»Und also, Udāyī, sind es nicht diese fünf Eigenschaften, warum die Jünger mich werthhalten, hochschätzen, achten und ehren und auch des Vertrauens würdigen; vielmehr sind es, Udāyī, fünf andere Eigenschaften, warum die Jünger mich werthhalten, hochschätzen, achten und ehren und auch des Vertrauens würdigen: welche fünf?

»Da sind mir, Udāyī, die Jünger um Tugend zugethan: ›Tugendächt ist der Asket Gotamo, mit der höchsten Tugendheit begabt‹; weil mir aber, Udāyī, die Jünger um Tugend zugethan sind: ›Tugendächt ist der Asket Gotamo, mit der höchsten Tugendheit begabt‹, so ist das, Udāyī, die erste Eigenschaft, warum die Jünger mich werthhalten, hochschätzen, achten und ehren und auch des Vertrauens würdigen.

»Weiter sodann, Udāyī, sind mir die Jünger um zunehmende Wissensklarheit zugethan: ›Wissend nur sagt der Asket Gotamo ‚Ich weiß es‘, sehend nur sagt der Asket Gotamo ‚Ich seh’ es‘, zum Erkennen legt der Asket Gotamo die Lehre dar, nicht zum Verkennen, begründet legt der Asket Gotamo die Lehre dar, nicht unbegründet, erfassbar legt der Asket Gotamo die Lehre dar, nicht unerfassbar‹;[109] weil mir aber, Udāyī, die Jünger um zunehmende Wissensklarheit zugethan sind: ›Wissend nur sagt der Asket Gotamo ‚Ich weiß es‘, sehend nur sagt der Asket Gotamo ‚Ich seh’ es‘, {323} zum Erkennen legt der Asket Gotamo die Lehre dar, nicht zum Verkennen, begründet legt der Asket Gotamo die Lehre dar, nicht unbegründet, erfassbar legt der Asket Gotamo die Lehre dar, nicht unerfassbar‹, so ist das, Udāyī, die zweite Eigenschaft, warum die Jünger mich werthhalten, hochschätzen, achten und ehren und auch des Vertrauens würdigen.

»Weiter sodann, Udayī, sind mir die Jünger um Weisthum zugethan: ›Weise ist der Asket Gotamo, mit der höchsten Weisheit begabt; dass er etwa eine künftige Redeweise nicht vorhersehn, oder eine gegebene Gegenrede nicht mit Recht wohlabgewiesen abweisen könnte, nicht findet sich ein solcher Fall.‹ Was meinst du wohl, Udāyī: möchten da nun meine Jünger, also wissend, also sehend, sich in Zwischenfragen einlassen?«

»Gewiss nicht, o Herr!«

»Denn ich erwarte, Udāyī, von den Jüngern keine Belehrung, sondern die Jünger erwarten Belehrung von mir. Weil mir aber, Udāyī, die Jünger um Weisthum zugethan sind: ›Weise ist der Asket Gotamo, mit der höchsten Weisheit begabt; dass er etwa eine künftige Redeweise nicht vorhersehn, oder eine gegebene Gegenrede nicht mit Recht wohlabgewiesen abweisen könnte, nicht findet sich ein solcher Fall‹, so ist das, Udāyī, die dritte Eigenschaft, warum die Jünger mich werthhalten, hochschätzen, achten und ehren und auch des Vertrauens würdigen.

»Weiter sodann, Udāyī, gehn mir die Jünger, um was sie leiden in Leiden versunken, in Leiden verloren, entgegen und fragen mich um die heilige Wahrheit vom Leiden; {324} und ich geb’ ihnen, um die heilige Wahrheit vom Leiden befragt, die Antwort: und ich erhebe ihnen das Herz durch der Frage Beantwortung. Und sie fragen mich um die heilige Wahrheit von der Leidensentwicklung, von der Leidensauflösung, von dem Pfade, der zur Leidensauflösung führt; und ich geb’ ihnen, also befragt, die Antwort: und ich erhebe ihnen das Herz durch der Frage Beantwortung. Weil mir aber, Udāyī, die Jünger, um was sie leiden in Leiden versunken, in Leiden verloren, entgegengehn und mich um die heilige Wahrheit vom Leiden fragen; und ich geh’ ihnen, um die heilige Wahrheit vom Leiden befragt, die Antwort und erhebe ihnen das Herz durch der Frage Beantwortung, und sie fragen mich um die heilige Wahrheit von der Leidensentwicklung, von der Leidensauflösung, von dem Pfade, der zur Leidensauflösung führt, und ich geb’ ihnen, also befragt, die Antwort und erhebe ihnen das Herz durch der Frage Beantwortung: so ist das, Udāyī, die vierte Eigenschaft, warum die Jünger mich werthhalten, hochschätzen, achten und ehren und auch des Vertrauens würdigen.

»Weiter sodann, Udāyī, hab’ ich den Jüngern die Pfade gewiesen, auf deren Stegen meine Jünger zu den vier Pfeilern der Einsicht gelangen: da wacht, Udāyī, der Mönch beim Körper über den Körper, unermüdlich, klaren Sinnes, einsichtig, nach Verwindung weltlichen Begehrens und Bekümmerns; wacht bei den Gefühlen über die Gefühle, unermüdlich, klaren Sinnes, einsichtig, nach Verwindung weltlichen Begehrens und Bekümmerns; wacht beim Gemüthe über das Gemüth, unermüdlich, klaren Sinnes, einsichtig, nach Verwindung weltlichen Begehrens und Bekümmerns; wacht bei den Erscheinungen über die Erscheinungen, unermüdlich, klaren Sinnes, einsichtig, nach Verwindung weltlichen Begehrens und Bekümmerns. Da haben denn meine Jünger der {325} Erkenntniss letzte Vollendung reichlich erreicht.

»Weiter sodann, Udāyī, hab’ ich den Jüngern die Pfade gewiesen, auf deren Stegen meine Jünger die vier gewaltigen Kämpfe bestehn: da weckt, Udāyī, der Mönch seinen Willen, dass er unaufgestiegene üble, unheilsame Dinge nicht aufsteigen lasse, er müht sich darum, muthig bestrebt, rüstet das Herz, macht es kampfbereit; weckt seinen Willen, dass er aufgestiegene üble, unheilsame Dinge vertreibe, er müht sich darum muthig bestrebt, rüstet das Herz, macht es kampfbereit; weckt seinen Willen, dass er unaufgestiegene heilsame Dinge aufsteigen lasse, er müht sich darum muthig bestrebt, rüstet das Herz, macht es kampfbereit; weckt seinen Willen, dass er aufgestiegene heilsame Dinge sich festigen, nicht lockern, weiterentwickeln, erschließen, entfalten, erfüllen lasse, er müht sich darum, muthig bestrebt, rüstet das Herz, macht es kampfbereit. Da haben denn meine Jünger der Erkenntniss letzte Vollendung reichlich erreicht.