»Die vergangenen Tage, o Herr, vor einiger Zeit, hab’ ich ihm, der alles weiß, alles versteht, unbeschränkte Wissensklarheit bekennt — ‚Ob ich geh’ oder stehe, schlaf’ oder wache, jederzeit hab’ ich die gesammte Wissensklarheit gegenwärtig‘ — von Anfang an Fragen gestellt: er aber ist von einem auf ein anderes übergegangen, vom Gegenstande abgeschweift, hat Verdrossenheit, Hass und Misstrauen an den Tag gelegt. Da hab’ ich, o Herr, eben an den Erhabenen mit Freuden gedacht: ›Ja der Erhabene, ja der Willkommene, der wird gewiss dieser Dinge kundig sein!‹«

»Wer ist es denn, Udāyī, der alles weiß, alles versteht, unbeschränkte Wissensklarheit bekennt — ‚Ob ich geh’ oder stehe, schlaf’ oder wache, jederzeit hab’ ich die gesammte Wissensklarheit gegenwärtig‘ — der von dir, von Anfang an befragt, von einem auf ein anderes übergegangen, vom Gegenstande abgeschweift ist, Verdrossenheit, Hass und Misstrauen an den Tag gelegt hat?«

»{353} Nāthaputto, Herr, der Freie Bruder.«

»Wer sich, Udāyī, mancher verschiedenen früheren Daseinsform erinnerte, als wie an ein Leben, dann an zwei Leben, und so weiter; wer sich also an manche verschiedene frühere Daseinsform, mit je den eigenthümlichen Merkmalen, mit je den eigenartigen Beziehungen, erinnern kann: mag der von Anfang an mir Fragen stellen, oder mag er von Anfang an mich fragen lassen, so wird er, wie er sich von Anfang an die Fragen lösen lässt, sich zufrieden stellen, oder wird, wie er mich von Anfang an die Fragen lösen lässt, sich zufrieden geben. Wer[122] da, Udāyī, mit dem himmlischen Auge, dem geläuterten, über menschliche Gränzen hinausreichenden, die Wesen dahinschwinden und wiedererscheinen sähe, gemeine und edle, schöne und unschöne, glückliche und unglückliche, erkennen kann wie die Wesen je nach den Thaten wiederkehren: mag der vom Ende an mir Fragen stellen, oder mag er vom Ende an mich fragen lassen, so wird er, wie er sich vom Ende an die Fragen lösen lässt, sich zufrieden stellen, oder wird, wie er mich vom Ende an die Fragen lösen lässt, sich zufrieden geben. Aber, Udāyī, sei es um den Anfang, sei es um das Ende: die Satzung werd’ ich dir aufweisen. Wenn Jenes ist, wird Dieses, durch die Entstehung von Jenem entsteht Dieses; wenn Jenes nicht ist, wird Dieses nicht, durch die Auflösung von Jenem wird Dieses aufgelöst.[123]«

»Ich kann mich dessen, o Herr, was ich nur in meiner gegenwärtigen Erscheinung alles erlebt habe, durchaus nicht je einzeln ganz genau erinnern: woher sollt’ {354} ich mich gar an manche verschiedene frühere Daseinsform erinnern, als wie an ein Leben, dann an zwei Leben, und so weiter, mit je den eigenthümlichen Merkmalen, mit je den eigenartigen Beziehungen, gleichwie etwa der Erhabene? Ja, o Herr, nicht einmal ein Irrlicht vermag ich jetzt wahrzunehmen: woher sollt’ ich gar mit dem himmlischen Auge, dem geläuterten, über menschliche Gränzen hinausreichenden, die Wesen dahinschwinden und wiedererscheinen sehn, gemeine und edle, schöne und unschöne, glückliche und unglückliche, und erkennen wie die Wesen je nach den Thaten wiederkehren, gleichwie etwa der Erhabene? Was mir nun erst, o Herr, der Erhabene da gesagt hat: ›Aber, Udāyī, sei es um den Anfang, sei es um das Ende: die Satzung werd’ ich dir aufweisen. Wenn Jenes ist, wird Dieses, durch die Entstehung von Jenem entsteht Dieses; wenn Jenes nicht ist, wird Dieses nicht, durch die Auflösung von Jenem wird Dieses aufgelöst‹, das ist mir noch viel weniger klar geworden. O dass ich nur, o Herr, bei meinem eigenen Lehrsatze dem Erhabenen durch die Lösung der Fragen zustimmen könnte!«

»Was hast du denn, Udāyī, für einen eigenen Lehrsatz?«

»Unser eigener Lehrsatz, o Herr, der lautet: ›Das ist der höchste Glanz, das ist der höchste Glanz.‹«

»Was du aber da, Udāyī, als eigenen Lehrsatz also ansiehst, ›Das ist der höchste Glanz, das ist der höchste Glanz‹, was ist das für ein höchster Glanz?«

»Ein Glanz, o Herr, über den es keinen größeren und helleren giebt, das ist der höchste Glanz.«

»Und was ist das, Udāyī, für ein höchster Glanz, über den es keinen größeren und helleren giebt?«