn ihn einer angeht: ›Was ist das?‹, antwortet er: ›Ich sollte in das unbewohnte Haus eintreten, darum bin ich eingetreten; ich sollte keine Almosenspeise bekommen, darum hab’ ich keine bekommen; ich sollte von einem Hunde gebissen werden, darum bin ich gebissen worden; ich sollte einem rasenden Elephanten begegnen, darum bin ich ihm begegnet; es sollte mir ein scheues Ross entgegenrennen, darum ist es mir entgegengerannt; es sollte ein wüthender Stier auf mich zustürzen, darum ist er auf mich zugestürzt; ich sollte ein Weib und einen Mann um Namen und Stand fragen, darum hab’ ich gefragt; ich sollte nach dem Namen und dem Wege von Dorf und Stadt fragen, darum hab’ ich gefragt.‹

»Da überlegt nun, Sandako, ein verständiger Mann: ›Dieser liebe Meister, der weiß alles, versteht alles, bekennt unbeschränkte Wissensklarheit: ‚Ob ich geh’ oder stehe, schlaf’ oder wache, jederzeit hab’ ich die gesammte Wissensklarheit gegenwärtig.‘ Aber solches begegnet ihm, aber solche Rede geht von ihm aus.‹ Und er merkt: ›Es ist unerquickliche Askese‹, und wendet sich unbefriedigt von solchem Asketenthum ab.

»Das aber, Sandako, ist von Ihm, dem Erhabenen, dem Kenner, dem Seher, dem Heiligen, vollkommen Erwachten, als erste Art unerquicklicher Askese gezeigt worden, {520} wo ein verständiger Mann sicherlich keine Askese üben wird, übt er sie aber, nicht Aechtes, heilsames Recht erwirken kann.

»Und wieder, Sandako, giebt es einen Meister, der weiß vom Hörensagen her, hat die Wahrheit vom Hörensagen überkommen; nach dem Hörensagen, auf Treu und Glauben hin, wie ein Korb von Hand zu Hand weitergeht, überliefert er die Lehre.[90] Ein Meister aber, Sandako, der vom Hörensagen her weiß, die Wahrheit vom Hörensagen überkommen hat, der erinnert sich gut und erinnert sich schlecht, berichtet so und berichtet anders.

»Da überlegt nun, Sandako, ein verständiger Mann: ›Dieser liebe Meister, der weiß vom Hörensagen her, hat die Wahrheit vom Hörensagen überkommen; nach dem Hörensagen, auf Treu und Glauben hin, wie ein Korb von Hand zu Hand weitergeht, überliefert er die Lehre. Ein Meister aber, der vom Hörensagen her weiß, die Wahrheit vom Hörensagen überkommen hat, der erinnert sich gut und erinnert sich schlecht, berichtet so und berichtet anders.‹ Und er merkt: ›Es ist unerquickliche Askese‹, und wendet sich unbefriedigt von solchem Asketenthum ab.

»Das aber, Sandako, ist von Ihm, dem Erhabenen, dem Kenner, dem Seher, dem Heiligen, vollkommen Erwachten, als zweite Art unerquicklicher Askese gezeigt worden, wo ein verständiger Mann sicherlich keine Askese üben wird, übt er sie aber, nicht Aechtes, heilsames Recht erwirken kann.

»Und wieder, Sandako, giebt es einen Meister, der ist ein Grübler und ein Forscher; der trägt eine grüblerisch vernagelte Lehre vor, die er selbst ersonnen und ausgedacht hat. Ein Meister aber, Sandako, der ein Grübler ist und Forscher, der grübelt gut und grübelt schlecht, berichtet so und berichtet anders.[91]

»Da überlegt nun, Sandako, ein verständiger Mann: ›Dieser liebe Meister, der ist ein Grübler und Forscher; der trägt eine grüblerisch vernagelte Lehre vor, die er selbst ersonnen und ausgedacht hat. Ein Meister aber, der ein Grübler ist und Forscher, der grübelt gut und grübelt schlecht, berichtet so und berichtet anders.‹ Und er merkt: ›Es ist unerquickliche Askese‹, und wendet sich unbefriedigt von solchem Asketenthum ab.

»Das aber, Sandako, ist von ihm, dem Erhabenen, dem Kenner, dem Seher, dem Heiligen, vollkommen Erwachten, als dritte Art unerquicklicher Askese gezeigt worden, wo ein verständiger Mann sicherlich keine Askese üben wird, übt er sie aber, nicht Aechtes, heilsames Recht erwirken kann.