»Ich bin, o Raṭṭhapālo, mit zwanzig oder mit fünfundzwanzig Jahren imstande gewesen Elephanten zu bändigen, Rosse zu reiten, Wagen zu lenken, Bogen zu spannen, Schwerdter zu schwingen, bin stark in den Schenkeln, stark in den Armen gewesen, tauglich genug zum Kampfe. Zuweilen fühlt’ ich, o Raṭṭhapālo, fast Ueberkraft in mir: nicht hab’ ich an Stärke meines Gleichen gekannt.«

»Was meinst du wohl, großer König: bist du auch jetzt ebenso stark in den Schenkeln und Armen, tauglich genug zum Kampfe?«

»Das nicht, o Raṭṭhapālo: jetzt bin ich alt und greis geworden, hochbetagt, dem Ende nahe, ausgelebt, stehe im achtzigsten Jahre. Zuweilen will ich, o Raṭṭhapālo, den Fuß dahinsetzen, und setze ihn dorthin.«

»Daran aber, großer König, hat Er gedacht, der Erhabene, der Kenner, der Seher, der Heilige, vollkommen Erwachte, als er gesagt hat: ›Aufgerieben wird die Welt, verweslich‹; das hab’ ich erfahren und gesehn und gehört, {403} und bin aus dem Hause in die Hauslosigkeit gezogen.«

»Wunderbar, o Raṭṭhapālo, außerordentlich ist es, o Raṭṭhapālo, wie Er da so richtig gesagt hat, der Erhabene, der Kenner, der Seher, der Heilige, vollkommen Erwachte, ›Aufgerieben wird die Welt, verweslich‹: denn aufgerieben wird, o Raṭṭhapālo, die Welt, verweslich. — Versehn ist, o Raṭṭhapālo, meine Königsburg mit Kriegselephanten, mit Reiterei, mit Streitwagen, mit Fußtruppen, die uns in Noth und Gefahr zu Schutz und Trutz gereichen. ›Hülflos ist die Welt, ohnmächtig‹, hat Herr Raṭṭhapālo gesagt: wie aber soll man, o Raṭṭhapālo, den Sinn dieser Worte verstehn?«

»Was meinst du wohl, großer König: leidest du an irgend einem andauernden Uebel?«

»Ich leide, o Raṭṭhapālo, an dem Uebel der andauernden Gicht. Zuweilen, o Raṭṭhapālo, stehn meine Freunde und Genossen, Verwandte und Vettern um mich herum und reden: ›Diesmal wird König Koravyo sterben! Diesmal wird König Koravyo sterben!‹«

»Was meinst du wohl, großer König: erlangst du das bei deinen Freunden und Genossen, Verwandten und Vettern: ›Kommt heran, ihr lieben Freunde und Genossen, Verwandte und Vettern! Alle, die ihr da seid, mögt diesen Schmerz unter euch theilen, damit ich den Schmerz minder empfinde!‹, oder aber musst du den Schmerz allein erdulden?«

»Nicht kann ich das, o Raṭṭhapālo, bei meinen Freunden und Genossen, Verwandten und Vettern erlangen: ›Kommt heran, ihr lieben Freunde und Genossen, Verwandte und Vettern! Alle, die ihr da seid, mögt diesen Schmerz unter euch theilen, damit ich den Schmerz minder empfinde!‹, sondern ich muss den Schmerz allein erdulden.«